Frankenthal
Kleinniedesheim: Barockensemble von Palatina Klassik begeistert bei Konzert im Schloss
Wenn der Rhein-Pfalz-Kreis und die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim zum Neujahrskonzert ins Schloss von Kleinniedesheim bitten, erwartet das Publikum ein ebenso anspruchsvolles wie unterhaltsames musikalisches Programm. So war es auch am Sonntagabend beim Gastspiel des renommierten Palatina-Klassik-Barockensembles, das vom Publikum gefeiert wurde.
Unter der künstlerischen Leitung von Professor Leo Kraemer, der viele Jahre Domkapellmeister in Speyer war, spannten die Instrumentalisten im ersten Teil des Konzerts den Bogen von der Mannheimer Schule über den Hochbarock bis zur Wiener Klassik. Bei der Sinfonia d-Moll von Ignaz Holzbauer, bei der sowohl venezianische als auch wienerische Einflüsse erkennbar sind, spürten die rund 80 Zuhörer, dass die Streicher Robert Frank (Violine), Susanne Phieler (Violine), Stephanie Phieler (Bratsche) und Roland Kuntze (Violoncello) mit beeindruckender Präzision zu Werke gingen. Unterstützt von Kraemer am E-Cembalo, arbeiteten sie die dynamischen Schattierungen der Fuge fein heraus. Bei den rasanten Ecksätzen stockte dem Publikum fast der Atem.
Innig und elegant
Zu den bekanntesten Solowerken von Johann Sebastian Bach zählt sein Violinkonzert a-Moll, das selbst arrivierte Geiger vor große Herausforderungen stellt. Robert Frank, der lange Jahre Erster Konzertmeister am Nationaltheater Mannheim und Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters war, beeindruckte mit technisch versiertem Spiel und sauberer Intonation. Über dem Bass-Fundament entfaltete er ein inniges, fast schon elegisches Andante.
Mit der Satzfolge schnell, langsam, schnell folgt das Divertimento in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, auch Salzburger Sinfonie genannt, dem Vorbild der italienischen Ouvertüre. Lebhaft und mit frischem Klang übernahmen die Violinen die Führung, Bratsche und Cello zogen sich auf ihre Begleitfunktion zurück. Tänzerische Elemente charakterisierten den Presto-Satz.
Anklänge an Puszta-Romantik
Nach der Pause ging es dann deutlich beschwingter zu. „Wir wissen alle, wie schwer die leichte Muse ist“, konstatierte Kraemer, der inzwischen am Flügel Platz genommen hatte, um beim großen Konzertwalzer „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauß den Dreivierteltakt vorzugeben. Das Publikum konnte der Neigung, die eingängigen Melodien mitzusummen, kaum widerstehen. Sehnsuchtsvoll und mit Anklängen an die ungarische Puszta-Romantik kam der Csardas des Italieners Vittorio Monti daher, ebenso ein Paradestück für Sologeiger Robert Frank wie der mit sattem Strich gespielte Tango „Jalousie“ des dänischen Komponisten Jacob Gade.
Mit dem Liebeslied „Klein Rosmarin“ und dem feschen „Wiener Marsch“ kehrte das Ensemble in die Donaumetropole zurück und erinnerte an den Komponisten Fritz Kreisler. Nach der mitreißend musizierten Schnellpolka „Auf der Jagd“ von Johann Strauß war zwar das offizielle Programm erschöpft, aber noch lange nicht Schluss. Der als erste Zugabe ausgewählte Galopp „Petersburger Schlittenfahrt“ von Richard Eilenberg gab Maestro Kraemer Gelegenheit, seinen jüngsten Konzertauftritt mit den Philharmonikern in der Stadt an der Newa einfließen zu lassen und zu berichten, dass man in St. Petersburg unter dem sehr milden Wetter leide.
Ende ohne Radetzky-Marsch
Üblicherweise geht ein Neujahrskonzert mit dem Radetzky-Marsch, bei dem die rhythmische Stabilität der Zuhörer getestet wird, zu Ende. Nicht so in Kleinniedesheim. Beim improvisierten Champagner-Couplet „Im Feuerstrom der Reben“ aus der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ durfte Michael Wagner, Vorsitzender des Fördervereins Palatina Klassik und CDU-Landtagsabgeordneter aus Speyer, mit Unterstützung von vier Chor-Damen seine Qualitäten als Tenor unter Beweis stellen.