Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kreißsaalführungen: Stadtklinik informiert werdende Eltern

Packen viel Information in anderthalb Stunden Führung (von links): Leitende Hebamme Annette Drabe und Oberarzt Christian Reffert
Packen viel Information in anderthalb Stunden Führung (von links): Leitende Hebamme Annette Drabe und Oberarzt Christian Reffert mit Stefan Pfeifer und Annabell Lieser im Kreißsaal 1.

Klein sein kann auch Vorteile haben: Die kleinste Geburtsklinik in Rheinland-Pfalz hat trotz Corona Vätern stets erlaubt, die Geburt mitzuerleben. Ansonsten fahre man „auf Sicht“, erklärt Oberarzt Christian Reffert bei einer der regelmäßig stattfindenden Kreißsaalführungen in der Stadtklinik Frankenthal.

Die Papa-Frage kommt stets als erste, wenn werdende Eltern zum Infoabend in der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe der Stadtklinik erscheinen. Seit Mai finden die Termine wieder als Präsenzveranstaltung statt: Statt eines virtuellen Rundgangs per Video können die Mamas und Papas das Untersuchungszimmer, die beiden Kreißsäle und die Familienzimmer nun jeden zweiten Montag live inspizieren.

„Väter sind bei der Entbindung willkommen“, sagt Reffert den Gästen am Montag: der Familie Lieser und Pfeifer sowie Ankica Horvatinec. Ein weiteres Paar war zwar angemeldet, musste jedoch heimgeschickt werden – der Schnelltest fehlte. Der Oberarzt betont, dass die Stadtklinik mit der kleinsten Geburtsklinik im Bundesland im Unterschied zu anderen rheinland-pfälzischen Häusern zwar bei allen bisherigen Corona-Wellen die zukünftigen Papas zur Geburt zugelassen habe. „Aber ansonsten fahren wir auf Sicht und halten alle Vorsichtsmaßnahmen ein.“

Maximal sechs Paare

Für die Besucher des Infoabends bedeutet dies: Maximal sechs Paare dürfen die Entbindungsräume außer der Wochenstation mit FFP2-Masken besichtigen – gemäß der Drei-G-Regel mit dem Nachweis, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Für den Infoabend genügt ein Schnelltest. Geht es an die Geburt, erhalten die werdenden Eltern vorab einen PCR-Abstrich.

Die zweithäufigste Frage, die Eltern bei der Wahl einer Geburtsklinik beschäftigt: die Besucherregeln. Kommt ein Kind zur Welt, ist wie im gesamten Klinikbereich der Besuch einer Person pro Tag für eine Stunde erlaubt. Geschwisterkinder dürfen mitkommen, im übrigen Klinikbereich sind Besucher bis 16 Jahren aber nicht erlaubt.

Vielsprachiges Personal

Für Ankica Horvatinec ist das eine wichtige Nachricht. Die 42-Jährige hat bereits drei Kinder, das älteste ist zehn Jahre alt. Sie freut sich, dass ihr Nachwuchs im September ans Wochenbett kommen darf. Bei der Geburt wird ihr Mann dabei sein. Ein Familienzimmer wünscht Horvatinec nicht, da sich der Papa um die Geschwister des Neugeborenen kümmern muss. Da die Kroatin ihre Kinder in ihrer Heimat geboren hat, nun erstmals in Deutschland entbinden wird und gebrochen deutsch spricht, will sie wissen, wie sie sich als Patientin verständigen kann. Die leitende Hebamme Annette Drabe informiert, dass dem multikulturellen Klinikpersonal eine Vielzahl europäischer Sprachen geläufig ist: „Zur Not verständigt man sich mit Händen und Füßen.“

Annabell Lieser und Stefan Pfeifer erwarten im November ihr erstes Kind. „Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen“, sagt die 26-Jährige, als sie erfährt, dass Stefan mit im Familienzimmer wohnen kann. „Rooming-In“ heißt dieser Service. Laut Reffert bleiben die frischgebackenen Mütter zwei Tage in der Klinik. Für 70 Euro am Tag kann ein Familienzimmer für Mama und Papa gebucht werden. Zwei dieser gemütlichen Schlafzimmer gibt es in der Stadtklinik, drei weitere können bei Bedarf für Familien umfunktioniert werden. Das Frankenthaler Paar hat Sorge, ob im November tatsächlich ein Zimmer frei sein wird.

Bis zu 400 Geburten pro Jahr

„Die Kapazität hat bislang immer gereicht“, meint Oberarzt Christian Reffert, der von 350 bis 400 Geburten pro Jahr spricht. Das Team bestehe aus 13 Ärzten, zehn Schwestern und sieben Hebammen. Im Normalfall erblickt in der Frankenthaler Stadtklinik pro Tag ein Kind das Licht der Welt, Reffert erinnert sich aber auch an ein Wochenende mit Baby-Boom: 16 Geburten. Der Montag ist durchschnittlich – am Morgen wurde ein Junge geboren, gerade werden bei einer jungen Frau die Wehen eingeleitet.

Nachdem die Gäste im Konferenzraum alle organisatorischen Fragen geklärt haben, beginnt der Rundgang mit genau denselben Wegen, die später zur Geburt beschritten werden: Im zweiten OG zeigt der Oberarzt das nüchterne Untersuchungszimmer und später die beiden in Pastellfarben gehaltenen Kreißsäle mit vielseitig verstellbaren Betten, die auch Platz für den Vater bieten.

Wunsch nach Wasser

Kreißsaal 2 ist etwas größer, hier steht eine Geburtswanne. Die orangefarbene Wanne, die an einen Whirlpool für den Hausgebrauch erinnert, war eine Weile defekt, wird aber in wenigen Tagen wieder einsatzbereit sein. Drabe weiß aus über 20 Jahren Erfahrung, dass sich die Mehrzahl Schwangerer eine Wassergeburt wünscht. „Eine echte Geburt im Wasser erleben dann aber nur ein Prozent der Frauen.“ Der Wunsch sei das eine, das andere sei der tatsächliche Verlauf der Entbindung, bei der die Frau spontan spüre, was ihr am besten tue – Kreißbett, Gebärhocker, Gebärmatte und -seil oder eben die Wanne.

Schwangerschaft und Geburt in Zeiten der Pandemie spielen bei der anderthalbstündigen Führung keine Rolle. Reffert weiß, dass derlei Fragen im Vorfeld beim Frauenarzt Thema sind. Auch am heutigen Abend gibt es dazu keine Nachfragen – Horvatinec war an Covid-19 erkrankt, und das Paar Lieser und Pfeifer ist schon durchgeimpft. Annabell Lieser sagt, sie habe sich vor der Familienplanung den Piks geben lassen: „Das hatte mit der Schwangerschaft nichts zu tun, jetzt bin ich aber froh, dass ich geschützt bin.“

Kinder etwas schwerer

Wenn die beiden Frauen im Herbst in den Wehen liegen, gilt für sie keine Maskenpflicht. Anders als bei den Hebammen, die sich mit FFP2-Maske schützen müssen. „Das ist für uns Hebammen der einzige Unterschied zur Zeit vor der Pandemie“, sagt Drabe. Reffert fällt zu diesem Punkt ein subjektiver Eindruck ein, der allerdings durch Studien noch nicht belegt ist: „Die Geburtenrate ist zwar unverändert, aber die Neugeborenen sind etwas schwerer geworden.“ Als Grund vermutet der Mediziner, dass sich Schwangere in Corona-Zeiten weniger bewegen – wegen der Hygienebeschränkungen und weil es weniger Angebote für werdende Mütter gibt. Als Beispiel nennt er Geburtsvorbereitungskurse, die mehrheitlich online durchgeführt werden.

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