Frankenthal
Kättl Feierdaach beim TAW-Sommertheater
140 Gäste zogen das Bühnenspiel der Komikerin dem Fußballspiel gegen die Dänen vor. Kurz vor Feierdachs Abschlussgag verkündete TAW-Chef Jürgen Hellmann „Die Fußballer haben wegen des Gewitters eine Pause eingelegt, unser Kättl spielt aber weiter.“ Die Grande Dame der Alltagskomik wahrte trotz Regens die Contenance. Feierdaach lud das Publikum ein unter die Dächer der Gemäuer vom ehemaligen Winzerhof zu gehen, „oder ihr kommt einfach zu mir auf die Bühne“. Auf diese Weise spielte die Künstlerin nun in drei Richtungen, was der Show sogar zuträglich war, weil Feierdaach nun improvisieren musste.
Ein Gast, der auf der Bühne Schutz suchte, war Matthias, der bereits vor der Pause von der Humoristin als Mitspieler auserkoren worden war. Um dort einen Schirm aufzuspannen. Denn Feierdaachs Mann, der stets der unsichtbare fehlerbehaftete Pantoffelheld in allen bislang sechs Bühnenshows ist, tut sich auch bei der Bedienung von Regenschirmen schwer. Matthias soll als positives Beispiel dienen, versagt jedoch unter den kritischen Blicken der Akteurin. Als er wetterbedingt erneut auf der Bühne erscheint, verdonnert ihn Feierdaach dazu, die Requisiten zur Seite zu räumen. „Hoschd nett gscheit zugehört?“ raunzt sie ihn gut gelaunt an, als Matthias die Schultafel mit der Aufschrift „Schwomm driwwer“ in die angeblich falsche Ecke schiebt.
Predigt aus dem schwierigen Alltag einer Ehefrau
Diese Floskel ist es, die das Publikum stets zu rezitieren hat, wenn Feierdaach eine Kunstpause einlegt. Quasi als kollektiven Abschluss jeder Predigt aus dem schwierigen Alltag einer Ehefrau, die amüsant über die Kunst philosophiert, ihren Gatten über die Hürden von Einkauf, Haushalt und Freizeit zu hieven. Der Gatte, stets mit „Moiner“ tituliert, ist ein bewegungsfaules, minderbegabtes und ichbezogens Exemplar. Beim Walking im Wald versagt Ehemann „Moiner“ ebenso wie beim Shoppen. Den heiligen Waschtag seiner Kättl ruiniert er, weil seine bunten Socken die Weißwäsche in Rosatöne färbt, „und rosa trägt er nicht“. Zum Abschluss jedes Gags weist Feierdaach autoritär auf die Tafel, und erntet stets aus den Zuschauern ein erheitertes „Schwomm driwwer“.
Der rote Faden des Abends ist die Kunst, einen Hochzeitstag zu begehen. Feierdaach hat alles generalstabsmäßig geplant und will ihre raffinierten Tipps an gleichfalls Betroffene weitergeben. Um kulinarisch sämtliche Feste der Nachbarschaft zu übertrumpfen, fotografiert sie mit ihrer Busenfreundin heimlich Menükarten von Restaurants, plündert fremde Buffets und hat sogar die Chuzpe, sich bei Festivitäten als spionierende Kellnerin einzuschleichen.
Kabarett gegen Fußball
Höhepunkt der skurrilen Vorbereitungen zum Ehejubiläum ist der Besuch einer Autowaschanlage: Die praktische Hausfrau gedenkt, hier sämtliche Reinigungsarbeiten auf einen Schlag maschinell erledigen zu lassen. Und so lässt sie Kofferraum und Seitenfenster offen, damit die Waschanlage sowohl die Jubilare als auch die Tortenplatten einer Grundreinigung unterzieht.
Während an den Bildschirmen die Zuschauer mit der deutschen Nationalelf mitfiebern, spult Feierdaach auf dem Weingut ihr eigenes Bühnenspiel ab, das auf seine Weise ebenso ambitioniert ist: Mühelos erzielt sie beim Publikum einen Treffer nach dem anderen, foult verbal ihren Gatten und spielt den Zuschauern die Bälle zu. Die Frisur des spärlich behaarten Ehemanns sei Nebensache beim Hochzeitstag, sagt sie etwa, „der muss ja nur poliert werden“. Sagt sie und blickt prüfend ins Publikum. Um trocken zu konstatieren, dass dort ebenfalls pflegeleichte Männerfrisuren hocken.
Eine alte Newcomerin
Nach dem Auftritt hat die quirlige Künstlerin Jutta Hinderberger noch Energie zu einem Plausch mit der Presse. Sie erzählt, dass ihre Bühnenkarriere erst mit 53 Jahren begann. „Ich bin eine alte Newcomerin“, sagt sie verschmitzt und erinnert sich an ihr unfreiwilliges Bühnendebüt. „Ich sollte in Speyer bei einer Faschingsveranstaltung eine kleine Ansage machen. Dazu musste ich den ganzen Saal durchqueren. Um die Wartezeit für die Gäste zu überbrücken, habe ich die ganze Zeit geredet.“ Als Hinderberger ihr komisches Talent entdeckt hatte, suchte sie nach einer passenden Bühnenfigur, die den 1950ern entsprungen scheint – grauer Mantel, rote Wangen, altmodische Netzstrumpfhose mit Damenhütchen und strengem Dutt.
Bei ihrem ersten offiziellen Auftritt wurde Hinderberger nach ihrem Künstlernamen gefragt. „In der Pfalz sagt man bei seltsam gekleideten Frauen: Die is gemodelt wie’s Kättl an Feierdaach. Und da hab ich gesagt: Ich bin die Kättl Feierdaach.“ Als solche hat sich Hinderberger seit 13 Jahren bei regionalen Fastnachtsveranstaltungen und auf Comedybühnen einen Namen gemacht – eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, da ältere Frauen generell in der Bühnenkunst einen schweren Stand haben. Wie lange die spätberufene Künstlerin noch auftreten will? „So lange mich das Publikum sehen möchte“, sagt sie und wirft sich in Pose – ein Arm damenhaft auf die Hüfte gestützt und mit der Hand das große Brillengestell umständlich richtend.