Frankenthal Lauschen und Laufen

Das kulturelle Leben in Frankenthal mit anspruchsvollen Konzerten zu bereichern, ist Ziel des Fördervereins Kirchenmusik. Fünf Termine in fünf Kirchen sind bis September geplant. Erstmals angeboten wird im Sommer ein Orgelspaziergang, bei dem die Zuhörer zwischen den Konzerten den Ort wechseln.
Zum Auftakt am 12. April sind mit dem Nürtinger Konzertensemble alte Bekannte zu Gast in Frankenthal. Solisten, Chor und Orchester führen in der Kirche St. Ludwig Antonin Dvoráks Oratorium „Stabat Mater“ auf. Der tschechische Komponist bearbeitete darin die Trauer über den Tod dreier seiner Kinder. „Stabat Mater“ gilt als das erste bedeutende Werk tschechischer Sakralmusik und begründete Dvoráks Weltruhm. Bei der Aufführung in Frankenthal werden rund 150 Musiker und Sänger auf der Bühne stehen, darunter die Solisten Nina Vitol (Sopran), Maria Lichtermann (Alt), Alexander Efanov (Tenor) und Michail Nikiforov (Bass). Die Leitung des Konzerts hat Hans-Peter Bader. Baders familiären Kontakten nach Frankenthal sind auch die regelmäßigen Gastspiele des Konzertensembles zu verdanken. Er ist der Schwiegersohn des langjährigen Kirchenchorleiters von St. Paul und Initiators der Nachtkonzerte, Karl-Heinz Pelzer. Ein Versuch, auch jüngere Zuhörer für Kirchenmusik zu gewinnen, ist das Programm der Gruppe Resonanz am 17. Mai. Zu der Frage „Was bist Du Mensch?“ gestalten acht Musiker und Sänger aus der Region in der Kirche St. Paul einen Abend mit Liedern und Geschichten. Stilistisch reicht ihr Repertoire von Barock bis Rock’n’Roll. Den Gesang begleiten Keyboard, Gitarre, Bass, Saxofon, Geige und Percussionsinstrumente. Auf Neuland begibt sich der Förderverein mit einem Orgelspaziergang, der am 15. Juni Konzerte in den Kirchen St. Dreifaltigkeit, St. Ludwig und Zwölf-Apostel verbinden soll. Je 30 Minuten lang werden Markus Eichenlaub (Domorganist in Speyer) sowie die Dekanatskantoren Georg Treuheit und Eckhard Mayer spielen, zum Abschluss gibt es ein Finale mit allen Dreien. Die Idee habe Eichenlaub eingebracht, berichtet Mechthilde Wieder-Fücks, als Vorsitzende des Fördervereins Kirchenmusik verantwortlich für die Programmplanung. In Speyer seien die Orgelspaziergänge seit Jahren sehr beliebt. Auf Initiative Eichenlaubs hin soll der Erlös des Konzertes an eine neu gegründete Stiftung namens „Lost Voices“ (www.lost-voices-stiftung.org) gehen. Die Stiftung mit Sitz in Speyer unterstützt Menschen, die unter Chronischem Erschöpfungssyndrom leiden. „So in Frankenthal noch nicht zu hören“, war laut Wieder-Fücks die jüdische geistliche Musik, die am 20. Juli in der Zwölf-Apostel-Kirche vorgetragen wird. Der Kurpfälzische Singkreis, der Kammerchor der Städtischen Musikschule, feiert mit Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“ und Werken des gebürtigen Mannheimers Samuel Adler und des im Frühbarock wirkenden Italieners Salamone Rossi sein 25-jähriges Bestehen. Ebenfalls ein Jubiläum begeht das Blechbläserensemble Bavarian Brass. Die Bayern hätten angefragt, ob sie eines ihrer Konzerte zum 20-jährigen Bestehen in Frankenthal geben dürfen, so die Fördervereinsvorsitzende. Schon viermal waren die sechs jungen Musiker, die bei den Hofer Symphonikern engagiert sind, in der Pfalz. Ein Schwerpunkt des Auftritts mit vier Trompeten, Schlagwerk und Orgel sind Werke aus dem Zeitalter Johann Sebastian Bachs. Auch moderne Stücke haben die jungen Musiker am 20. September im Repertoire. In der Versöhnungskirche werden sie für das Publikum gut sichtbar sein, weil hier die Orgel im Altarraum steht. Ein solches Programm vorzulegen, sei für den Förderverein mit seinen rund 90 Mitgliedern jedes Mal ein Kraftakt, berichtet Wieder-Fücks. Eintrittsgelder decken nach ihrer Aussage nur etwa ein Viertel der Kosten. „Unter 6000 Euro bekommt man fast nichts“, sagt die Vereinsvorsitzende. Weil im Vorjahr die Konzerte gut besucht und nicht zu teuer gewesen seien, habe man einen guten Grundstock für 2014. Dazu kommen je 1000 Euro von Stadt und Stadtwerken und die Mitgliedsbeiträge von je 30 Euro. Das Nürtinger Konzertensemble übernehme seine Reisekosten selbst, bei 150 Akteuren kein Pappenstiel, und auch den Auftritt von Bavarian Brass habe man zu einem guten Preis bekommen können. Trotzdem entscheide am Ende das Publikum in diesem Jahr auch mit darüber, was im kommenden Jahr möglich ist, betont Mechthilde Wieder-Fücks. (soj)