Karate
Landeskader-Athleten schnuppern etwas Wettkampfluft
Seit Januar trainieren die Nachwuchskarateka im Landesleistungszentrum in der Mörscher Straße wieder. Auch wenn sie als Leistungssportler früh wieder mit den Einheiten beginnen konnten, sind sie doch noch weit weg vom Normalbetrieb. Da sind zum Beispiel die verschobenen Deutschen Meisterschaften. Die Karateka sind nicht sicher, ob diese 2021 noch stattfinden werden. Deshalb waren die Athleten des Landesleistungszentrums erleichtert, als sie zu einem Vergleichswettkampf in Luxemburg eingeladen wurden. Auch Sportler aus den Niederlanden waren dort vertreten. Möglich gemacht hatten dies die guten Kontakte von Landestrainerin Imola Szebényi, die auch das Frankenthaler Dojo leitet.
„Es war wirklich schön, mal wieder unter Leute zu kommen und andere Sportler zu sehen. Das war richtiger ,Olympic Style’ – da war Spannung zu spüren, auch für uns Trainer“, sagt Szebényi. Ihr ist die Erleichterung anzumerken. Ihre Karateka hätten sich zwar privat fit gehalten und über Online-Konferenzen sei auch das Training weitergelaufen, berichtet sie. „Doch in der Gruppe kann man sich gegenseitig viel besser pushen. Zudem sind Korrekturen für mich als Trainerin online schwieriger“, meint Szebényi. Sie bedauert vor allem die ganz jungen Karatesportler. Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren könne man über Videokonferenzen im Internet nicht abholen.
Physisch und mental gefordert
Der Vergleichswettkampf in Luxemburg sei sportlich zwar von keiner großen Bedeutung gewesen. „Es war aber schön, mal wieder das Wettkampfgefühl zu haben.“ Wenn es wieder richtig losgehe, sollten die Sportler des Leistungskaders nicht komplett aus der Übung sein. Wobei Szebényi einräumt, dass die Corona-Zwangspause manchen Leistungssportlern sogar etwas gebracht habe: „Der Körper konnte regenerieren. Einige Athleten haben im Anschluss einen richtigen Leistungssprung gemacht.“
Eine Kämpferin, die in Luxemburg dabei war, ist die 15-jährige Joana Brachetti aus Berghausen bei Speyer. 2017 hatte sie in Speyer mit Karate begonnen, nun trainiert sie im 1. Shotokan Karate Club Frankenthal im Landesleistungszentrum. Wieso sie sich für Karate entschieden hat? „Der Freitag war der einzige Wochentag, an dem mich meine Mutter zum Sport fahren konnte. Da bot sich das Karatetraining an“, erzählt Brachetti und lacht. Sie habe schnell gespürt, dass dies ihr Sport sei. Sie liebe es, physisch und mental gefordert zu sein. Und sie schätze Werte wie Respekt und Toleranz, die Karate vermittle. „Das Dojo ist eine andere Welt. Das ist mehr als nur Sport“, betont Brachetti. Karate zeige ihr: „Je härter ich an mir arbeite, desto mehr Erfolg habe ich.“
Ohne Wettkämpfe fehlt das Ziel
Ihr Wechsel nach Frankenthal sei jedoch in die Anfangsphase der Pandemie gefallen, berichtet die 15-Jährige. Kontakte mit den anderen Sportlern habe sie da kaum knüpfen können. Doch nicht nur deshalb freue sie sich, dass endlich wieder Präsenztraining stattfindet: „Die Gruppe bietet mehr Ansporn, und der Drill hat mir gefehlt.“ Den Vergleichswettkampf habe sie richtig genossen. So habe es ein direktes Feedback der Kampfrichter gegeben, worauf noch zu achten sei. „Das kann ich jetzt ins Training einbeziehen“, sagt sie. Ohne Wettkämpfe fehle auch ein Ziel, auf das man hinarbeiten könne. „Ich will besser werden und über mich hinauswachsen“, betont die ehrgeizige 15-Jährige.
Alexander Michels aus Dannstadt-Schauernheim blickt schon weit nach vorne: „Ich möchte einmal an einer Europameisterschaft teilnehmen.“ 2012 habe er sich zwischen Fußball und Karate entscheiden müssen. Der damalige Dojo-Leiter Peter Rau habe ihm gesagt, dass es sehr schwierig sei, beides auf hohem Niveau auszuüben. „Karate war für mich definitiv die richtige Entscheidung“, sagt der 15-Jährige, der sich selbst als „sehr ehrgeizig“ bezeichnet. Wie zum Beweis verweist er auf eine Entzündung im Knie. „Nach der Corona-Pause bin ich zu hart ins Training eingestiegen“, erläutert Michels. Doch das Malheur halte ihn nicht davon ab, weiter hart zu trainieren.
Heimtraining kein richtiger Ersatz
Für die Zeit des Lockdowns habe er sich zwar einige Geräte für das Heimtraining organisiert, ein richtiger Ersatz für die Einheiten im Dojo sei dies aber nicht. Er habe sich unausgeglichener gefühlt und habe auch Muskulatur verloren. Zuhause habe er keinen Spiegel, um die Technik zu kontrollieren. Und dann sei auch noch ein Wachstumsschub hinzugekommen, so Michels. Um den Start des Präsenztrainings hätten ihn Freunde, die Fußball spielten, beneidet.
Die Corona-Pandemie habe ihm die Aussicht genommen, in der Youth League zu starten. Wettkämpfe auf Zypern, in Venedig und Zagreb seien ausgefallen. Mit seiner Leistung in Luxemburg sei er zufrieden, erzählt der 15-Jährige. Er sei ins Finale gekommen und habe gegen ältere Sportler gekämpft. Er würde gerne an weiteren Vergleichswettkämpfen teilnehmen, „einfach, um wieder auf der Matte zu stehen“. Denn Michels glaubt, dass es noch ein wenig dauern wird, bis im Karatesport wieder richtig Normalität einkehrt.