Bobenheim-Roxheim
La Gomera: Pfälzer Musiker schreibt Kurzgeschichten über Kanaren-Insel
Als Michael „Josef“ Weiler vor einem Jahr gemeinsam mit seinem musikalischem Partner Dennis Hauk die Platte „Das Meer lässt uns nicht schwimmen“ veröffentlichte, konnte der umtriebige Frankenthaler Sänger auf eine knallvolle Schublade mit Notizen, Ideenskizzen und Einfällen zurückgreifen. Und die war damit noch lange nicht leer. Jetzt erscheint – wenn man so will – die Fortsetzung besagter Platte in Buchform. „La Gomera – Die Carachillomaschine und andere Shortstories, Band 1“ hat Weiler sein erstes gedrucktes Werk genannt, was keinen Zweifel daran lässt, dass ein zweites folgen soll.
La Gomera ist der Name von Weilers zweiter Heimat, eine kleine kanarische Insel, die er schon seit den 80er-Jahren mehrmals im Jahr besucht. Wie seine Westentasche kennt er deshalb nicht nur ihre – trotz geringer Größe – äußerst vielfältige Landschaft, sondern auch deren Bewohner. Und die haben’s ihm angetan. La Gomera hat als Auswanderungsziel deutscher Hippies, die seit den 70er-Jahren dort wohnen, bis heute einen höchst außergewöhnlichen Menschenschlag zu bieten. „Die Leute dort ticken komplett anders, als man das bei uns gewohnt ist. Manche der Einwanderer betreiben eine Bar, andere sind Reiseführer, aber sowohl sie als auch die Einheimischen haben alle ihren eigenen Kopf, sind völlig entschleunigt und lassen sich schon mal gar nix vorschreiben“, berichtet Weiler.
Beeinflusst vom Stil des „Valle-Boten“
Und wenn man so häufig dort ist wie der Frankenthaler Musiker gehört man quasi dazu. Zumal Weiler als Sänger von Bands wie den Schdounz und den Coverdales immer wieder mal Musikerkollegen aus der Pfalz in seine zweite Heimat mitgenommen hat. „Ich habe dort so viel erlebt, dass mir die Leute sagten, ich solle doch einige Geschichten mal aufschreiben, damit das nicht vergessen wird.“ Hat er gemacht. Notiert und ab damit in besagte Zettel-Schublade. Bei den Aufnahmen zur Platte „Das Meer lässt uns nicht schwimmen“ sei etliches in die Texte eingeflossen, aber ihm wurde auch klar, dass die Geschichten für Vier-Minuten- Songtexte zu komplex sind. Und so wurden Kurzgeschichten daraus. Zunächst mal nur für ihn selbst.
Beeinflusst wurde Weiler dabei vom „Valle-Bote“, einer auf La Gomera herausgegebenen Inselpostille, über die, wegen ihres satirischen Humors, auch schon in großen deutschen Zeitungen berichtet wurde und die nicht nur auf der Insel treue Abonnenten hat. Weiler ist einer von ihnen und kennt den Herausgeber natürlich persönlich. Von dessen Mix aus Tatsachenberichten und wild erfundenem Seemannsgarn ließ er sich beim Verfassen seines Buches inspirieren. „Ein Teil der Geschichten sind tatsächlich exakt so passiert, bei anderen habe ich mich von Erlebtem inspirieren lassen und einiges ist auch völlig frei erfunden“, so Weiler.
Nonsens-Wortspiele und chaotische Abenteuer
Aber eines haben seine knapp 30 Stories in dem 170 Seiten dicken Band gemeinsam: Weiler zeichnet ein Bild liebenswerter, leicht spinnerter „Jäger und Gammler“ wie er sie nennt und lässt seiner Vorliebe für Nonsens-Wortspiele, die man schon von seinen Liedtexten kennt, freien Lauf. Weiler schildert mit dem ihm eigenen Witz und mitunter schon Heinz-Erhardschen-Wortverdrehungen die kleinen Alltagsabenteuer auf seiner Urlaubsinsel, die er gemeinsam mit seinen Kumpels „Berndoleo“ oder „Schrotti“ erlebt hat. Und die in schöner Regelmäßigkeit in der Umsetzung völlig spinnerter Ideen wie dem Bau einer „Carachillomaschine“ enden. Ausgangspunkt für die knackig-kurzen Geschichten ist zumeist die Gekko Bar, Weilers Stammlokal auf der Insel. Dessen Wirt „Haraldo“ oder seinem Wanderführer Horst hat er – neben zahlreichen anderen Bewohnern – in seinen Stories ein Denkmal gesetzt.
Illustriert ist das Buch mit Bleistiftzeichnungen von Sabine Prodehl, der Frau von Lektor Andreas Prodehl, selbst Autor („Neckarstadt Sinfonie“) und durch seine „Lesershows“ in der Region kein Unbekannter mehr. Prodehl habe ihm beim Überarbeiten seines Literaturdebüts „enorm geholfen und mich geduldig behütet, wie eine Mutter ohne Brust“, sagt Weiler. Ein Jahr hat der Musiker daran gearbeitet, Band zwei sei so gut wie fertig, ein drittes ist angedacht. Die Zettelschublade muss schließlich leer werden.