Frankenthal JVA Frankenthal: Verein für soziale Rechtspflege hilft Haftentlassenen

Gefängnispforte im Rückspiegel: Hilfe dabei, nicht wieder straffällig zu werden, finden ehemalige Insassen der JVA bei dem Verei
Gefängnispforte im Rückspiegel: Hilfe dabei, nicht wieder straffällig zu werden, finden ehemalige Insassen der JVA bei dem Verein.

Um diesen Tag dreht sich in den Gedanken von Strafgefangenen wohl alles: den, an dem sie aus der Haft entlassen werden. Dabei fangen damit manche Probleme erst an: Beziehungen müssen geklärt, Schulden beglichen, ein Job muss gesucht, eine Wohnung gefunden werden. Hier setzt das Angebot des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege Vorderpfalz an.

Keine Wohnung, keine Arbeit, keine glückliche Familie und keine Ahnung, wie es weitergehen soll: In dieser Situation befinden sich nicht alle, aber doch viele Männer, wenn sie ihre Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Frankenthal verbüßt haben. Im besten Fall kümmern sie sich rechtzeitig darum, wie es weitergeht und wo sie sich Hilfe holen können, um sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen und möglichst nicht wieder straffällig zu werden. Auf Wunsch besuchen die Sozialarbeiter des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege die Häftlinge im Gefängnis oder vereinbaren Gespräche mit Angehörigen. Um sie dann mit ihren Anliegen an entsprechende Institutionen zu vermitteln oder ihnen konkret zu helfen: mit einem Platz im betreuten Wohnen.

Auf eigenen Füßen stehen

Zehn Wohnungsplätze, sechs in Frankenthal und vier in Ludwigshafen, stellt der Verein in Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung. Sie sind voll möbliert, die Mieten sind üblicherweise Bestandteil von Jobcenter-Leistungen, die die Nutzer bekommen. Das Angebot, das mit einer umfangreichen Betreuung durch Sozialarbeiter verbunden ist, gilt für ein Jahr und kann bei Bedarf verlängert werden. In dieser Zeit sollte der ehemalige Häftling sein Leben in Freiheit so organisiert haben, dass er auf eigenen Füßen steht. Sprich: Er sollte eine eigene Wohnung und einen Job gefunden haben, sich im Falle von Finanzdelikten mit den Gläubigern geeinigt und am besten auch etwaige persönliche Probleme mit Partnerin und Kindern geklärt haben. „Die Plätze sind immer voll“, sagt Uwe Lucht, der Geschäftsführer des im Haus des Jugendrechts in der Ludwigshafener Innenstadt ansässigen Vereins. „Und das Angebot ist ein sehr intensives.“ Die Sozialarbeiter vermitteln die Männer bei Bedarf an eine Sucht- oder Schuldnerberatungsstelle und machen Freizeit- und Gruppenangebote wie gemeinsames Kochen und Essen. Was banal klingt, für viele Menschen mit einer kriminellen Vergangenheit aber nicht unbedingt etwas Selbstverständliches ist. Und: Die Sozialarbeiter arbeiten eng mit Bewährungshelfern und der Polizei zusammen, wenn sich der frühere Straftäter dort zum Beispiel noch regelmäßig melden muss.

Vom sozialen Training bis zum Täter-Opfer-Ausgleich

Diese Betreuung von Haftentlassenen, deren Ziel immer die Resozialisierung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft ist, ist die ursprüngliche Aufgabe des 1956 gegründeten Pfälzischen Vereins für Straffälligenhilfe, dem Vorgänger der seit dem Jahr 2000 vier eigenständigen Vereine in der Pfalz. Im Lauf der Jahre sind viele Aufgaben hinzugekommen. So kümmern sich die 30 Mitarbeiter des für die Vorderpfalz zuständigen Ludwigshafener Vereins auch um Täter-Opfer-Ausgleich und um die Vermittlung von Menschen in gemeinnützige Arbeit, die eine Geldstrafe nicht bezahlen können. Der Verein bietet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Anti-Aggressions-Trainingskurse an und greift bei häuslicher Gewalt oder der Gefahr davon ein. Oft werden die Angebote vom sozialen Training bis zum Täter-Opfer-Ausgleich in Anspruch genommen, um im Hauptverfahren ein milderes Urteil zu erreichen. „Ja, das ist oft die Motivation“, sagt Lucht. „Aber für uns ist das Wichtigste, erneute Vorfälle dieser Art zu verhindern. Sozialarbeit sollte sich immer selbst überflüssig machen wollen.“ Auf rund 300 erfolgreiche Verfahren eines Täter-Opfer-Ausgleichs pro Jahr im Bezirk des Landgerichts Frankenthal kann der 57-Jährige verweisen.

Finanzierung des Vereins schwierig

Was die Arbeit des Vereins erschwert, ist die permanente Unsicherheit der Finanzierung. Abgesehen von den Angeboten für Kinder und Jugendliche zum Beispiel in Grundschulen und Realschulen plus, deren Kosten die Kommunen tragen, finanziert sich der Verein durch Geldbußen, die ihm Staatsanwälte und Richter zuweisen. Wenn sich ein Verurteilter die Geldbuße nicht leisten kann und stattdessen eine Haftstrafe antritt, sieht der Verein keinen Cent – und in der ohnehin schon vollen JVA ist wieder eine Zelle mehr belegt.

30 Mitarbeiter hat Uwe Lucht, Geschäftsführer des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege Vorderpfalz, in seinem Team.
30 Mitarbeiter hat Uwe Lucht, Geschäftsführer des Pfälzischen Vereins für Soziale Rechtspflege Vorderpfalz, in seinem Team.
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