Frankenthal Kartoffeln fürs ganze Jahr

Im Moment wird noch mit Zwiebeln geübt, ob die Anlage – die vom Lager übers Waschen, Sortieren bis hin zum Verpacken alles vollautomatisch erledigt – reibungslos funktioniert. Kartoffeln sind bei einem Presserundgang gestern Nachmittag in der Halle, die eine Fläche von etwa zwei Fußballfeldern einnimmt, noch keine zu sehen. Die Anlage – laut Geschäftsführer Hans-Josef Michels eine der modernsten in ganz Europa – ist aber auch so beeindruckend. Schon wegen ihrer schieren Größe. Herzstück ist das Hochregallager mit Platz für 800 Kunststoffkisten mit einem Fassungsvermögen von je rund 900 Kilogramm, das zum Teil gekühlt ist, um die Knollen bis zu einem halben Jahr vorrätig halten zu können. „Damit überbrücken wir die Zeit zwischen den Ernten und garantieren eine gleichmäßige Versorgung über das ganze Jahr“, sagt Michels. Stolz ist der Seniorchef auf den Einsatz von elektronischen Sensoren, die eine schnelle und schonende Sortierung der angelieferten Ware nach Größe und Qualität ermöglichen. Vollautomatisch werden die Kartoffeln am Ende der Kette auch in alle handelsüblichen Gebinde verpackt, bevor sie über die elf Rampen auf Lastwagen verladen werden. Den Transport zu den Kunden – hauptsächlich Einzelhandelsketten und Großhandelsbetriebe im süddeutschen Raum, aber auch im Rhein-Main- und Ruhrgebiet – übernimmt zum größten Teil der eigene Fuhrpark. „Oft bleiben uns nur wenige Stunden zwischen einer Bestellung und der Lieferung“, beschreibt Michels die Herausforderungen seines Geschäfts. Verpackt und verkauft werden hauptsächlich Kartoffeln und Zwiebeln. Michels zählt seine Firma zu den Top zehn der rund 100 Kartoffelverpacker in Deutschland. Die enge Taktung sei einer der Hauptgründe für den Umzug nach Frankenthal gewesen. „Wir sind hier näher an den Erzeugern in der Region und haben mit der A 61, A 650 und B 9 eine optimale Verkehrsanbindung“, erläutert Michels, der davon überzeugt ist, seinen Marktanteil ausbauen zu können. Am Mannheimer Firmensitz am dortigen Großmarkt habe man jedes Jahr rund 70.000 Tonnen Kartoffeln vermarktet. Dieser Durchsatz soll mithilfe der neuen Anlage nun verdoppelt werden. Um das zu schaffen, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro investiert. Zum Jahresumsatz will sich der Geschäftsführer nicht äußern. Über 100 der 130 Mitarbeiter werden nach Frankenthal umziehen, also dorthin, wo Anlieferung, Lagerung und Verpackung über die Bühne gehen. Der Direktverkaufsstand von Obst und Gemüse und ein Teil der Verwaltung sollen vorerst in Mannheim bleiben, wo das Familienunternehmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Josef Kuhn gegründet wurde. Den langen Vorlauf bis zum Baubeginn auf dem rund fünf Hektar großen Gelände an der L 527 erklärt Michels mit der Planung des riesigen Gebäudes von innen nach außen: „Wir haben die Halle um die Technik herum gebaut.“ Die Geduld der Familie Michels habe sich ausgezahlt, meint Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU), der das Projekt bereits in seiner Zeit als Baudezernent der Stadt begleitet hat. Er spricht von einer „Initialzündung“ in dem neu erschlossenen Industriegebiet im Süden von Eppstein. Die Investition von Kartoffel Kuhn habe die Entwicklung des Areals überhaupt erst ermöglicht. Hebich: „Wir als Stadt wollten die Ansiedlung des Unternehmens und freuen uns, dass es jetzt hier ist.“ Wirtschaft