Frankenthal
Lockdown-Show: Theater Alte Werkstatt geht online
„Ein Zuhause für Alle“: Den Titel einer arabischen Fernsehsendung findet TAW-Chef Hellmann so passend, dass er ihn direkt für sein Projekt übernommen hat. „Das Theater als Ort, an dem man zusammen lacht und zusammen weint, als ein Zuhause für einen Abend zu erhalten, darum geht es uns gerade.“ Deshalb war für ihn auch klar, dass das keine Ein-Mann-Show werden soll. In jeder Folge sollen Künstler aus der Region ebenso ein Podium finden wie Teammitglieder im TAW. „Es gibt im Moment für uns Künstler ja sonst keinen Ort, an dem wir auftreten können“, sagt Hellmann. Das sei für viele Kollegen neben den finanziellen Sorgen sehr belastend.
Trotzdem soll das Ganze keine „Jammershow“ werden. Und tatsächlich klingt das, was Hellmann und Ammar Alsaied gemeinsam planen, produzieren und moderieren, höchst unterhaltsam. Neben netten Plaudereien mit den Gästen – zugesagt haben bislang unter anderem die Sängerin Anna Krämer sowie Schauspieler und Comedian Tim Poschmann – soll es kleinere Filmbeiträge und Spiele geben. Angefragt seien neben Kulturschaffenden auch andere Personen aus dem öffentlichen Leben. Für Gesangseinlagen sorgen unter anderem die Frankenthalerin Melanie Schlüter und Sascha Fischer aus der Show Tipitipitipso.
Bühnenbild „Bei Hellmann daheim“
Dass Hellmann und Alsaied noch relativ unerfahren im Bereich Streaming sind, schreckt sie nicht. „Wir haben uns Kameras gekauft und Schneideprogramme und legen einfach los.“ Rund 5000 Euro aus Förderprogrammen des Landes habe man für die Technik investiert. Der spontane, improvisierte Charakter könne auch zum Charme der Show beitragen, glauben sie. „Wir sind selbst gespannt, wie sich das Ganze vielleicht von Folge zu Folge weiterentwickelt“, sagt der TAW-Chef. Bereits im Frühjahr während des ersten Lockdowns hatte das Theater im Netz, damals noch mit dem Smartphone gefilmte, Beiträge gepostet. Von der Resonanz sei man damals selbst überrascht gewesen. Trotzdem: „Das ist jetzt mit der Ausrüstung schon ein riesen Unterschied.“
Zum Start am Freitag, 13. November, haben die Gastgeber das Ensemble der TAW-Produktion „Hallo, ich bin’s“ eingeladen. Neben Regisseur Sascha Stegner sind das die Schauspieler Silke Ohndorf, Lena Hahn und Jürgen Walter, die Hellmann in einem eigens gebauten Bühnenbild im Stil von „bei Jürgen Hellmann daheim“ begrüßt. Weil es in dem Stück, das eigentlich am 26. November hätte Premiere feiern sollen, ums Telefonieren geht, hat Alsaied als Einspieler eine Straßenumfrage unter Frankenthalern zum Thema vorbereitet. „Das Telefon hat in den zurückliegenden Monaten enorm an Bedeutung gewonnen, um Kontakte zu anderen aufrecht zu halten“, sagt Hellmann.
Kochtipps aus der Showküche
Auch die Vorbereitungen für eine andere Premiere, die im November nicht stattfinden kann, will das TAW für die Show nutzen. In der Showküche, die für die Produktion „Wer kocht, schießt nicht“ gebaut wurde, sollen Hobbyköche und -bäcker aus dem Theaterteam Haushaltstipps geben.
Geplant ist, etwa dreimal die Woche, immer gegen Ende der Woche, eine neue Folge online zu stellen. Wenn alles gut liefe und der Kultur-Lockdown Anfang Dezember endet, wären das etwa sechs Shows. Doch Hellmann glaubt nicht recht an ein schnelles Ende des neuen Formats: „Vielleicht haben wir Glück und können an Weihnachten oder Silvester wieder vor Publikum spielen.“
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