Frankenthal
Jubiläum mit Abschied: Waldorf-Kita feiert 30 Jahre Bestehen
Eine Elterninitiative sorgte 1993 für das neue Betreuungsangebot. Los ging es mit einer Gruppe von 25 Kindern in einem Schulsaal der sechs Jahre zuvor eröffneten Freien Waldorfschule. Doch während der ersten vier Jahre habe man bemerkt, „dass die Interessen von Schul- und Kindergarten-Organismus auseinander laufen“, berichtet Carsten Felgenhauer, als Geschäftsführer zuständig für den wirtschaftlichen Bereich von Waldorfschule und Kindergarten. Gemeinsam mit Kirsten Ziesche, Geschäftsführerin im technischen Bereich, skizziert er die wechselvolle Geschichte der Einrichtung. 1997 wurde schließlich der Trägerverein Sterntaler gegründet, eigene Räume im Souterrain der Schule wurden umgestaltet. Ein Provisorium, das letztlich 25 Jahre lang und mit Platz für 50 Kinder bestehen sollte. 2015 fusionierte der Trägerverein Sterntaler mit dem Waldorf-Schulverein.
Eigenes Kita-Gebäude
Der Wunsch nach einem eigenen Gebäude nahm ab 2019 konkrete Formen an: Von der Stadt erhielt der Verein ein an das Schulareal angrenzendes 2500 Quadratmeter großes Gelände in der Julius-Bettinger-Straße in Erbpacht mit dem Ziel, einen Kindergarten für vier Gruppen mit insgesamt 80 Kindern zu bauen. Errichtet wurde von 2019 bis 2020 ein Gebäude in Vollholzbauweise und Erdwärmeversorgung mit vier Tiefensonden. Eine Fotovoltaikanlage ist geplant. Die Baukosten seien mit 2,3 Millionen Euro (inklusive Außengelände) rund 50 Prozent günstiger gewesen als bei regulärer Bauweise, betont Felgenhauer. In der Waldorf-Pädagogik spiele auch die Architektur des Gebäudes eine wichtige Rolle. In dem Kindergarten werden zurzeit 62 Kinder von neun Erzieherinnen (davon fünf in Teilzeit) betreut. Die restlichen Plätze können aufgrund von fehlendem Personal nicht belegt werden. Außerdem gibt es drei Anerkennungspraktikanten und eine Kraft im Freiwilligen Sozialen Jahr. Kindergartenplätze sind auch hier begehrt, 100 Namen stehen auf der Warteliste.
Abschied nach 30 Jahren
Eng mit dem Waldorf-Kindergarten Sterntaler verbunden ist Susanne Eicher. Die Waldorf-Erzieherin war als Gründungsmitarbeiterin von Anfang an dabei. Die Waldorfpädagogik basiere auf der Menschenkunde von Rudolf Steiner und ziele nach dem Prinzip „Vorbild-Nachahmung“ auf die Entwicklung der Sinne des Kindes, erklärt sie. Im Kindergarten-Alltag spielten Rhythmen und Wiederholungen eine große Rolle. Sie spiegeln sich in festen Tages-, Wochen-, Monats-, Jahresabläufen und gemeinsamen Feiern, betont Susanne Eicher. Das gebe den Kindern Sicherheit und stärke das Selbstvertrauen. Durch „Sinnesschulung“ mit freiem Spiel drinnen und draußen und künstlerisches Gestalten würden Konzentration und Ausdauer geschult, mit Liedern, Märchen und Geschichten die Sprachbildung gefördert. „Die Kinder lernen, das Leben zu leben mit allen schönen Dingen, die es gibt“, sagt die Erzieherin. Susanne Eicher, geboren in Alsheim bei Mainz in ein anthroposophisch orientiertes Umfeld, absolvierte nach dem Studium der Buchgestaltung die Waldorferzieherausbildung in Stuttgart. Sie verlässt Frankenthal in den Ruhestand, wird aber „generationenübergreifend in der eigenen großen Familie weiterarbeiten“, wie sie sagt.
Jubiläumsfest am Samstag
Für das Jubiläumsfest am Samstag, 8. Juni, wurde eigens ein Organisationsteam zusammengestellt. Man erwarte viele Ehemalige und wünsche sich einen regen Austausch, sagt Kita-Verwaltungskraft Monique Müller. Eingeladen sei auch die Öffentlichkeit. Das Jubiläumsfest wird 11 Uhr musikalisch eröffnet. Im Anschluss hält die Heidelberger Ärztin Susanne Hofmeister einen Vortrag zum Thema „Welchen Raum und welche Grenzen brauchen unsere Kinder für die gesunde Entwicklung?“. Um 12 Uhr bietet die hauseigene Suppenküche einen Mittagsimbiss. Von 13 bis 16 Uhr gibt es ein buntes Programm für die ganze Familie mit Eiswagen, Auftritt eines Zauberers, Bastelstation, Tonwerkstatt, Kinderschminken, Bewegungsparcours zum Thema „Pferde“, Basarstand, Zwergenhöhle, Mitmachstation des Zirkus Albireo sowie Tombola und Kaffee und Kuchen.