Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Licht aus, Mond an: Jazz-Quartett um Sängerin Nicole Metzger verzaubert im Freischwimmer

Eine tolle Truppe, die hier im ehemaligen Hallenbad zusammengefunden hat: (von links) Daniel Prandl am Klavier, Sängerin Nicole
Eine tolle Truppe, die hier im ehemaligen Hallenbad zusammengefunden hat: (von links) Daniel Prandl am Klavier, Sängerin Nicole Metzger, Joe Fonda am Bass und Olaf Schönborn am Saxophon.

Zwei Stunden intensiver Live-Jazz mit vier Großen der nationalen und internationalen Jazzszene.

„Ich habe noch nie in einem Schwimmbecken gespielt“, räumt der New Yorker Bassist Joe Fonda ein, der extra aus den USA angereist ist, aber so einen ungewöhnlichen Spielort noch nie gesehen hat: Der „Freischwimmer“ in Ludwigshafen ist ein ehemaliges Hallenbad, das schon vor Jahren seinen Betrieb einstellen musste. Jetzt ist das ehemalige Lehr-Schwimmbecken ein leicht ansteigender Konzertsaal mit hervorragender Akustik.

Joe Fonda spielt an diesem Dienstagabend in einem hochkarätigen Quartett mit der Sängerin Nicole Metzger, dem Pianisten Daniel Prandl und dem Saxophonisten Olaf Schönborn. Metzger lernte er schon vor einem Vierteljahrhundert in der legendären Jazzkneipe „Maxburg“ in deren Heimatstadt Neustadt kennen, damals eine wichtige Drehscheibe des Jazz in unserer Region. Metzger erhielt den entscheidenden Anruf: „You must sing my songs“, und ohne lange Vorbereitungen wurde in New York eine der besten Platten der sympathischen Sängerin aufgenommen. Daraus entstand die Formation „The New York Connection“, die lange in Europa und den USA unterwegs war.

Wie kommen die beiden nun in den „Freischwimmer“? Der Organisator und Gastgeber des Abends, der umtriebige Saxophonist Olaf Schönborn stellte in seiner Einladung klar: „Wir spielen, was es anderswo nicht gibt“ und hielt Wort. Schönborn hält Charlie Parker für „den besten Saxofonisten, den es je gab“ und bestätigt das mit dem Titel „Confirmation“: Gemeinsame Melodielinien mit dem Bass, ein paar Akkorde zur Abstützung, und es swingt. Eigentlich, so Schönborn, „braucht man nix, außer dem Swing“, was passt da besser als ein Song wie „It don“t mean a thing (If it ain’t got that swing)“?

Joe Fonda swingt auf seinem klassischen Double Bass, verziert wichtige Noten, setzt Akkorde als Akzente oder verstimmt den Schlusston, scattet und agiert als ein gleichberechtigtes Mitglied dieses hochklassigen Ensembles, was 100 Besucher im restlos ausverkauften „Freischwimmer“ bestätigen können. Schönborn stellt Fonda als „weltweit meistbeschäftigten Bassisten von Bebop bis Free Jazz“ vor, der gerade ein Buch über sein Leben veröffentlicht habe. Das ist am Abend auch käuflich zu erwerben.

Nicole Metzger ist derzeit, vom Pianisten Daniel Prandl begleitet, mit zwei Tribute-Shows bundesweit unterwegs: einem „Ella“ (Fitzgerald)- Programm und mit „So oder so ist das Leben“, das an die Sängerin Hildegard Knef erinnert. Prandl erweckte beim Fachpublikum mit seinem „Skrejabin Code“ Aufsehen, er ist in klassischen wie jazzigen Gefilden zu Hause und zaubert am Nord-Stage-Piano („Für einen Konzertflügel war hier leider kein Platz mehr“) Klänge, wie man sie sonst nur von größeren Instrumenten her kennt. Mühelos zitiert er Bachsche Fugen, romantische Etüden und interagiert mit Joe Fonda, also hätten sie zeitlebens nichts anderes getan. Besonders geflasht wird man jedoch, wenn die Sängerin und der Bassist gemeinsam im Duo (und sonst nichts) musikalisch miteinander verschmelzen. Da stimmt die Chemie, da knistert die Luft, und man fragt sich, wo man solch schöne und perfekte Klänge das letzte Mal gehört hat.

Der Mond könnte ein Motto des Abends ein – also Licht aus, der „Blue moon“ leuchtet. Fonda streicht seinen Bass, und Saxophon und Stimme tauschen die Argumente aus. Die geschulte Stimme von Nicole Metzger strahlt an diesem Abend mit Kraft und Souveränität. Sie war schon einmal im Publikum, aber es ist ihr erste Auftritt hier. Zum „Old Devil Moon“ gehört ein grooviger Walking Bass voll guter Laune. „Not for me“ haben wir so noch nie gehört. Der Bass singt, diskutiert, fragt und stimmt zu. Metzger scattet, und da ist es wieder nach 25 Jahren, das unvergessliche Maxburg-Feeling. „Wir brauchen keinen Schlagzeuger“ erklärt Schönborn. „Ich bin der Schlagzeuger“, ruft Fonda auf Deutsch dazwischen, seiner deutschen Partnerin sei Dank.

Dinge tun, die es anderswo nicht gibt: Nur im „Freischwimmer“ singen 100 Kehlen auf einmal ohne Vorwarnung mit, „Nothing can't be done“ oder „Doowa doowa doowaa“. Zwei Stunden intensiver Live-Jazz, ein Abend mit Juwelen der internationalen Jazzszene. Musik, die Kontinente und Nationen verbindet und gerade in diesen verrückten Zeiten wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermittelt.

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