Frankenthal Kostenvorteile im Verbund
Krankenhäuser in der gesamten Vorderpfalz und Mannheim werden von der Frankenthaler Stadtklinik mit Medikamenten beliefert. Das Servicecenter Pharma/Medical habe die optimale Betriebsgröße erreicht, sagen die Verantwortlichen. Dass es sich jetzt wirtschaftlich selbst trage, sei ein „Riesenerfolg“.
„Hier liegen die Schnelldreher“, sagt Michael Bussemer, Leiter des Servicecenters Pharma/Medical, beim kleinen Rundgang mit seiner Stellvertreterin Renate Repmann und der RHEINPFALZ. „Schnelldreher“ werden Medikamente genannt, die besonders zügig und in hohen Stückzahlen zu den Kunden gebracht werden. Entsprechend groß sind die dafür reservierten Regalflächen. Lange Regalreihen stehen im Erdgeschoss der Stadtklinik. 1200 verschiedene Arzneimittel und 800 Medizinprodukte halte man üblicherweise vorrätig, erklärt Bussemer. Wenn etwas fehle, was dringend gebraucht werde, könne man über Großhändler der Region nachordern. „Und manchmal hilft man sich auch unter Kollegen aus.“ Dass es mitunter bundesweit zu Engpässen bei wichtigen Medikamenten kommt, weil Pharmafirmen nicht liefern können, sei ein Ärgernis, sagt Bussemer. Die Politik sei aufgefordert, sich um dieses Problem zu kümmern. „Das sagt auch unser Berufsverband.“ Ein Förderband führt an den Regalen vorbei. Vormittags, wenn die meisten Bestellungen bearbeitet werden, lotsen handliche elektronische Anzeigegeräte (Handhelds) die Mitarbeiter zu den Regalplätzen, an denen sich die Artikel lagern. Sie werden aufs Förderband gelegt und wandern zur Kommissionieranlage: Kameras erfassen dort Strichcode und Verpackungsbild, vom Computer gesteuerte Schieber befördern die Artikel in die richtigen Versandkörbe am Ende des Bands. Diese seit 2005 arbeitende Anlage „hat zu einer Riesen-Produktivitätssteigerung geführt“, sagt Bussemer – mit entsprechenden Kostenvorteilen. 2004/05 sei ohnehin eine ganz entscheidende Phase für die Entwicklung des Servicebereichs gewesen, erläutert Ralf Kraut, Kaufmännischer Direktor der Stadtklinik. Durch Umbauten habe man die bis dahin getrennten Bereiche Apotheke (gegründet 1983), Zentrallager und Einkauf zusammengefasst – und könne seitdem viel rationeller arbeiten. 1,2 Millionen Euro seien damals investiert worden, sagt Kraut. „Zehn Prozent, also 120.000 Euro, mussten wir selbst schultern, der Rest kam vom Land.“ Kostenvorteile erziele die Klinik seit 2003 über ihre Mitgliedschaft in einer großen Einkaufsgemeinschaft, hebt Kraut hervor. „Wir sind da über den Deutschen Städtetag eingestiegen.“ Mittlerweile gehörten zu diesem Zusammenschluss auch österreichische und niederländische Kliniken; entsprechend groß sei die Nachfragemacht. „Für ein Haus unserer Größenordnung ist das extrem interessant“, sagt Kraut. „Allein könnten wir nie an solche Konditionen kommen.“ Die Klinik ist jedoch nicht nur Zwischenhändlerin. Sie stellt auch selbst Arzneistoffe her: Infusionslösungen und Zytostatika, die gegen Krebs eingesetzt werden. Renate Repmann, die für diesen Bereich und das Labor verantwortlich ist, hebt die hohen Sicherheits- und Hygienestandards hervor, die hier eingehalten werden müssen. Zytostatika könnten toxisch wirken, „ohne Schutzkleidung geht da nichts, vom Mundschutz über die Schutzbrille bis zu den doppelten Handschuhen“. Auf 250.000 bis 300.000 Euro beziffert Ralf Kraut die Kosten für jeden der besonders gesicherten Arbeits- und Produktionsräume mit eigener Belüftung. „Wir erfüllen hier die höchsten Anforderungen“, ist Kraut überzeugt. „2013 wurde die Apotheken-Betriebsordnung verschärft; wir können die Vorgaben einhalten.“ Die gesamte Apotheke sei zertifiziert. Das Frankenthaler Servicecenter hat mittlerweile Versorgungsverträge mit acht Kunden. Der erste war 1992 das Kreiskrankenhaus Grünstadt. Später hinzu kamen das Evangelische Krankenhaus und die Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim, St. Marien-/St. Annastiftkrankenhaus Ludwigshafen, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, das Klinikum Landau Südliche Weinstraße mit drei Standorten, die Biomedklinik Bad Bergzabern und 2012 die RHM-Klinikgruppe (Deidesheim). Alles in allem stehen dahinter laut Stadtklinik rund 2900 Betten. 2014 steuerte das Frankenthaler Servicecenter rund 7,5 Millionen Euro zum Gesamtumsatz der Stadtklinik von 51,8 Millionen Euro bei. Ohne Fremdkunden könnte das 315-Betten-Haus seine Apotheke nicht kostendeckend betreiben, sagt Michael Bussemer. Dank der Arbeit im Verbund „trägt sich der Bereich“, sagt Ralf Kraut. „Die Apotheke kostet uns nichts; das ist ein Riesenerfolg. Und dahinter steckt verdammt viel Arbeit.“ Hohe personelle Kontinuität in dem Team des Servicecenters mit rund 30 Mitarbeitern sieht der Kaufmännische Direktor als einen Erfolgsfaktor. Der heutige Leiter Bussemer, der in Heidelberg Pharmazie studiert hat, ist bereits seit 1989 in Frankenthal – damals sei das hier eine Drei-Mann-Apotheke gewesen, erinnert er sich. Seine Stellvertreterin Renate Repmann, die in Tübingen ihr Staatsexamen gemacht hat, begann ihre Laufbahn in Frankenthal 1992. So, wie der Betrieb zurzeit läuft, sehen ihn die Verantwortlichen gut aufgestellt. Noch mehr Kunden zu bedienen, wäre nach ihrer Einschätzung allerdings kaum möglich. „Die Kapazitäten sind ausgereizt“, sagt Bussemer. Wollte man erweitern, dann würde man auch mehr Raum benötigen.