Frankenthal
Karate: Aleksandar Blagojevic bei deutscher Meisterschaft und in Bundesliga erfolgreich
Natürlich sei das Coronavirus auch bei den nationalen Titelkämpfen schon ein Thema gewesen, gesteht Aleksandar Blagojevic. Und selbstverständlich habe auch er sich „zwei, drei Gedanken“ gemacht. Seit dem dritten Platz beim Worldcup sei er allerdings so fokussiert gewesen, dass er sich nicht habe ablenken lassen auf seinem Weg zum Ziel, dem Titel. „Ich bin mit einem klaren Kopf in den Wettkampf gegangen“, betont Blagojevic.
In der Tat. Sein Kopf war sogar so klar, dass er sich auch in einem dramatischen Endkampf nicht die Butter vom Brot nehmen ließ. Mit klaren Siegen sicherte er sich den Einzug ins Finale. Und dort stand es bis kurz vor Schluss 0:0. Doch fünf Sekunden vor dem Ende gelang dem Studenten – Blagojevic studiert Verfahrenstechnik an der Hochschule Mannheim – die entscheidende Aktion.
Fünf Kämpfe, fünf Siege
Und diese ist Aleksandar Blagojevic noch gut in Erinnerung: „Ich wollte ihn zwingen, mich anzugreifen. Er war der passivere Kämpfer. Ich wollte ihn locken.“ Und das gelang. 1:0 gewann Blagojevic das Finale gegen den zweifachen deutschen Meister Felix Duttenhofer (MTV Ludwigsburg). „Ich hatte einen guten Tag“, berichtet Blagojevic im RHEINPFALZ-Gespräch. Fünf Kämpfe, fünf Siege, alle an einem Tag – eine makellose und beeindruckende Bilanz. „Die Erleichterung war schon sehr groß“, gesteht der Frankenthaler Kämpfer. „Das Ziel war, den Titel in der Leistungsklasse zu holen. Da musste ich einen kühlen Kopf bewahren.“ Das ist ihm geglückt. „Jeder Kampf ist anders.“
Neben dem Training habe er sich viel im Fitnessstudio mit seinem Personal Coach vorbereitet. „Ich habe echt gefühlt, dass ich fit bin“, meint er. Schon morgens vor dem Wettkampf merke man, ob man müde oder angriffsorientiert sei. „Ich habe gemerkt, dass ich an dem Tag fit bin und meine Leistung abrufen kann.“ Den ersten Kampf habe er dann auch vorzeitig gewonnen. Das habe den Kontrahenten schon etwas Respekt eingeflößt.
Zum ersten Mal als Wettkämpfer in Hamburg
Ein 2:1-Sieg war in der Vorrunde das knappste Resultat. Und ja, da hätte der Angriff auf den Titel auch schief gehen können, räumt Blagojevic ein. Er habe aufpassen müssen, nicht zu überdrehen. Seine Eltern seien in der Beziehung sehr hilfreich. „Die sagen immer: ,Mach mal langsam. Sonst wird die Enttäuschung zu groß’.“ Da sei es gut gewesen, dass er auch mal etwas Gas rausgenommen habe.
Aber im Prinzip hätte gar nichts schief gehen können. Denn schließlich sei Hamburg seine Lieblingsstadt. Siebenmal sei er schon in der Hansestadt gewesen – immer als Tourist. Jetzt sei er zum ersten Mal als Wettkämpfer an der Elbe gewesen. Abergläubisch sei er zwar nicht. „Aber es kann kein Zufall sein“, sagt Blagojevic.
Hinrunde in der Bundesliga
Gefeiert wurde am Abend allerdings noch mit gebremstem Schaum. „Zwei Bierchen“ habe er nur getrunken, erinnert sich Blagojevic und lacht. Schließlich stand am Tag nach der deutschen Meisterschaft noch die Hinrunde in der Karate-Bundesliga auf dem Programm. „Ehrensache, da mitzumachen“, sagt Blagojevic. Er ist Teil des Teams Lotto Rheinland-Pfalz Frankenthal, das in der nach 18 Jahren wiederbelebten Bundesliga auf Punktejagd geht. Und das auch gleich sehr erfolgreich. Nach der Vorrunde führt die Frankenthaler Mannschaft die Gruppe 2 ungeschlagen vor Saiko Hamburg und dem SC Banzai Berlin an. „Alle pushen sich gegenseitig“, erzählt Blagojevic. Und auch als deutscher Meister habe er natürlich sein Bestes geben und eine Top-Leistung abrufen wollen. Das ist ihm geglückt.
Am Ende standen für den 23-Jährigen neun Siege in neun Kämpfen an zwei Tagen. „Das Ziel ist der Titel mit der Mannschaft“, betont Blagojevic. Erreichen will er das im September bei der Rückrunde in Berlin. Nach der erfolgreichen Hinrunde in der Bundesliga wurde auch richtig gefeiert. „Wir sind extra noch eine Nacht länger geblieben“, verrät Blagojevic.
Bis auf Weiteres sind jetzt erst mal alle Wettkämpfe abgesagt. Aleksandar Blagojevic schaut daher etwas weiter in die Zukunft. Im Spätjahr würde er gerne bei der Weltmeisterschaft in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) an den Start gehen. Nach dem Erfolg bei der deutschen Meisterschaft mit der einzigen Goldmedaille für Rheinland-Pfalz sei er natürlich motiviert.
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