Frankenthal „Kunst muss verständlich sein“

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Wechsel an der Spitze des Ludwigshafener Kunstvereins: Auf Ines Kehl, die den Vorsitz nach 14 Jahren abgegeben hat, folgt Hartmut Hüfken, Jurist, Verwaltungswissenschaftler und Neuling im Kunstbetrieb. Er übernimmt den einzigen professionell geführten Kunstverein in Rheinland-Pfalz, der gleichwohl mit Mitgliederschwund und Etatproblemen zu kämpfen hat.

Herr Hüfken, Sie sind Fachmann für Rentenversicherung, wie kommt man da zu einem Kunstverein?

Ich habe mich ja nicht nur lange mit Verwaltung beschäftigt, sondern als Folge meiner beruflichen Arbeit auch mit Vereinen. Das hatte mit der familiären Situation maßgeblich der Mitarbeiterinnen zu tun. Weil da viele Probleme zu lösen waren, etwa in Bezug auf die Kinderbetreuung, haben wir in Speyer den Verein „Familie und Beruf“ gegründet. Der hat soziale Projekte angeschoben, zum Beispiel private Kindergärten eingerichtet. Und das Interesse an der Kunst? Kunst hat maßgebliche Bedeutung für die Gesellschaft. Kunst sollte Anreize geben für das Fühlen und Denken des Menschen. Architektur und Design sind für mich wichtige Themen. Mein Interesse gilt besonders der modernen Museumsarchitektur, da bin ich mit meiner Frau viel herumgereist, die Guggenheim Museen in New York und Bilbao haben mich sehr beeindruckt. Natürlich haben mich auch die Inhalte der Museen interessiert, die Werke von Botticelli, Rembrandt, van Gogh, Edvard Hopper schätze ich sehr, auch die Pop Art, hier die Sammlungen Ludwig in Köln und anderswo. Mitglied im Ludwigshafener Kunstverein sind Sie erst vor einem halben Jahr geworden. Nach dem Ende meiner beruflichen Laufbahn vor einem Jahr wollte ich etwas Ehrenamtliches machen, am liebsten kulturell. Als mir zugetragen wurde, dass man in Ludwigshafen beim Kunstverein einen neuen Vorsitzenden sucht, habe ich Interesse bekundet. Das hat dann gepasst, und mir wurde die Leitung des Vereins angeboten. Ludwigshafen finde ich eine außergewöhnliche, sozial vielschichtige Stadt, geprägt von einem großen Unternehmen, dazu ein interessantes Kulturangebot. Und im Gegensatz zu den Museen sind die Kunstvereine aus ihrem Selbstverständnis näher dran an dieser Wirklichkeit. Die Mitgliederzahlen der Kunstvereine sind rückläufig, auch der in Ludwigshafen verlor in den letzten Jahren fast die Hälfte seiner Mitglieder. Ist die Vereinsstruktur noch zeitgemäß? Jeder Verein lebt vom Engagement seiner Mitglieder. Natürlich hat sich in der Gesellschaft viel verändert, die Neuen Medien bringen ein Überangebot an Unterhaltung, das Publikumsverhalten ist anders geworden. Es ist schwer, junge Menschen in den Kunstverein zu holen, wir brauchen aber gerade auch den Nachwuchs. Trotzdem wüsste ich keine Alternative zur Vereinsstruktur, eine Stiftung macht nur Sinn, wenn genügend Kapital vorhanden ist. Der Jahresetat des Kunstvereins liegt bei rund 200.000 Euro, die Mitgliedsbeiträge spielen da nur noch eine Nebenrolle. In Ludwigshafen gibt es vier Ausstellungen pro Jahr, Begleitprogramme, eine Kindermalschule. Wie schwierig ist die Finanzierung? Die Mitglieder geben einen wichtigen symbolischen Beitrag, das ist richtig, ohne öffentliche Zuschüsse und vor allem Sponsoren geht es nicht. Die Stadt tut ihr Möglichstes, um uns zu unterstützen, überlässt uns auch mietfrei den Ausstellungsraum im Reichert-Haus. Natürlich versuchen wir, neue Geldgeber zu gewinnen, und natürlich wollen wir auch neue Mitglieder werben. Rund 4000 Besucher pro Jahr: Ist diese Zahl in ihren Augen steigerungsfähig? Das kann ich nur vorsichtig beurteilen. Natürlich ist mehr Werbung denkbar. Und dass wir gerne mehr Besucher hätten, ist ja klar. Wie gewinnt man junges Publikum? Da möchten wir mehr Veranstaltungen mit Event-Charakter anbieten, die ein jüngeres Publikum ansprechen. Der Zusammenhang mit der Kunst muss dabei gewährleistet sein, und das finanzielle Risiko muss überschaubar bleiben. Da starten wir gerade einen Findungsprozess. Für die Inhalte des Ausstellungsprogramms ist die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin Barbara Auer zuständig. Neben zeitgenössischer Kunst spielt da die Fotografie eine wichtige Rolle. Wie stehen Sie zu diesem Programm? Fotografie ist ein gutes Thema, als interessierter Laie darf ich meinen Geschmack aber nicht in den Vordergrund stellen. Wenn hier Profis arbeiten, dann ist man gut beraten, vorsichtig zu werten. Ich habe natürlich eine Meinung, halte es aber mit Lessing: „Auch ist ein Mann von Geschmack noch lange keine Kunstrichter.“ Kunst muss meines Erachtens verständlich sein, die Fotografie ist da eine gute Möglichkeit, sie zeigt uns die Wirklichkeit von heute.

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