Frankenthal
KSB-Stiftung: 30.000 Euro für die Forscher der Zukunft
Im Raum 210 ist an diesem Tag statt Unterricht eine Wissenschafts-Show angesagt: Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse sitzen in Gruppen an Experimenten. Zuschauer sind diejenigen, die das neue Equipment finanziert haben – als Leiter für integrierte Managementsysteme der KSB-Gruppe schaut Rainer Michalik zu. Von dem Frankenthaler Maschinenbauer kommt das Geld in Höhe von 30.000 Euro. Es stammt aus Dividenden der KSB-Aktien und ist laut dem stellvertretenden Schulleiter Florian Theobald die größte Spende seit Jahren.
Dass das Geld zum KG kam, verdankt das Gymnasium der KSB-Stiftung. Deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender Helmut Warth erzählt den Schülern, dass es in Deutschland 250.000 Stiftungen gebe, „wir gehören bundesweit zu den größten Stiftungen und finanzieren jedes Jahr Forschungsvorhaben, Stipendien und Bildungsprojekte im siebenstelligen Bereich“. Investiert wurde die Spende in MINT-Projekte, also Projekte in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
Roboter aus Lego
Nun werden die Zuschauer zu Schülern und die Schüler zu Dozenten. Die Fünftklässler Erik, Max und Johannes zeigen den Besuchern, was sie in zehn Stunden in der Robotech-AG konstruiert haben: Aus Lego-Experimentierkästen ist ein Roboter entstanden, der über eine Software programmiert wird. Die letzten Einzelteile werden verbaut, dann rollt das gelbe Gefährt los zu seiner Feuertaufe. Kurz vor dem Laptop stoppt der Roboter, der Abstandssensor hat das Hindernis erkannt.
Der Roboter am Nachbartisch kann noch mehr. Nico aus der siebenten Klasse lässt ihn vor Hindernisse fahren, die unterschiedliche Farben haben. „Der Farbsensor reagiert zum Beispiel auf Blau, dann bewegt sich der Roboter rückwärts. Bei Gelb dreht er nach links, bei grün nach rechts“, erklärt Nico. Und er weiß auch, wo diese Farbbefehle eingesetzt werden können: „In der Logistik.“ Ihm mache das Konstruieren und Programmieren mehr Spaß als Computerspiele, „hier kann ich meine Kreativität in einer realen Welt ausleben“.
KSB will bei Schülern Neugierde wecken
Timo, Jakob und Jonas haben ein chemisches Experiment vorbereitet. Mit Hilfe von Solarenergie wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. In einer Brennstoffzelle reagieren die Elemente, es entsteht Energie. „Wird sie gespeichert, hat man ein nachhaltiges Energiesystem“, erklärt Timo. Michalik nickt, „das gibt es bereits in Pilotprojekten der Autoindustrie. Wenn es kosteneffiziente und flächendeckende Energiespeicher gibt, nützt das wiederum der KSB“. Damit ist Michalik an dem Punkt, weshalb das Unternehmen in Schulen investiert. Die Schüler seien die Wissenschaftler der Zukunft. „Wir wollen Neugier wecken. Aus Neugier erwächst Begeisterung. Der Stand der Wissenschaft von Morgen entscheidet sich heute in den Klassenzimmern.“
Aus diesem Grund habe die Stiftung vor rund zwei Jahren das Netzwerk M3+ gegründet, ergänzt Warth. Der Arbeitstitel der drei „M“ lautete damals „Maschinenbau ist mehr als nur Mathematik“. Man habe mit der Initiative den Mangel an Studenten im Maschinenbau stoppen wollen. Zunächst wurden vier Pilotschulen aus Mannheim und Ludwigshafen in das Netzwerk aufgenommen. Mittlerweile sind 16 Schulen der Metropolregion Netzwerkpartner und profitieren von den Spendengeldern. Das Karolinen-Gymnasium ist nun neu hinzugekommen, obwohl es buchstäblich vor der Haustür des Frankenthaler Unternehmens liegt. „Wir haben anfangs wenig Werbung für die Initiative gemacht, damit uns die Schulen nicht überrollen“, erklärt Warth.
Gute Nachricht auch für Kitas
Die Materialien für den naturwissenschaftlichen Unterricht seien nur eine Seite der Förderung durch M3+, berichtet Holger Hofherr, der am KG die Fächer Physik, Chemie und informationstechnologische Grundbildung unterrichtet. „Wir profitieren von dem Netzwerk auch durch Mentoren, die an unsere Schule kommen und den Schülern authentische Einblicke in Wirtschaft und Industrie geben. Diese O-Töne sind wirksamer als das, was wir Lehrer sagen.“ So sei im März auch eine Ingenieurin von KSB zu den Berufsinformationstagen gekommen und habe in der Oberstufe für technische Berufe geworben.
Auch für die Frankenthaler Kindergärten hat Michalik eine gute Nachricht mitgebracht: „Wir wollen die frühkindliche Begeisterung an Technik wecken und haben Kooperationsverträge mit vier Kitas vorbereitet. Die liegen gerade in den Ausschüssen der Stadt und werden demnächst unterzeichnet.“ Im kommenden Jahr sollen die Kitas dann Spenden erhalten, mit denen einfache Experimentierkästen für die ersten technischen Gehversuche der kleinen Forscher angeschafft werden sollen.