Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Lambsheimer Kläranlage wird zum Kraftwerk

Nahezu geruchsneutral: Betriebsleiter Frank Sentpali (links) und Ramona Pagel ziehen für die Besucher der Kläranlage eine Probe
Nahezu geruchsneutral: Betriebsleiter Frank Sentpali (links) und Ramona Pagel ziehen für die Besucher der Kläranlage eine Probe des geklärten Wassers.

Dass der aus dem kommunalen Abwasser herausgefilterte Schlamm alles andere als appetitlich aussieht und keine Wohlgerüche verbreitet, war für die 15 Teilnehmer der RHEINPFALZ-Sommertour, die sich am Dienstag auf dem Gelände der Kläranlage Lambsheim umsahen, keine Überraschung. Dann schon eher, dass sich aus dieser Masse Wärme und Strom gewinnen lassen.

Keine aufwendige Erweiterung des Systems sei hierfür erforderlich, sondern nur ein paar Umbauten, erläuterte Diplom-Ingenieur Stefan Zintel, Projektleiter der in Mannheim ansässigen Firma Pöyry Deutschland GmbH. In einem Vorklärbecken lasse sich der Primärschlamm, der eine hohe Organik habe, abscheiden. Er komme dann direkt in die anaerobe (sauerstofffreie) Zone. In einem Fermenter genannten Bio-Reaktor, vergleichbar mit dem früheren Faulturm, entstehe Methangas, aus dem Strom erzeugt werden könne – und zwar in einer ganz beachtlichen Menge: 450.000 Kilowattstunden pro Jahr. Diese Energie reiche beispielsweise aus, um 150 Haushalte zu versorgen, erläuterte der Experte.

Wer bei den Erläuterungen des technischen Betriebsleiters Frank Sentpali – er bezifferte den jährlichen Stromverbrauch der Kläranlage mit rund einer Million Kilowattstunden – gut zugehört hatte, konnte schnell feststellen, dass nach der Umrüstung fast die Hälfte der Energie selbst erzeugt werden kann. Und weil bei dem Prozess auch thermische Energie freigesetzt wird, können hiervon die großflächigen „Treibhäuser“ profitieren, sodass bei der Schlammtrocknung noch bessere Ergebnisse zu erzielen sind.

17 Pumpwerke in Betrieb

Ob sich mit dem getrockneten Schlamm Geld verdienen lasse, wollte ein Leser wissen. „Schön wär’s“, meinte Frank Sentpali. Damit die BASF, mit der ein Vertrag bestehe, das Material annehme und verbrenne, müsse ein stolzes Sümmchen hingeblättert werden. Die Zeiten, in denen die Landwirte den Klärschlamm auf ihren Feldern verteilt hätten, gehörten wegen der Schadstoffbelastung der Vergangenheit an, informierte Sentpali.

Dass der mechanisch-biologische Klärprozess, bei dem auch der Stickstoff- und Phosphatgehalt im Abwasser reduziert wird, kein Hexenwerk ist, brachte der Betriebsleiter auf einen einfachen Nenner: „Im Grunde tun wir nur das, was jeder Weiher auch macht.“ 17 Pumpwerke sorgen dafür, dass das Schmutzwasser auf unterirdischem Weg in der für 20.000 Einwohner ausgelegten Kläranlage ankomme – und zwar in einer Tiefe von sieben Metern mit einer maximalen Einlaufgeschwindigkeit von 190 Litern pro Sekunde. Weil nicht alles, was im Wasser schwimmt, hasenrein ist, muss zunächst der Paternosterrechen mit einer Lochweite von fünf Millimetern in Aktion treten.

Und was da alles zum Vorschein kommt: „In Birkenheide werden beispielsweise auffallend viele Windeln und Turnschuhe über die Kanalisation entsorgt“, wusste Frank Sentpali zu berichten. Bei dem Abwasser aus Fußgönheim sei der Sandgehalt relativ hoch. Bevor das inzwischen im Schneckentempo fließende Nass in die beiden Kombinationsbecken gelangt, muss gemessen werden. „Wichtig ist, dass die Nährstoffverhältnisse eingehalten werden.“ Die beiden Rundbecken bewirken im äußeren Bereich eine Belebung der Abwässer, im inneren Abschnitt eine Nachklärung. Bis zu 100 Millionen Bakterien pro Liter tummeln sich in der schäumenden Brühe. „Geht es ihnen gut, vermehren sie sich rasend schnell“, erläuterte der Betriebsleiter.

Wasser am Ende fast klar

Bei dem Rundgang über das Gelände zeigten sich die Teilnehmer sehr wissbegierig und verwickelten die Referenten immer wieder in Gespräche. „Wie kommt eigentlich das Arsen ins Schmutzwasser?“, wurde gefragt. Über das Grundwasser und die Bäche, lautete die Antwort. Dem Vorsteher des Abwasserverbandes und Maxdorfer Bürgermeister, Paul Poje (CDU), nahm man ab, dass in der Anlage „eine wahnsinnige Technik“ stecke. Geruchsstörungen würden weiter eingedämmt. Nächster Schritt sei eine nachhaltige Stromgewinnung. Auch Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, hielt es für unverzichtbar, die Kläranlage auf dem neuesten Stand der Technik zu halten.

Dass diese Technik einwandfreie Ergebnisse liefert, zeigte sich bei der Entnahme einer Probe an der Stelle, wo das geklärte Wasser die Anlage in Richtung Isenach verlässt: Die in dem herumgereichten Becher aufgefangene Flüssigkeit war fast klar und weitgehend geruchsneutral. An der Trinkwasserqualität muss freilich noch gearbeitet werden.

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