Frankenthal Konzentration und Kraft für bockige Böcke

Wie wird ein Schaf geschoren? Das haben die Besucher am Samstagnachmittag beim Schafschurfest im Tiergehege im Kleinen Wald gezeigt bekommen. Die rund 500 Besucher bestaunten aber auch Entennachwuchs der besonderen Art.
Auf der Wiese türmt sich ein Wollberg, ein Rasierapparat surrt, Schaulustige stehen im Halbkreis. „Komm her“, ruft der Mann, packt das Schaf am Hals und klemmt es sich fest zwischen die Beine. „Mööh, mööh“, protestiert das Tier. Es wird auf die Hinterläufe gesetzt. Von der rechten Halsseite aus führt Schafscherer Uli Hahn den Langhaarschneider den Rücken hinunter. Die Wolle, obwohl auf den ersten Blick dunkelbraun, wird zur Haut hin heller. „Das liegt am Muttertier“, erklärt Hahn, „eine Kreuzung von Merino, Schwarzkopf und Bleu de Mer.“ Die Zuschauer fotografieren und filmen, die Kinder sind fasziniert. In Minutenschnelle ist das Schaf halbnackt. Befreit von drei bis sechs Kilogramm Wolle wirkt es nur noch halb so groß. „Das ist Lola“, erklärt Lisa Erbeldinger. Die elfjährige Frankenthalerin ist Schaf-Patin und hilft regelmäßig im Tiergehege beim Füttern der beiden Skudden – kleinen Heideschafen aus Masuren – und sechs Leineschafen aus dem Hannoverschen. Lola ist 15 Monate alt und erlebt ihre erste Schur. Nach sieben Minuten ist sie fellfrei, bekommt eine Spritze zur Entwurmung und darf in den Stall. „Die Schur ist für ein Schaf gefährlich“, erklärt Uli Hahn. Damit die Schermesser nicht ins Fleisch schneiden, muss der Scherer das Tier an jeder Körperpartie überstrecken. Das erfordert Konzentration und Kraft. Besonders bei männlichen Tieren. Der nächste Kandidat ist ein Bock – und gibt sich entsprechend bockig. Doch mit Kraft und Geduld behält der Scherer das Tier im Griff. Bis zu 100 Schafe schafft Uli Hahn an einem Tag. Er hat das Scheren von seinem Vater gelernt. Damit ist er nebenberuflich in der Pfalz und Hessen unterwegs. Auch sein Sohn (17) hat bereits Interesse an dem alten Handwerk. Reich werden kann man davon nicht. Der gängige Schurtarif: 1,80 Euro pro Schaf. „Böcke das Doppelte, weil sie bockig sind!“ Früher wurden die Scherer mit Wolle bezahlt. Doch bei Kilopreisen von 20 Cent lohnt das kaum noch. Geschoren wird in Mai und Juni – von den Eisheiligen bis zum Johannistag. Die Wolle wird in Säcken gesammelt und teilweise an Schulen abgegeben – als Anschauungs- und Bastelmaterial. Der Rest geht an die Landeslehr- und Versuchsanstalt Neumühle in Münchweiler. Dort gibt es eine Sammelstation für professionelle Weiterverwertung. Was man aus Wolle alles machen kann, demonstrierte Iris Weiß aus Frankenthal in ihrer Filz-Werkstatt. Und am Spinnrad zeigte die Haßlocherin Dorle Dorsch, dass dies ein entspannendes Hobby sein kann. Im Mittelpunkt des Interesses standen auch die neun deutschen Edelziegen und sechs Bergziegen. Da die beiden Ziegenböcke Wotan und Zeus kastriert sind, will der Verein mit einem Leihbock im nächsten Jahr die Zucht weiterführen. Nachwuchs besonderer Art gibt es zurzeit bei den Enten: Eine Laufente hat drei Hühnereier ausgebrütet und ist jetzt Leihmama der Küken. Zugleich bebrütet sie sieben eigene Eier. Neueste Idee des 110 Mitglieder starken Vereins: ein Schnullerbaum. Er steht vor dem Schafgehege. Kinder können dort ihren Schnuller aufhängen und damit Abschied nehmen von ihrer Kleinkinderzeit. Ronald Paetow, Vorsitzender des Vereins Tiergehege Frankenthal, war mit der Resonanz zufrieden. 2016 soll das Fest wieder stattfinden. (bik)