Frankenthal „Jetzt geht’s noch mal richtig los“

„Ich bin 39 – und das seit 2008“: Auf der Bühne kokettiert Maria Vollmer mit ihrem Alter. Im Interview hat sie kein Problem mit
»Ich bin 39 – und das seit 2008«: Auf der Bühne kokettiert Maria Vollmer mit ihrem Alter. Im Interview hat sie kein Problem mit der Tatsache, dass sie 51 Jahre alt ist.
Sie thematisieren die Situation der Frau „im fünften Lebensjahrzehnt“. Wie alt sind Sie eigentlich?

Auf der Bühne sage ich immer: ,Ich bin 39 – und das seit 2008.’ Frauen ab einem gewissen Alter werden ja nicht gerne danach gefragt. Aber ich stehe dazu: Ganz offiziell bin ich 51. Könnte man böse sagen: Fürs Tanzen waren Sie irgendwann zu alt, dann mussten Sie lustig sein? Ich habe sogar aufgehört, bevor ich mich nicht mehr bewegen konnte. Nein, das war einfach die Lust daran, mich ins Comedy- und Kabarettfach zu wagen. Zuerst mit einer Kollegin im Duo. Das hat dann gut geklappt, und so blieb ich dabei. Sie haben eine klassische Tanzausbildung. Was davon können Sie heute noch auf der Bühne gebrauchen? Bewegung ist für mich ein starkes Mittel, um Themen noch mal auf eine andere Art darzustellen. Zum Beispiel habe ich im aktuellen Programm einen Jogamattentanz. Rock’n’Roll oder Rheumadecke heißt es in der Ankündigung zum Programm über Frauen im fünften Lebensjahrzehnt. Wo stehen Sie selbst? Eigentlich brauche ich beides. Da ich zunehmend unter kalten Füßen leide, wäre eine Rheumadecke super. Aber ohne Rock’n’Roll kann ich auch nicht. Es gibt ja das Klischee, dass man im Alter immer langweiliger wird. Ich empfinde genau das Gegenteil: Jetzt geht es noch mal richtig los. Man schaut, was geht denn noch und was will ich wirklich? Begegnen Ihnen selbst auch Klischees zum Alter? Dadurch, dass ich tanze und singe, ist mein Programm ziemlich energetisch. Da kommen hinterher schon Leute und fragen: ,Wie schaffen Sie das?’ Mitgedacht ist dabei: ,In dem Alter?’. Ihr Mann Peter Vollmer ist zugleich ein Kollege. Geht es entsprechend bissig-witzig am Frühstückstisch zu? Wir sind morgens genauso müde wie andere Leute. Inzwischen übertrumpfen uns eigentlich die Jungs mit den lustigen Sprüchen. Sie beide thematisieren das Geschlechterverhältnis. Sind Sie sich in Ihrer Einschätzung zur Rollenverteilung immer einig? Ähm, sagen wir mal: Wir kommen privat ganz gut klar. Was mir allerdings immer wieder – nicht nur bei meinem Mann – auffällt, sind irritierte Blicke, wenn ich darüber spreche, dass Frauen doch immer noch mehr kämpfen müssen, um bestimmte Dinge zu erreichen. Inzwischen gibt es einige bekannte und erfolgreiche Kabarettistinnen. Ist also alles gut in Sachen Gleichberechtigung? Das würde ich so nicht sagen. Aber wir sind auf einem guten Weg. Es wird immer noch als etwas Besonderes angesehen, wenn eine Frau auf die Bühne geht, so nach dem Motto: Mal schauen, was die kann. Ich sehe am Publikum, das ja bei mir überwiegend weiblich ist, wie dankbar Frauen sind, dass da mal eine Frau steht und mal ihre Sicht der Dinge schildert. Andererseits trauen sich auch einfach nicht so viele Frauen in das Metier. Denn das ist schon hart, den Konkurrenzkampf, das viele Rumreisen, die Frage, wie kriege ich das hin mit den Kindern – das muss man aushalten. Und das fragen sich schon eher die Frauen. Als ich schwanger wurde, sagte meine damalige Agentur: Das war’s dann wohl. In dem Wikipedia-Artikel über Ihren Mann werden Sie übrigens nicht erwähnt, während bei Ihnen der Zusatz steht: Verheirat mit dem Kabarettisten Peter Vollmer. Guter Hinweis. Das muss ich sofort ändern. Ihr aktuelles Programm „Push-up, Pillen und Prosecco“ hatte 2016 Premiere. Ist die Routine, die man nach zwei Jahren sicher hat, hilfreich oder bisweilen hinderlich? Auf jeden Fall hilfreich. Wenn die Technik ausfällt oder etwas unvorhergesehenes im Publikum passiert, ist man einfach sattelfest. Trotzdem muss man sich das Ganze immer frisch vor Augen halten. Gibt es für Sie Grenzen des Humors? Absolut. Rassismus oder Witze, die zu sehr unter die Gürtellinie gehen, finde ich nicht lustig. Das heißt aber nicht, dass man nicht alle Themen bearbeiten kann. Vorverkauf Tickets für den Tanz-Kabarett-Abend mit Maria Vollmer am 11. Januar, 20 Uhr, im Wormser Theater gibt es unter Telefon 06241 2000450 und im Internet unter www.das-wormser.de. | Interview: Sonja Weiher

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