Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kitas: Debatte über Umgang mit Fachkräftemangel

Die Stadt baut neben dem Ostparkstadion zwei weitere Kitas, in den einmal bis zu 250 Jungen und Mädchen spielen sollen.
Die Stadt baut neben dem Ostparkstadion zwei weitere Kitas, in den einmal bis zu 250 Jungen und Mädchen spielen sollen.

Wenn die Politik über den Ausbau der Kita-Landschaft spricht, dann kreist die Debatte in Frankenthal und anderswo neben den Investitionen in Gebäude oft um eine Frage: Wo soll das Personal für neue Gruppen herkommen? Dazu gibt es im Stadtrat und bei Eltern durchaus unterschiedliche Ansichten.

2026 sollen sie neben dem Ostparkstadion stehen: zwei neue Kindertagesstätten mit jeweils sechs Gruppen und Betreuungsplätzen für insgesamt 250 Mädchen und Jungen. Fast 16,5 Millionen Euro steckt die Stadt Frankenthal in die beiden Gebäude und das dazugehörige Außengelände. Linken-Fraktionssprecher David Schwarzendahl bringt den Zwiespalt eines Baubeschlusses, wie ihn der Stadtrat vergangene Woche einstimmig gefasst hat, auf den Punkt: „Es ist schön, wenn wir neue Gebäude bekommen. Ich frage mich, ob wir sie auch betreiben können.“

Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) hält als Dezernent des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales mit Blick auf den wiederholt beklagten Mangel bei pädagogischen Fachkräften für die Verwaltung fest: „Wir warten nicht, dass sich die Situation von allein bessert.“ Im ersten Vierteljahr hätten der Stadt 51 Bewerbungen auf offene Stellen in den Frankenthaler Kitas vorgelegen, 31 Kandidatinnen hätten eine Einladung zu Gespräch und Hospitation bekommen. Er hoffe, dass es möglichst vielen davon „so gut bei uns gefällt, dass sie bleiben“, sagt Leidig.

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Kita-Personal: Keine einfachen Lösungen

CDU: Vereinbarung nutzen

Der CDU-Fraktion reichen diese Aktivitäten offenbar nicht aus: Sie möchte, dass die Stadt als Träger von immerhin 19 Kitas die Möglichkeiten der in Rheinland-Pfalz seit Juli 2021 neu gefassten Fachkräftevereinbarung stärker nutzt, um Lücken beim Personal zu schließen. Stark verkürzt steht in diesem Regelwerk, das für Kommunen, Kirchen und freie Träger gilt: 70 Prozent der Mitarbeiter einer Einrichtung müssen pädagogische Fachkräfte sein, Assistenz- und profilergänzende Kräfte dürfen 30 Prozent ausmachen.

Die Vereinbarung enthält unter Ziffer 10.1.5 allerdings eine Ausnahmeklausel, derzufolge auch Bewerber als Fachkraft eingestellt werden können, „wenn ihre Ausbildung und bisherige Berufserfahrung arbeitsfeldrelevante Inhalte aufweist“. Darin und in der Ergänzungsvereinbarung für die befristete Einstellung von entsprechend qualifizierten Kräften mit ukrainischen Abschlüssen sehen die Christdemokraten einen Hebel, die Personalnot in Frankenthaler Kitas zu bekämpfen. Ihre Forderung: Die Stadt solle auf dieser Basis „gezielt und im weitestmöglich vertretbaren Umfang“ Personal „anwerben und einstellen“.

Leidig: Nicht „die Lösung“

Zu oft stünden Eltern vor verschlossenen Türen oder müssten mit verkürzten Betreuungszeiten zurechtkommen, verdeutlicht CDU-Vertreter Martin Svoboda. „Wir brauchen insofern jede Kraft, die dazu beitragen kann, dass sich daran etwas ändert.“ Das sei auch die Motivation, aus der heraus der Antrag als „Gemeinschaftswerk“ mit dem Stadtelternausschuss entstanden sei. Die Hoffnung seiner Fraktion: dass auf diesem Weg der beschriebene Personalschlüssel gewahrt bleibe, aber im täglichen Betrieb mehr Flexibilität möglich sei.

Beigeordneter Leidig signalisiert grundsätzlich Offenheit, bleibt aber dennoch zurückhaltend: Er warne davor, die Ausnahmeregelung der Fachkräftevereinbarung als „die Lösung“ zu betrachten. Auf dieser Grundlage sei das von der CDU beantragte gezielte Anwerben nicht möglich. In der Praxis seines Fachbereichs würden bei allen vorliegenden Bewerbungen die Möglichkeiten einer Beschäftigung geprüft und dann gebe es ein Angebot. Der Dezernent betont allerdings auch: „Bei all dem steht Qualität ganz oben.“ Darüber hinaus versuche das Familienbüro schon, Erzieherinnen mit mehr Hauswirtschaftskräften zu entlasten. „Das funktioniert nach unserem Eindruck ganz gut“, sagt Leidig.

„Romantische Vorstellung“

Zweifel daran, ob der von der CDU vorgeschlagene Weg der richtige ist, zeigt auch Ute Hatzfeld-Baumann (Grüne/offene Liste) mit Blick auf die Möglichkeit, vermehrt Frauen aus der Ukraine zu engagieren. „Sie haben eine romantische Vorstellung von der Wirklichkeit.“ Aus ihrer Erfahrung bei der Unterstützung Geflüchteter dauere allein Erwerb und Nachweis der entsprechenden Sprachkenntnisse für das Niveau B2 anderthalb Jahre. Dokumente und Zeugnisse müssten übersetzt und beglaubigt werden. „Es ist ein steiniger Weg“, sagt Hatzfeld-Baumann.

Nicht ganz leicht tut sich der Stadtrat dann auch dabei, wie er mit dem Antrag umgeht: „Gut gemeint und positiv gedacht“ sei die Initiative, findet SPD-Fraktionssprecherin Aylin Höppner. Sie würde das Thema gerne anhand aktueller Informationen zur Personalsituation in den Kitas im Jugendhilfeausschuss diskutieren. Die CDU wiederum besteht auf einem Votum, bekommt eine knappe Mehrheit dafür und wundert sich anschließend per Pressemitteilung, „aus welchen Erwägungen heraus Teile des Stadtrats die Zustimmung (...) verweigerten“.

Eltern fordern „faire Chance“

Nicht direkt glücklich mit dem Verlauf der Debatte ist am Ende auch der Stadtelternausschuss. Seine Vorsitzenden Anna Starzetz und Tobias Krause betonen, „dass jede Person, unabhängig von ihrem beruflichen Hintergrund und ihrer Herkunft, eine faire Chance auf eine qualifizierte Arbeit in der Kita-Branche haben sollte“. In vielen Gesprächen mit Geflüchteten sei deutlich geworden, „dass diese hochqualifizierten Kräfte sind und über wertvolle Kompetenzen verfügen“.

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