Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Jubiläumsausklang: 300 Gäste bei Bürgerempfang

Geschichtsstunde mit hintergründigem Humor: Professor Hiram Kümper bei seiner Festrede.
Geschichtsstunde mit hintergründigem Humor: Professor Hiram Kümper bei seiner Festrede.

Frankenthal hat 2022 ausgiebig seine erste Erwähnung im Lorscher Codex vor 1250 Jahren gefeiert. Wie aber hat sich Jubiläums- und Erinnerungskultur mit der Zeit verändert? Darüber haben die Besucher des Bürgerempfangs am Freitag einiges erfahren – amüsante Anekdoten inklusive.

Feierlichkeiten wollen heutzutage sorgfältig geplant sein – mit allem, was da an Aspekten im Vorfeld zu beachten ist: Kosten, Werbung, Sicherheit. Im Frankenthal des 19. Jahrhunderts waren die Beteiligten offenbar noch etwas spontaner, wie der Mannheimer Historiker Hiram Kümper den rund 300 Gästen des Bürgerempfangs im Congress-Forum (CFF) am Freitag berichtete. Da versuchten Vereinsvertreter nur wenige Tage vor dem 300. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte mit einer Eingabe an den Rat, ein Fest zu diesem Anlass auf die Beine zu bekommen. Was freilich nicht an der Kurzfristigkeit des Anliegens scheiterte, wie Kümper genüsslich in seiner Festrede referierte. Die Ratsherren waren der Überzeugung, dass die Bedeutung des 29. Oktobers 1577 zu wenigen Frankenthalern bewusst sei – und lehnten ab.

Wiederkehrende Elemente

Der Mannheimer Hochschulprofessor arbeitete an Beispielen aus der Region heraus, was Jubiläen heutzutage und früher gemeinsam ist: dass die Organisatoren der dazugehörigen Veranstaltungen versuchen, „das Wir-Gefühl mit Tradition aufzuladen“. Und so findet sich laut Kümper bei manch zeitgenössischem Fest wieder, was schon bei früheren Anlässen dazugehörte: Festzüge beispielsweise. Der Wissenschaftler hält ein weiteres Element fest, das die städtische Gesellschaft bis heute präge: bürgerschaftliches Engagement. „Die Stadt ist das, was wir daraus machen“, sagte Kümper.

„Die Zukunft liegt in unseren Händen“, hatte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) seine Rede beim ersten Bürgerempfang nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause betitelt. Frankenthal habe sich in seinem aktuellen Jubiläumsjahr als lebendige Mittelstadt präsentiert. Das zeigten auch die „kleinen“ Jahrestage, die 2022 gefeiert worden seien – beispielsweise 100 Jahre Stadtbücherei. Hebich lenkte den Blick aber auch auf die aktuelle politische Lage, die dafür sorge, dass wohl niemandem uneingeschränkt nach Feiern zumute sei.

Respekt für Leistung in Sopot

Der Bürgerempfang sei der erste, der in einer Zeit stattfinde, in der auf europäischem Boden ein Krieg tobe, sagte der OB im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar. Was die Verantwortlichen in Frankenthals polnischer Partnerstadt Sopot seitdem bei der Versorgung der Flüchtlinge geleistet habe, verdiene größten Respekt. Zum Empfang im CFF waren Vertreter aller Partnerkommunen – Sopot, Rosolini, Strausberg und Colombes – angereist.

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