Frankenthal
Kommentar: Voll daneben
Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende – dieser Satz wird oft und gerne bemüht, wenn es ums Begründen oder gar Rechtfertigen radikaler Schnitte geht. Sich nach elf Wochen – und damit lange vor dem Ende der halbjährigen Probezeit – von einer Führungskraft zu trennen, ist so ein radikaler Schnitt. Am Dienstag hat Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) den seit April tätigen Kaufmännischen Direktor der Stadtklinik freigestellt. Anfang Juli wird sich dann wohl der Stadtrat abschließend mit der Personalie beschäftigen.
Aber wie konnte es passieren, dass in Abstimmung mit dem Ältestenrat ein Mann vom OB per Eilentscheid eingestellt wird, dessen Abschied als Geschäftsführer des Klinikums Stadt Soest im vergangenen Dezember begleitet war von überaus kritischen Medienberichten, dessen Arbeit dort offenbar im politischen Raum längst nicht mehr als unumstritten galt? Man wollte nach den Turbulenzen der jüngsten Zeit einen branchenerfahrenen Macher nach Frankenthal holen, bekommen hat man einen echten Wackelkandidaten, der – so scheint es – gegenüber seinem neuen Dienstherrn zudem nicht mit offenen Karten gespielt hat.
Gebraucht wird dringend eine integre Persönlichkeit mit einem klaren Plan für die Klinik. Dem OB und der Politik sollte klar sein: Dieser Schuss muss sitzen.
[aktualisiert, 20. Mai 2021: Die Strafvorwürfe gegen den ehemaligen Kaufmännischen Direktor der Stadtklinik haben sich nicht bestätigt. Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren eingestellt.]