Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Läuferin Eszter Varga hat sich dem Trail-Running verschrieben

Ihrsten großen Sieg in der Pfalz feierte Eszter Varga 2018 beim Ludwigshafener Stadtlauf.
Ihrsten großen Sieg in der Pfalz feierte Eszter Varga 2018 beim Ludwigshafener Stadtlauf.

Trail-Running ist für Eszter Varga eine Lebensphilosophie. Die Disziplin sei anspruchsvoller und abwechslungsreicher als normale Läufe auf der Straße, findet die Frankenthalerin, die derzeit von der Pandemie sportlich ausgebremst wird. Sie hofft auf Wettkämpfe im Sommer. Dann will die Pfälzerin mit ungarischen Wurzeln ihre erfolgreiche Serie aus dem Herbst fortsetzen.

„Mein Läuferherz gehört den Bergen und dem Wald. Dort finde ich Frieden und Freiheit. Ich schnüre meine Schuhe, laufe los und bin in meinem Element“, sagt Eszter Varga. „Unterwegs fühle ich mich stark. Der Weg ist das Ziel.“ Der Sport in der Natur habe auch etwas Spirituelles: „Dort erkenne ich, wie winzig und unbedeutend wir Menschen eigentlich sind.“

Ein besonderer Reiz bestehe darin, dass die Distanzen im Wald nicht so berechenbar seien wie auf der Straße. „Trail-Running ist viel technischer und abwechslungsreicher. Es gibt langsame und schnelle Abschnitte. Da können ein paar Kilometer deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant“, erklärt Varga. Und wenn man sich einen langen Anstieg hochgequält habe, werde man mit einem tollen Ausblick belohnt. Zudem sei kein Trail-Lauf wie der andere.

Formhoch im Herbst

Da die Laufveranstaltungen im vergangenen Jahr Corona-bedingt rar gesät waren, lief Varga erst im Herbst zu großer Form auf. Beim Deichenwaldtrail über elf Kilometer in Wilgartswiesen im September wurde sie mit 39 Jahren Dritte und musste lediglich den beiden jüngeren Läuferinnen Anne Meier und Natascha Hartl den Vortritt lassen. Eine Woche später belegte sie beim zwölf Kilometer langen Monnem-Cross in Mannheim hinter Merle Brunnee vom Engelhorn Sports Team den zweiten Platz.

Höhepunkt war für sie der Gelita Trail Marathon in Heidelberg im Oktober. Auf der Marathondistanz, die mit 1800 Höhenmetern gespickt war, lief Varga ein exzellentes Rennen und erreichte nach 3:52:50 Stunden als zweite Frau das Ziel in der Altstadt.

Eszter Varga wurde in Budapest geboren. Sie wuchs unweit der ungarischen Hauptstadt in Dunakeszi auf und absolvierte eine leichtathletische Grundausbildung. Ihr größtes Talent lag beim Laufen. Sie versuchte sich über 400 Meter. Doch irgendwann war ihr die Distanz zu kurz. Also absolvierte sie einige Straßenläufe und Duathlons und merkte schnell, dass ihr auch das Radfahren leichtfiel.

Aus Hobby Beruf gemacht

Seit ihrem 16. Lebensjahr reitet Varga auch. Nach einer agrarwissenschaftlichen Ausbildung mit dem Schwerpunkt Tierzucht und Tierhaltung machte sie aus ihrem Hobby einen Beruf. Sie reitet für Gestüte Galopper im Training, um die Pferde auf Rennen vorzubereiten. Ihre Arbeit sei auch ein gutes Alternativtraining fürs Laufen, findet Varga. „Reiten ist gut für die Stabilität im Rumpf.“

Seit 2002 lebt die Ungarin in Deutschland. In Gütersloh arbeitete sie im Rennstall von Peter Rau. Ein knappes Jahr später zog sie nach Düsseldorf und blieb bis vor drei Jahren in der Gegend um Neuss und Köln für Gestüte tätig. Im Frühjahr 2016 wurde Varga von einem schweren Arbeitsunfall ausgebremst. Beim Galoppieren überschlug sie sich mit einem Pferd und brach sich mehrere Lendenwirbel. Die Verletzung war so schwerwiegend, dass es fraglich war, ob sie je wieder Sport machen könne.

Seit 2018 in Frankenthal

Doch schon während der Reha begann sie mit dem Laufen. Sieben Monate nach ihrem Reitunfall nahm Varga an einem Wettbewerb in der Nähe von Köln teil. Die Strecke verlief durch den Wald und war leicht hügelig. „Das hat bei mir die Leidenschaft für das Trailrunning entfacht“, sagt Varga.

2018 zog sie dann zu ihrem Lebensgefährten Marco Demmerle nach Frankenthal. Arbeit fand sie zunächst in der Oggersheimer Filiale des Sportartikelhändlers Decathlon. Inzwischen ist Eszter Varga für den Mannheimer Rennstall Klein wieder in ihrem alten Beruf tätig.

Ihren ersten großen Sieg als Läuferin in der Pfalz feierte sie beim Ludwigshafener Stadtlauf 2018 über 8,4 Kilometer. In dem gut besetzten Rennen schlug sie unter anderem die favorisierte Josefa Mattheis von der TSG Eisenberg und Triathletin Uta Knape. Im gleichen Jahr finishte sie den Marathon Deutsche Weinstraße in Bockenheim nach 3:44 Stunden. 2019 gewann sie den Halbmarathon in Oggersheim in 1:25:27 Stunden.

Sieg in der Heimat

Ihre Trail-Qualitäten hatte Varga bereits im September 2018 beim Half-Trail im Rahmen des Heidelberger Trail-Marathons unter Beweis gestellt. Ein klasse Sieg gelang ihr im Januar 2019 beim Schindertrail Winterparadies über 67 Kilometer und 1600 Höhenmeter. Und es ging erfolgreich weiter: Im Mai 2019 gewann Varga den Bärenfels-Trail-Halbmarathon (640 Höhenmeter) bei Kusel und auch den Donnersbergtrail über 35 Kilometer und 1500 Höhenmeter.

Ein besonderes Erlebnis war die gemeinsame Teilnahme mit ihrem Partner Marco Demmerle am Börzsöny-Trail in Ungarn im Juli 2019. Varga gewann den Lauf über 35 Kilometer und 1500 Höhenmeter. Auch bei der Tour de Tirol überzeugte sie. Zwei dritte Plätze beim Kaisermarathon (36km/1700Hm) und im Pölven-Trail (26km/1360Hm) sowie Rang zwei beim Söller-Zehner (10km/230Hm), jeweils in ihrer Altersklasse, rundeten ihre Trailsaison 2019 ab.

Flach und schnell

Auch im vergangenen Jahr bildete der Schindertrail Winterparadies (67km/1700Hm) den Auftakt ins Wettkampfjahr. Sie wurde Zweite. Im Sommer gewann sie im Rahmen der Sigma Sport Challenge den Trail in Neustadt über 13,5 Kilometer und 350 Höhenmeter.

Die Mutter zweier Kinder läuft viermal pro Woche. Dabei kommt sie im Schnitt auf 65 bis 70 Kilometer und etwa 2000 Höhenmeter. Wenn sie am Wochenende keinen Wettkampf gelaufen sei, stehe dienstags in der Regel eine flache schnelle Trainingseinheit auf dem Programm, berichtet die Frankenthalerin. Donnerstags nehme sie sich meistens einen kürzeren Trail vor. Ihre Routen findet Varga im Wald bei Heidelberg oder rund um Bad Dürkheim. Samstags und sonntags absolviert sie längere Strecken auf schmalen und anspruchsvollen Trails.

Begleitet wird sie häugfig von ihrem Lebensgefährten und von Yvonne Jung vom RC Vorwärts Speyer. Zusätzlich legt Varga jede Woche 150 bis 200 Kilometer mit dem Rennrad oder Mountainbike zurück. Schon ihren Weg zur Arbeit in Mannheim nutzt sie gerne zum Training.

Kein strikter Plan

Wenn sie sich nicht gerade auf einen Wettkampf vorbereite, arbeite sie aber nicht nach einem strikten Plan, erläutert Varga. „Laufen ist mein Hobby. Das Ganze soll ja nicht zur Pflicht werden, zumal ich im Job als Reiterin schon eine enorme Grundbelastung habe.“ Mit einem spezifischen Training könnte sie sich bestimmt noch verbessern, meint Varga, dies sei jedoch nicht ihr Ziel.

Seit gut einem Jahr ernährt sich die Wahl-Pfälzerin vegan. „Am Anfang war das ein Experiment aus Neugier. Ich wollte wissen, was die Ernährungsumstellung mit meinem Körper macht“, verrät Varga. Am schwierigsten sei nicht der Verzicht auf tierische Produkte gewesen, sondern die Umstellung beim Einkaufen und Kochen. Schon nach ein paar Wochen habe sie eine deutliche Veränderung gespürt: „Die Müdigkeit und das Völlegefühl nach dem Essen waren weg. Und ich fühle mich jetzt leistungsfähiger.“ Ein weiterer positiver Aspekt sei der Beitrag zum Umwelt- und Tierschutz.

Seit dem zweiten Lockdown stehen bei Varga wieder viel Grundlagentraining und Radfahren auf dem Plan. Sie hofft, dass im Sommer Wettkämpfe wieder regulär stattfinden können – unter Einhaltung der Corona-Regeln.

2019 gewann die Frankenthalerin den Halbmarathon in Oggersheim.
2019 gewann die Frankenthalerin den Halbmarathon in Oggersheim.
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