Frankenthal
Lutherkirche/St. Paul: Eva Decker leitet seit 25 Jahren den Chor
Das Dirigentenamt in der protestantischen Gemeinde des Carl-Bosch-Viertels bekam Eva Decker ganz ohne Vorwarnung angetragen. „Eines Tages rief mich Werner Busch in der Schule an und fragte, ob ich seine Nachfolgerin werden will“, erinnert sie sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der damalige Realschulrektor ging in den Ruhestand und wollte sich nur noch auf das Orgelspiel in der Lutherkirche beschränken. Und die junge Kollegin, die schon Erfahrungen mit dem Chor der Zwölf-Apostel-Kirche gemacht und ein Konzert einstudiert hatte, ließ sich – ermuntert von Pfarrer Albrecht Roth – nicht zweimal bitten und sagte zu. Das war 1996.
Der Chor rekrutierte sich damals weitgehend aus „älteren Semestern“, doch auf die Verjüngungskur musste die Neue nicht allzu lange warten. „Wir haben Nachwuchs mit guten Leuten bekommen“, berichtet Decker. Zeitweise habe es in der Lutherkirche sogar einen Kinderchor gegeben. Bis zu 30 Sänger besuchen in guten Zeiten die Chorproben. „Während der Corona-Pandemie habe ich mir schon Sorgen gemacht, wie es weitergeht“, bekennt die Dirigentin. Sie habe aber gemerkt, dass die Menschen den Chorgesang brauchen. Und natürlich auch das gesellige Element, das bei Festen und Ausflügen stets gepflegt wird.
Zeitweise in fünf Chören gesungen
Die musischen Talente wurden der 57-Jährigen regelrecht in die Wiege gelegt. „Meine Mutter erzählte immer, dass ich zuerst gesungen und dann gesprochen habe“, berichtet sie. In Mülheim an der Ruhr geboren, kam Eva Decker schon im Alter von zwei Jahren in die Pfalz. Sie ging in Ludwigshafen zur Schule, nahm Geigenunterricht, sang im Chor des Theodor-Heuss-Gymnasiums und leitete das Schulorchester. Inzwischen nach Frankenthal umgezogen, machte sie am Karolinen-Gymnasium Abitur und studierte anschließend in Landau Grund- und Hauptschulpädagogik – mit Musik als zweitem Fach. „Ich habe mich in dieser Zeit musikalisch voll ausgelebt und zeitweise in fünf Chören gesungen“, erzählt sie.
Ihr Schwerpunkt lag auf der Kirchenmusik. Decker besuchte Seminare, leitete den Kinderchor der Stiftskirche Landau und bekam beim Chorleiterunterricht den letzten Schliff. 1989 trat Decker an der Carl-Bosch-Schule eine Planstelle an, wechselte später an die Erkenbertschule und unterrichtet heute an der Grundschule in Großniedesheim. Dazwischen hatte sich die Mutter zweier Kinder – 15 und 19 Jahre alt – eine berufliche Auszeit gegönnt.
Normalerweise zwei Konzerte im Jahr
Von ihrer Gesangsausbildung profitiert sie auch als Chorleiterin. „Ich singe viel vor. Das gegenseitige Hören ist mir wichtig“, erklärt sie. Vor der Corona-Pandemie hat der Kirchenchor zwei Konzerte im Jahr gegeben: die Adventsmusik in St. Paul und das Sommerkonzert mit Abendsegen in der Lutherkirche, wo die Dirigentin und ihre Familie fest verwurzelt sind. Bei der Auswahl des Liedguts achtet Eva Decker auf Vielfalt. Gesungen wird nicht nur aus ökumenisch ausgerichteten Chorheften, zum Repertoire zählen auch kleine Kantaten, Madrigale und Volkslieder. Auch Instrumentalisten – wie die Geigerin Anna Katharina Thoma oder das Streichertrio Merger – werden bei den Konzerten immer wieder gerne einbezogen.
TERMIN
Das 25-jährige Jubiläum von Eva Decker als Chorleiterin wird am Sonntag, 12. September, 10 Uhr, beim Gemeindegottesdienst in der Lutherkirche gefeiert. Im Gottesdienst wird der Chor auftreten. Das Ensemble wird von Bezirkskantor Eckhart Mayer begleitet.