Frankenthal Käse und Kürbis, Schinken und Schals

Besonders bunt zeigt sich der Rathausplatz jedes Jahr Anfang September, wenn der Bauernmarkt mit regionalen Köstlichkeiten und allerhand Handgearbeitetem aufgebaut wird. Über 40 Direktvermarkter nahmen am Wochenende teil. Während es am Samstagnachmittag bei knapp 30 Grad eher ruhig war, blieben am Sonntag in den Regenpausen viele Besucher auch zum Essen.

Sonnenblumen, orangene Kürbisse, Igelgurken und Pfälzer Artischocken säumen den Eingang zum Bauernmarkt an der Ecke zur Wormser Straße. Es ist Samstag, früher Nachmittag, der Rathausplatz ist trotz – oder gerade wegen des sehr warmen Wetters – eher mäßig gefüllt. Erster Federweißer wird ausgeschenkt, vor dem Stand von Backparadies Kissel, an dem es das Reichenbacher Musikantenbrot zu kaufen gibt, hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. „Will jemand ein Ganzes?“, fragt Ursula Carra gerade in die Runde. Sohn Paul, seit Juli frisch gebackener Bäckermeister, erklärt, wie der vier Pfund schwere Riesenleib, der in „keinen Brottopf passt“, am besten aufzubewahren ist. „Wenn Sie den Leib in dieser Tüte lassen und in den Backofen legen, können Sie über eine Woche dran essen.“ Bereits eine halbe Stunde später ist der Stand ausverkauft und die Chefin vertröstet Interessenten auf den nächsten Tag. Wer etwas „aufs Brot“ sucht, wird beispielsweise bei Dieter Theiss aus Albessen (Landkreis Kusel) fündig. Die Milch für seinen Käse stammt von den eigenen 40 Ziegen. „Wir melken und vermarkten selbst“, sagt Theiss, der von Frischkäse über halbfesten Schnittkäse bis hin zu gereiften Sorten eine breite Auswahl bietet. Saumagen, Bratwurst und Frischfleisch sind am Stand von Mickert Wildspezialitäten aus Tiefenthal gefragt. Alles bestehe aus Reh, Hirsch oder Wildschwein aus der Grünstadter Region, erklärt Verkäuferin Annette Brocker. Thea Endres besucht zusammen mit ihrer Cousine zum ersten Mal den Bauernmarkt. „Mir gefällt es hier sehr gut, es gibt gute Angebote, man kann überall probieren“, sagt die Bobenheim-Roxheimerin. Sie habe bereits ein Bauernbrot gekauft und habe im Café Mirou einen Kaffee getrunken, erzählt sie. Auf der Rathausplatzbühne spielen sich die Musiker der Stadtkapelle Frankenthal ein, während nebenan am Stand der Donaudeutschen Landsmannschaft Hochbetrieb herrscht. Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe sind heiß begehrt. Fast komplett in herbstlichem Orange zeigt sich der Stand von Claudia und Jürgen Baumbauer aus Enkenbach-Alsenborn: Zier- und Speisekürbisse in allen erdenklichen Variationen, teils mit Gesichtern bemalt. Ein paar Schritte weiter bietet der Naturschutzbund Nabu Nistkästen, Fledermauskästen oder selbst gemachte Marmelade zum Verkauf. Obstbrände und Liköre gibt es bei der Edelobstbrennerei Scherner aus Weisenheim am Sand, daneben Forelle, Lachs und Aal bei der Mannheimer Frischquelle. Bergind Müller strickt gerade an einem Loop. „Ich verkaufe Schals, die aus gelegter Wolle genäht werden, das nennt man Crazy-Wool-Technik“, so die Heddesheimerin. Aber auch Taschen oder Oberteile gibt es – alles nach eigenen Entwürfen. „Sonst war immer etwas mehr los“, sagt Müller, die zum zehnten Mal am Bauernmarkt teilnimmt. Besucherin Thea Endres jedenfalls ist so begeistert, dass sie verspricht: „Morgen komme ich nochmal her!“ |kae

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