Frankenthal „Jemand Lust auf Holocaust?“

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Shahak Shapira ist keiner von den Dichtern, wie sie sonst in der Lesereihe „Europa Morgen Land“ auftreten. Sie wird von den Kulturämtern Ludwigshafens und Mannheims, den Vereinen „Kultur Rhein-Neckar“ und „KulturQuer QuerKultur“ sowie seit vergangenem Jahr auch mit der Stadtbücherei Frankenthal veranstaltet.

„Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!“ ist der Titel seines autobiografischen Buchs. Shapira nennt es ein Sachbuch, keinen Roman, denn alles darin Geschilderte sei wahr. Der Titel sei irreführend, bekannte er. Das Buch werde auch von AfDlern nachgefragt, er sehe dies positiv. Shapiras Vortrag im dicht besetzten Café des Kulturzentrums Das Haus wirkte durch seine Persönlichkeit und den sympathisch lockeren Vortrag. Er war in den Schlagzeilen, als er am Silvesterabend 2014 in Berlin angegriffen wurde. Die Täter wurden nicht bestraft, aber der Rowohlt Verlag bot ihm einen Vertrag an. Shapira hat eine interessante Biografie vorzuweisen. Der eine Großvater wurde als israelischer Trainer beim Münchner Olympia-Attentat getötet. Der andere hat das Warschauer Ghetto überlebt. Israel und der Holocaust sind Shapiras Schicksal, doch er inszeniert sich als deutsche Frohnatur. „Der liebe Jehova“, schreibt er, hat ihn „mit einer überaus arischen Tarnung ausgestattet“: blondes Haar, blaue Augen, deutsche Gesichtszüge. Eine „jüdische Stimme“ will er nicht sein. „Für mich ist mein Judentum wie eine Art Tripper, ich werde es nicht los. Ich bin kein Deutscher, ich wohne nur hier. Ich habe keine Lust, mich zu verstecken.“ Mit 14 Jahren kam der Israeli mit seiner Mutter und deren Lebenspartner nach Laucha im südlichen Sachsen-Anhalt. Dort stehen Burgen, wachsen die Trauben für den Rotkäppchensekt, ist die NPD obenauf. Bevor man dies erfährt, macht Shapira seinen Standpunkt klar: Er mag Xavier Naidoo. Den Zentralrat der Juden mag er nicht, besonders wenn er Obergrenzen für muslimische antisemitische Einwanderer fordert. Für die „größten Themen“ Integration und Frieden schlägt er eine schnurrige Lösung vor: „Der Weg zum Weltfrieden ist die Pornografie.“ Sie sei „die Säule der kultivierten Welt“. Wo sie erlaubt ist, herrsche Ruhe und Frieden, wo sie verboten ist, herrsche Chaos und Krieg. „Deutsch-israelische Beziehungen im Bett“ heißt ein Kapitel im Buch. Seine persönlichen „diplomatischen Beziehungen“ dieser Art entpuppen sich indes als nicht sehr erfolgreich. Nach derlei „Bierzelt-Humor“ fragt er unvermittelt: „Hat jemand Lust auf Holocaust?“ Keiner meldet sich. Doch er erzählt die Geschichte seines Großvaters, der sich immer als Europäer gefühlt hat. Die Großmutter war für ihn eine „Kamelreiterin“, obwohl sie gebildeter war als er. Wohlhabende Warschauer Familie, Ghetto und Gaskammern, dann im Sauseschritt Auswanderung und israelische Kriege mit der immerwährenden Furcht vor Senfgas und Scud-Raketen.

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