Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kleinniedesheim: Albert-Lasard-Ausstellung zeigt „Pariser Köpfe“

Impressionen aus Pariser Szenelokals oder übermüdete Barbesucher hat Albert-Lasard in ihren Lithografien festgehalten. Unser Bil
Impressionen aus Pariser Szenelokals oder übermüdete Barbesucher hat Albert-Lasard in ihren Lithografien festgehalten. Unser Bild zeigt den Zyklus »Montmatre«.

Bekannt geworden ist die französische Künstlerin Lou Albert-Lasard eigentlich mit ihren Zeichnungen und Aquarellen. Die neue Schau „Pariser Leben! – Köpfe der Kunstszene der 1920/30er Jahre“, die am Sonntag im Schloss Kleinniedesheim eröffnet wurde, beleuchtet das Leben Lasards allerdings aus einer anderen Perspektive – und zeigt die schillernde, mondäne Seite der Künstlerin und ihres Umfelds.

Anlass für die Ausstellung des Rhein-Pfalz-Kreises ist der 50. Todestag der am 21. Juli 1969 in Paris gestorbenen Künstlerin. Bekannt ist die 1885 im damals deutschen Metz geborene Albert-Lasard vor allem für ihre Zeichnungen und Aquarelle, die das Leben im Internierungslager Gurs zeigen. Dorthin wurde die Künstlerin mit ihrer Tochter nach dem deutschen Überfall auf Frankreich 1940 gebracht. Kurator Oliver Bentz hat für die Kleinniedesheimer Gedenkausstellung aber einen anderen Fokus gesetzt: Er hat 20 grafische Blätter ausgewählt, die die schillernde und mondäne Seite der Künstlerin und ihres Umfelds in Paris zeigen.

Chagall, Derain, Léger und Remarque gemalt

Es sind Momentaufnahmen aus dem schillernden Nachtleben, die den Betrachter in die Schlüsselloch-Perspektive zwingen. 1928, mit Mitte 40, ließ sich Albert-Lasard in Paris nieder. Sie führte dort ein Atelier mit Salonbetrieb und wurde Teil der Künstlergemeinschaft Montparnasse. Das schillernde Leben der Bohème, Impressionen aus den Varietés und Szenelokalen hat sie in zwölf Lithografien festgehalten. Frackträger und Kokotten, leichtgeschürzte Artistinnen und übernächtigte Barbesucher sind darauf zu sehen. In Komposition und Direktheit erinnern die Blätter an die expressionistischen Milieustudien eines Otto Dix und George Grosz. Weitere, oft mit „Loulou“ signierte Lithografien, farbige Ausnahme ist ein Selbstbildnis in Aquarelltechnik, zeigen berühmte Zeitgenossen, darunter Malerkollegen wie Marc Chagall, André Derain und Fernand Léger sowie die Autoren Paul Claudel, Erich Maria Remarque und Paul Valéry.

Teil einer revolutionären Gruppe

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war die vor allem für ihre Vogeldarstellungen bekannte Künstlerin Teil der Künstlerzirkel in München, Berlin und Paris. Bereits als 18-Jährige studierte Albert-Lasard in München an der renommierten privaten Malschule Heinrich Knirr. Später heiratete sie und bekam mit ihrem Mann, einem Naturwissenschaftler, eine Tochter. Zeitlebens arbeitete Albert-Lasard als Malerin und Grafikerin. 1918 schloss sie sich in Berlin der revolutionären „Novembergruppe“ an, hatte Kontakte zu den Lebensreformern auf dem Monte Verità in Ascona und war jahrelang Muse bedeutender Künstlerkollegen. Die oft exzentrisch auftretende Künstlerin schuf unter anderem Illustrationen für Zeitschriften wie „Uhu“ und „Die Dame“, die zu ihrer Zeit als stilbildend galten.

Bis zu ihrem Tod 1969 sei Albert-Lasard mit ihrer Tochter im Wohnwagen unterwegs gewesen und habe unermüdlich die Metropolen Europas und Nordafrikas bereist, erzählte der Kurator der Schau, aus dessen Sammlung ein Teil der gezeigten Arbeiten stammt. Der andere kommt aus einer hessischen Privatsammlung. Ein Großteil von Albert-Lasards Werken, rund 2000 Arbeiten, ist im Musée d’Art moderne et contemporain in Straßburg archiviert.

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Die Ausstellung „Pariser Leben! Köpfe der Kunstszene der 1920er/30er Jahre“ ist noch bis einschließlich 4. August jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr im Schloss Kleinniedesheim zu sehen.

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