Frankenthal
Jazz: Sebastian-Sternal-Trio begeistert Publikum im Wormser Theater
Der Jahresabschluss der Blue-Nite-Konzerte war ein besonderer Glanzpunkt der ohnehin stets lohnenden Veranstaltungen der Wormser Jazz-Initiative: Mit Sebastian Sternal (Piano), Larry Grenadier (Bass) und Jonas Burgwinkel (Drums) konnte Kurator Volker Wengert ein Trio von internationaler Klasse gewinnen. Zur Freude des Publikums stieß beim Konzert im Wormser Theater ein Überraschungsgast dazu.
Ein sanftes An- und Abschwellen der Klänge, impressionistisch farbige Akkorde vermitteln ein Gefühl von Weite – dann ein Sprung in präzise Unisono-Linien von Klavier und Bass, verwinkelt, harmonisch Haken schlagend, durchaus gewollt und auch etwas „eckig“. Die ersten beiden ineinander übergehenden Stücke umrissen schon ungefähr die Pole, zwischen denen sich die Musik des Trios bewegt: Da sind atmosphärisch aufgeladene Räume auf der einen Seite. Denen gegenüber stehen äußerst klar formulierte Statements, die kompositorisch durchdacht und ausgefeilt sind, aber von den drei Musikern keineswegs kühl präsentiert werden. Intensität und Leidenschaft sind für das Publikum immer spürbar – warum auch nicht: es macht ja durchaus Spaß, seinen Kopf zu benutzen, gerade auch in der Musik.
Komponist und Arrangeur
Immer wieder verblüffend ist im Verlauf des Konzerts, wie sich die drei Musiker mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen den freien, improvisatorischen Teilen und den komponierten Passagen bewegen. Sicher gibt es bestimmte Signale, Licks, die beim Anspielen zeigen, dass jetzt der nächste Abschnitt beginnt. Aber so punktgenau dort zu landen, die aufgebaute Spannung in eine Form zu lenken, das ist schon große Kunst.
Sebastian Sternal, geboren 1983 in Mainz, hat in Köln und Paris Jazzklavier und Komposition studiert. Sein erstes Album als Leader erschien 2009 unter dem schlichten Titel „Eins“ und war in Triobesetzung eingespielt. Er begleitete schon Größen wie Dee Dee Bridgewater, tourte durch die ganze Welt. Dreimal hat er den ECHO Jazz gewonnen, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Neuen Deutschen Jazzpreis und mehr. Er spielt in verschiedenen Besetzungen und hat als Komponist und Arrangeur der „Sternal Symphonic Society“ mit großen Besetzungen gearbeitet. Mit Schlagzeuger Jonas Burgwinkel arbeitet er schon länger zusammen. Burgwinkel hat in Maastricht, Köln und Berklee studiert, hat ebenfalls einen ECHO und weitere Preise gewonnen. Er spielte unter anderem mit John Scofield, Chris Potter, Dave Liebman und vielen weiteren Jazzgrößen. Spannend zu hören ist sein Gespür für Klänge und Texturen, die er sehr dynamisch gestaltet. Trotzdem kann er auch enorm grooven – er stellt damit Verbindungen zwischen freiem Spiel und Rhythmus her, die in diesem Trio ganz besonders zur Geltung kommen.
Anspruchsvolle Melodik
Der US-Amerikaner Larry Grenadier ist einer der führenden Jazzbassisten unserer Zeit. Er gehörte lange zu Brad Mehldaus Trio, und fast genau so lange zum Pat Metheny Trio. Auch John Scofield und Joshua Redman schätzen seine Präzision und sein Gefühl für Melodik.
Caro Trischler half dabei, Sebastian Sternal einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, nämlich Lieder zu schreiben, von denen im Konzert einige zu hören waren. Und das war äußerst eindrucksvoll. Sternals Gesangsstücke sind keine einfachen Lieder in der Art von Standards oder Popsongs. Vielmehr knüpfen sie an das klassische Kunstlied an. Die Melodik ist dabei sehr anspruchsvoll – was Trischler sehr gut intonierte. Die 24-Jährige war 2013 im Halbfinale bei „The Voice of Germany“ und war damit auf Tour. 2014 begann sie ein Jazz-Studium. Beim Konzert in Worms beeindruckte sie mit dem Gefühl und der Intensität ihrer Interpretation.