Frankenthal „Lebensmittel wegwerfen ist eine Sünde“

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Am Sonntag, 17. Mai, blickt die Frankenthaler Tafel, die noch brauchbare Lebensmittel einsammelt und an Bedürftige verteilt, auf ihr 15-jähriges Bestehen zurück. Von 11 bis 17 Uhr sind die Bürger eingeladen zu einem geselligen Zusammensein bei Kaffee, Kuchen, Kinderschminken und Luftballonweitfliegen an der Ausgabestelle der Tafel in der Mörscher Straße 97. Stefan Tresch sprach mit den Mitbegründern der Tafel, Marianne und Franz-Josef Möller.

Was war für Sie die Triebfeder, vor 15 Jahren die Tafel zu gründen? Was hält Sie heute bei der Arbeit?Franz-Josef Möller:

Wir machen das aus christlicher Nächstenliebe. Wir sind beide Jahrgang 1930, haben noch Hunger erlebt. Zu Hause wurden uns in den Hungerjahren die Brotschnitten vorgezählt. Lebensmittel wegzuwerfen, empfinden wir als eine Sünde. Unsere Losung ist: Einem anderen geben, was er braucht. Ein Stück Brot, ein Lächeln, ein offenes Ohr. Jetzt – nicht irgendwann. Wir müssen auch die Flüchtlinge jetzt mit offenen Armen aufnehmen, sie integrieren. Wie ist die Idee zur Gründung der Frankenthaler Tafel entstanden? Franz-Josef Möller: Wir waren in der Pfarrei St. Ludwig in der Obdachlosenhilfe tätig, kümmerten uns um Menschen, die auf der Straße lebten. Damals kam Sabine Rottsahl in den Caritas-Ausschuss und stellte die relativ neue Bewegung der Tafel vor. Schnell wurden wir Mitglied im Bundesverband der Tafeln. Wie finanzieren Sie die Tafel? Marianne Möller: Grundsätzlich arbeiten alle an der Tafel beteiligten Personen ehrenamtlich. Natürlich haben wir finanzielle Aufwendungen – Miete, Energiekosten, Fahrzeuge beispielsweise –, die belaufen sich auf etwa 2000 Euro im Monat. Der kleine Beitrag von zwei Euro, den wir von unseren Kunden für die Abgabe der Lebensmittel verlangen, reicht für die Deckung der Kosten nicht aus. Den Rest erwirtschaften wir über Spenden und Sponsoren. Sie geben täglich außer sonntags zwischen 13 und 14 Uhr Lebensmittel aus. Wie groß ist da der organisatorische Aufwand? Marianne Möller: Der ist ordentlich. Rund 70 ehrenamtliche Helfer sind engagiert. Viele haben einen festen Tag, an dem sie helfen. Samstags haben wir ein rotierendes System, da kaum jemand bereit ist, sich jeden Samstag für die Tafel zu engagieren. Dazu kommen flexible Hilfskräfte, die einspringen, wenn Not am Mann ist. Ab und zu helfen jene, die von der Essenausgabe profitieren. Die Organisationsarbeit beginnt bei mir schon morgens am Frühstückstisch. Die Lebensmittel spendenden Supermärkte haben uns gleich zu Beginn gesagt: Wenn ihr Lebensmittel abholt, dann regelmäßig. Deshalb öffnen wir täglich. Funktioniert das mit den Spenden in jeglicher Hinsicht gut? Franz-Josef Möller: Ja, wir haben einen guten Stamm an Lebensmittelspendern. Dienstags ist unser stärkster Tag, da fahren wir regelmäßig 18 Lebensmittelmärkte an und holen Ware ab. Auch Privatleute bringen regelmäßig Lebensmittel vorbei. Beispielsweise Überschüsse aus dem eigenen Garten. Es gibt aber auch Personen, die kaufen extra ein und bringen uns die Lebensmittel. Manchmal bekommen wir von benachbarten Tafeln noch Lebensmittel, wenn dort von bestimmten Artikeln zu viel im Angebot ist. Auch wir haben schon Nachbartafeln Waren angeboten. Über zu wenig finanzielle Spenden können wir derzeit nicht klagen. Man braucht ja aber auch immer Rücklagen, falls etwas kaputt geht. Wer kann zur Tafel kommen? Marianne Möller: Unsere Kunden brauchen einen Nachweis, dass sie bedürftig sind, eine Bescheinigung von der Caritas oder Diakonie, oder sie besitzen die Frankenthaler Ermäßigungskarte. Ihre Kunden stehen oft schon weit vor 13 Uhr vor der Tür. Warum? Marianne Möller: Es gibt da teilweise schon Ängste, bei der Verteilung zu kurz zu kommen. Wobei wir schon darauf achten, dass die Verteilung einigermaßen gerecht zugeht. Auch die, die erst am Ende der Ausgabezeit Einlass finden, bekommen noch gute Lebensmittel. Es gibt jedoch Kunden, die fordernd sind, ein hohes Anspruchsdenken haben. Da müssen wir uns zurücknehmen. Unser Motto ist, wenn wir einem am Tag geholfen haben, dann hat es sich gelohnt. Immerhin kommen etwa 40 bis 80 Personen täglich. Welche Wünsche haben Sie? Franz-Josef Möller: Dass wir so langsam Nachfolger für unsere Arbeit finden. Wir haben mit 70 Jahren mit der Arbeit bei der Tafel angefangen, jetzt sind wir 85. Es würde uns jedoch etwas fehlen, wenn wir die Arbeit bei der Tafel nicht mehr machen. Wir freuen uns auch über weitere ehrenamtliche Mitarbeiter.

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