Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kunst- und Einkaufsnacht lockt am Freitag in die Innenstadt

Volle Konzentration beim Aufbau: (von links) Waltraud Kisling, Anette Krahnke-Höner und Nicoleta Steffan.
Volle Konzentration beim Aufbau: (von links) Waltraud Kisling, Anette Krahnke-Höner und Nicoleta Steffan.

Nach zweijähriger Corona-Pause steigt am Freitagabend wieder die Frankenthaler Kunst- und Einkaufsnacht. In den Innenstadt-Geschäften sind dann wieder jede Menge Kunstwerke zu sehen. Zudem gibt es ein Musikangebot, das von Klassik über Jazz bis zu Country, Rock und Gospel reicht. Aber trägt die ursprüngliche Idee der Veranstaltung überhaupt noch?

Die Stadt, die Einzelhändler und die Künstler sind zunächst einmal froh, dass die Kunst- und Einkaufsnacht wieder stattfinden kann. Das Konzept der Veranstaltung, die am Freitagabend bereits zum 15. Mal stattfinden wird, soll mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kulturschaffende können in den Geschäften und an einigen ausgewählten Orten in der Innenstadt ihre Werke und natürlich auch sich selbst vorstellen. Das Spektrum ist breit angelegt. Es reicht von bildender Kunst über Musik bis hin zu Theateraufführungen.

Von der Veranstaltung sollen aber nicht nur die Künstler etwas haben. Das besondere Angebot zur Abendzeit soll auch die Menschen in die Innenstadt locken und auf deren Attraktivität aufmerksam machen. Nicht zuletzt sollen natürlich die Kunden von 18 bis 22 Uhr in die Geschäfte strömen und dort auch den ein oder anderen Euro lassen.

Mit Leben gefüllt

Eine Frau, die sich mit Kunst in Einzelhandelsgeschäften auskennt, ist Nicoleta Steffan. Die Frankenthaler Künstlerin und Kunstkoordinatorin hat während des Lockdowns mit der von ihr ins Leben gerufenen Aktion „Raum für Kunst“ dem Stillstand während der Pandemie, dem der Kulturbetrieb ausgesetzt war, entgegengewirkt. Von November 2020 bis Ende April 2021 „bespielten“ 40 Künstler 35 Läden in der Frankenthaler Innenstadt. So mancher Leerstand wurde auf diese Weise zumindest für ein paar Monate mit neuem Leben gefüllt. Und das Projekt wirkt nach. Bis heute stellen einige Geschäfte in der Stadt weiterhin gerne Kunst aus.

Bei Kisling Haushaltswaren in der Speyerer Straße zeigt Nicoleta Steffan am Freitag erstmalig rund 35 Werke ihrer neuen Serie „Magic Summer“. Waren ihre Arbeiten bislang eher von zurückhaltenden Farben geprägt, explodieren die in Aquarell- und Acryltechnik entstandenen floralen Motive geradezu vor Farbenfreude. Steffan drückt damit nach eigenen Angaben die aktuelle Lebensfreude aus: „Nach zwei Jahren voller pandemiebedingter Einschränkungen nimmt das Leben gerade wieder Fahrt auf. Die Menschen atmen in diesem Sommer wieder so richtig auf.“

Viel Platz für Kunst

Dass ihr und Anette Krahnke-Höner, die bei Kisling Tierkreisengel in Öl zeigt, von den Ladeninhabern viel Platz frei geräumt wurde, um die Arbeiten auszustellen, hat Steffan begeistert. Der Kontakt zur Familie Kisling sei während ihrer Aktion „Raum für Kunst“ zustandegekommen, berichtet Steffan. „Die Familie ist uns sehr weit entgegengekommen. Die Werke können sogar noch eine Weile über die Kunst- und Einkaufsnacht hinaus hängen bleiben.“ Für sie selbst sei die Veranstaltung eine Gelegenheit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. „Es ist spannend zu sehen, wie Menschen ein Bild ,betreten’. Sie haben direkt die Möglichkeit, mit dem Künstler über seine Absichten zu sprechen“, sagt Steffan.

„Es ist immer wieder schön, mit den Besuchern einer Ausstellung ins Gespräch zu kommen und sich mit ihnen auszutauschen“, findet auch Traudel Burkhart. Bei der Kunst- und Einkaufsnacht sei dies noch unkomplizierter möglich und spannender. „Es kommen auch ganz normale Leute, die eher selten in Ausstellungen gehen.“ Die Bobenheim-Roxheimerin präsentiert in der Schuhschachtel in der August-Bebel-Straße ihre Acrylmalerei. Zu den Ausdrucksformen der ehemaligen Erzieherin zählen Menschen, Landschaften und abstrakte Motive. Dem Weinland Pfalz hat sie eine Serie mit Bildern gewidmet, die Wein, Trauben, Flaschen und Gläser zeigen. Diesmal werden sommerliche Motive zu sehen sein, wie Burkhart berichtet.

Am Küchentisch entstanden

Zu den Künstlern, die in Frankenthal ausstellen, zählt auch Winnie Schmidt aus Bad Dürkheim, der bei Optik Geiger in der Speyerer Straße Grafiken aus seiner Reihe „Die Quadratur des Greises“ präsentiert. Dabei handelt es sich um spontane Skizzen, die laut Schmidt während des ersten Lockdowns am Küchentisch entstanden sind. Aquarelle von Traudel Görtz sind in der Parfümerie Douglas (Speyerer Straße) zu sehen. Ein paar Meter weiter bei Fürst-Helbig stellt Claudia Damian abstrakte Acrylgemälde aus. Gegenüber veranstaltet der Heßheimer Bernhard Röhrenbeck bei Fahrrad Gruber ein „Live-Frontpainting“. Bei Angela Moden (Bahnhofstraße) präsentiert der Frankenthaler Maler Roland Falkenhagen Landschaften in Öl, Pastell und Aquarell.

Im Garten des Kunsthauses (Mina-Karcher-Platz 42a) können die Besucher beim „Free Painting“ selbst aktiv werden. Drinnen ist die Ausstellung des Perron-Kunstpreises (Sparte Malerei) zu sehen. In ihrem Atelier „Art & More“ im Kunsthaus zeigt Uschi Freymeyer Acrylwerke zum Thema „Wein, Heimat und Dubbegläser“ und unter dem Titel „BlacklightART“ laut Mitteilung „faszinierende Effekte in Kunstwerken im ultravioletten Raum“.

Gospel und Country

Auch musikalisch wird viel geboten. Auf der Bühne in der Speyerer Straße spielen Gabriele Maurer (Saxofon) und Marian Feistritzer (Gitarre) von 20 bis 21 Uhr Jazzstandards und Pop. Danach tritt bis 21.30 Uhr die afrikanische Trommelgruppe Tolon Kadi auf, ehe Feuerkünstler Kevin Rigby sein Können zeigt. Zur „Silent Disco“ mit Kopfhörer lädt von 19 bis 23 Uhr die Stadtbücherei in der Welschgasse 11 ein. Von 19 bis 21.30 Uhr rockt der 1. Frankenthaler Männerchor die Erkenbert-Ruine. Countrymusik mit Nash gibt es von 19 bis 21.30 Uhr auf dem Rathausplatz. In der Kirche St. Dreifaltigkeit lädt der Gospelchor Voices@Heaven von 22 bis 23 Uhr zum gemeinsamen Singen ein. Im Kammermusiksaal der Städtischen Musikschule (Stephan-Cosacchi-Platz) gibt es zu jeder vollen Stunde Klaviermusik (18 bis 24 Uhr). Das Theater Alte Werkstatt (TAW) zeigt in der Kundenhalle der Sparkasse Rhein-Haardt in der Speyerer Straße um 18.30, 19.30 und 20.30 Uhr jeweils ein Kurzprogramm der Komödie „Do sinn sie do richtisch – hier zahlt sich Lachen aus!“.

Nicoleta Steffan wünscht sich für den Freitagabend „eine geballte Aufmerksamkeit für die Kunstschaffenden und einen regen Austausch“. Die Kunst und auch die Einzelhändler sollten wieder mehr in den Mittelpunkt rücken, findet die Kunst- und Kulturkoordinatorin. In den Jahren vor der Corona-Zwangspause habe sich die Veranstaltung mit einer Partymeile in der Innenstadt immer mehr zu einem „kleinen Strohhutfest“ entwickelt, bedauert sie. „Die Besucher sollen wieder mehr in die Geschäfte kommen und ein Kunst- und Einkaufserlebnis haben.“

Traudel Burkhart zeigt sommerliche Motive.
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Winnie Schmidt stellt bei Optik Geiger Skizzen aus.
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Nash spielen auf dem Rathausplatz Countrymusik.
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