Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Eltern demonstrieren für bessere Betreuung

Hatte am Samstag zur Demonstration aufgerufen: der Stadtelternausschuss mit Vorsitzender Anna Starzetz.
Hatte am Samstag zur Demonstration aufgerufen: der Stadtelternausschuss mit Vorsitzender Anna Starzetz.

Fachkräftemangel, hoher Krankenstand und rechtliche Änderungen, die in integrativen Einrichtungen für Verunsicherung sorgen: Familien mit Kindergartenkindern fordern deutliche Verbesserungen in der Betreuung. Und gingen dafür am Samstag auf die Straße.

Als einen täglichen „Ritt auf der Rasierklinge“ bezeichnen die beiden Mütter Anastasia Fensel und Laura Germer ihren Familienalltag. Wegen ihrer Berufstätigkeit bräuchten sie eine Vollzeitbetreuung, doch die fünfjährige Tochter und der 18 Monate alte Sohn haben nur Teilzeitplätze – und selbst dieses Angebot sei unzuverlässig. „Wie oft heißt es: Heute wegen Krankheitsausfällen bitte früher abholen!“, berichtet Germer. Ohne gegenseitige Unterstützung könnten beide nicht arbeiten gehen.

Die Frankenthalerinnen sind unter den gut 70 Teilnehmern, die dem Aufruf des Stadtelternausschusses (Stea) zur Demonstration am Samstagnachmittag gefolgt sind, kein Einzelfall. Mit Slogans wie „Inklusion = Illusion“ oder „Laterne, Laterne Fachkräfte hätten wir gerne“ bringen sie ihre Anliegen und Kritik zum Ausdruck. Junge Familien sind – nicht nur in Frankenthal – frustriert durch unzuverlässige Öffnungszeiten der Kitas und zu wenige Kindergartenplätzen, vor allem im Ganztagsbereich. Stea-Vorsitzende Anna Starzetz beleuchtet das an fiktiven Beispielen. So muss Manuel, wenn die Personalsituation mal wieder besonders kritisch ist und nur für „Notfälle“ reicht, zu Hause bleiben, weil seine Mutter nicht berufstätig ist. Die dreijährige Lisa und deren Mutter warten derweil – wie 350 Über-Dreijährige in Frankenthal – sehnlich auf einen Kita-Platz.

Etwa 70 Eltern und Kinder kamen auf dem Stephan-Cosacchi-Platz zusammen. Der Protest stand unter dem Motto „Kinder stärken, Fach
Etwa 70 Eltern und Kinder kamen auf dem Stephan-Cosacchi-Platz zusammen. Der Protest stand unter dem Motto »Kinder stärken, Fachkräfte gewinnen, Inklusion sichern«.

Sorge um Inklusion

Dass durch eine Neuordnung der Abrechnung Integrative Kindertagesstätten wie die des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH) in Gefahr sein könnten, bringt Vater Peter Serdanrusic auf die Straße. Gehörlose Kinder bräuchten individuelle Betreuung durch ausgebildete Fachkräfte, sagt er. „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Begründungen“ war auf einem Plakat zu lesen. Adrian Kuniss, Elternvertreter der PIH-Kita, betonte in seinem Redebeitrag, dass in der Einrichtung, die auch hörende Kinder besuchen, Inklusion schon lange gelebt werde. Ann-Katrin Fischler, gehörlose Mutter einer hörenden Tochter, weiß die optimale Sprachförderung zu schätzen. „Wenn wir später nicht Sozialhilfe zahlen wollen, sollten wir solche Einrichtungen nicht schließen“, sagt der Opa eines gehörlosen Kinds.

Für den Erhalt der individuellen Förderung hörbeeinträchtigter Kinder machten sich Demonstranten stark.
Für den Erhalt der individuellen Förderung hörbeeinträchtigter Kinder machten sich Demonstranten stark.

„Die Auflösung der Kindertagesstätte stand nie zur Debatte“, betont der zuständige Dezernent Bernd Leidig (SPD) in seiner Rede. Die Situation sei schwierig, „aber wir gehen es an“. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, stelle die Stadt Erzieher nur noch unbefristet ein und spreche gezielt Auszubildende an. Der aktuell hohe Krankheitsstand in Kitas sei auch Corona geschuldet.

„Wettbewerb zwischen Kommunen“

Büro- und Hauswirtschaftskräfte könnten die Erzieher bei Verwaltungsaufgaben und der Mittagsverpflegung entlasten, so der Vorschlag von Claudia Theobald vom Kitafachkräfteverband des Landes. Das Abwerben von Fachkräften sieht die Verbandsvertreterin als „sinnvollen Wettbewerb unter den Gemeinden“. Lösungsrezepte hatte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Baldauf nicht parat. „Wir brauchen viele Ideen von den Leuten vor Ort – schreibt mir bitte, auch wenn mein E-Mail-Fach überquillt“, ermutigte er die Anwesenden. Nicht ganz optimal gewählt war der Termin für die Eltern-Demo. Die wenigen Passanten in der Speyerer Straße konnten die Forderungen auf den Plakaten in der Dämmerung kaum erkennen. In der Willy-Brandt-Anlage standen die Eltern vor verschlossenen Rathausfenstern mit ihrem Megafon im wahrsten Sinne im Regen.

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