Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kaminbauer: Krise befeuert Branche

Täglich so viele Anfragen wie sonst im Vierteljahr: So beschreibt der Frankenthaler Ralf Prohaska die Lage der Ofen- und Kaminba
Täglich so viele Anfragen wie sonst im Vierteljahr: So beschreibt der Frankenthaler Ralf Prohaska die Lage der Ofen- und Kaminbau-Branche.

Die sprunghaft gestiegenen Energiekosten und die Sorge, dass die Gas- oder Ölheizung im Winter kalt bleiben könnte, haben eine Branche stark befeuert: Kamin- und Ofenbauer können sich vor Aufträgen kaum retten, die Hersteller sind am Limit. Kunden müssen sich auf Lieferfristen von mehr als einem Jahr einstellen.

„Ich bekomme täglich fast so viele Anfragen wie früher in einem Vierteljahr“, erklärt Ralf Prohaska, der in Frankenthal ein Kaminofenstudio betreibt, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Schon in den letzten Jahren seien die Geschäfte gut gelaufen, doch seit Ausbruch des Krieges habe er einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach alternativen Heizmöglichkeiten registriert. „Meine Auftragsbücher sind voll, ich habe auch im kommenden Jahr noch gut zu tun“, sagt er. Wer im April oder Mai einen Kaminofen bestellt habe, könne mit etwas Glück bereits in diesem Winter mit festen Brennstoffen heizen. Wer sich jetzt entscheide, müsse darauf wohl mindestens ein Jahr warten.

Holzpreis extrem gestiegen

Prohaska bezieht Ware von einem dänischen Hersteller, der die Produktion von Kaminöfen trotz des Booms nicht erhöht habe. „Aber meine Kunden sind geduldig und zeigen sich einsichtig.“ Die Situation wird dadurch verschärft, dass der Brennholzmarkt so gut wie leergefegt ist und Preise zeitweise extrem nach oben geklettert seien. So koste ein Ster Holz – entsprechend einem Kubikmeter Raummaß – etwa 200 Euro, informiert der Kaminbauer. Bei Pelletheizungen, die nicht ohne Strom auskommen, sieht es kaum besser aus. Die Holzpellets sind bis zu 300 Prozent teurer geworden.

Und was muss ein Kunde für einen Kaminofen investieren? „Zwischen 3000 und 7000 Euro“, lautete die Antwort von Ralf Prohaska, der auch Schornsteinfegermeister mit eigenem Kehrbezirk in Frankenthal ist. Die gesetzlich vorgeschriebene Abnahme der von ihm installierten Kaminöfen nimmt er freilich nicht selbst vor, sondern beauftragt dafür einen Kollegen. Dass die Branche so schnell nicht arbeitslos wird, verdeutlicht Prohaska mit dem Hinweis, dass 2024 alle Öfen, die vor dem Jahr 2000 in Betrieb gegangen seien, gegen neue Geräte ausgetauscht werden müssten.

Auch Rohre teurer

Stephan Kohl, seit 2015 Obermeister der Ofen- und Luftheizungsbauer-Innung der Pfalz und Landesfachgruppenleiter in Rheinland-Pfalz, kann sich nicht daran erinnern, schon jemals einen derartigen Boom der Branche erlebt zu haben. In seinem Kamin- und Kachelofenstudio in Grünstadt sind zeitweise am Tag bis zu 100 Anfragen per Telefon oder Mail eingegangen. Aufgrund der permanenten Überlastung wirbt das Unternehmen um Verständnis, dass eine Bearbeitung mehrere Wochen dauern kann.

„Wir haben extrem lange Vorlaufzeiten, bis zur Lieferung eines Kaminofens kann es bis zu eineinhalb Jahren dauern“, erklärt Stephan Kohl gegenüber der RHEINPFALZ. Ein Hauptproblem sieht er in der Teuerungsrate bei den Materialien. So hätten beispielsweise die Rohrhersteller ihre Preise um 65 Prozent erhöht. Wer bei der Gewinnspanne knapp kalkuliere und keine Preisgleitklausel in den Vertrag aufgenommen habe, müsse notfalls den Auftrag stornieren. Denn nicht immer seien Kunden bereit, höhere Preise zu akzeptieren. Sein Betrieb – so Kohl – sei bisher noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Der Ofenbaumeister, der für die Handwerkskammer der Pfalz auch als Sachverständiger tätig ist, beobachtet bei allen Heizquellen, die von Erdgas und Öl unabhängig sind, eine kaum zu deckende Nachfrage. Selbst gemauerte Küchenherde mit Kochfunktion und Warmwasserbehälter erlebten eine Renaissance. Schon während der Corona-Pandemie hätten sich etliche Kunden für Kaminöfen entschieden. Da die Hersteller ihre Kapazitäten kaum erhöht hätten, müssten deutlich längere Lieferzeiten in Kauf genommen werden – aktuell sogar bis zum zweiten Quartal 2024. Dennoch habe er bereits 40 bis 60 Prozent mehr Öfen verkauft als im Vorjahr.

Wenige Betriebe bilden aus

Nach Einschätzung von Stephan Kohl ist bei den festen Brennstoffen nur bedingt ein Engpass eingetreten. „Es gibt nicht genug trockenes Holz auf dem Markt.“ Und die Holzpellets, die in herkömmlichen Kaminöfen nicht verfeuert werden können, seien mit Preisen bis zu 700 Euro pro Tonne gehandelt worden.

Und wie beurteilt der Obermeister der Innung die personelle Situation der Branche? „Wir haben keinen Fachkräftemangel, sondern einen Ausbildermangel“, stellt Stephan Kohl fest. Der Beruf des Ofenbauers, der immerhin 21 verschiedene Gewerke umfasse, sei weithin unbekannt und „in der Verdienstspirale weit unten angesiedelt“. Von den bundesweit rund 2000 Ofenbaufirmen bildeten allenfalls noch zehn Prozent aus. Sein Unternehmen in Grünstadt gehöre dazu.

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