Frankenthal Interview: Volker Weismann äußert sich kritisch zum Diesel-Hilfspaket

Mit Umtauschprämien würden ältere Dieselautos nicht unbedingt von der Straße geholt, sagt Volker Weismann: „Man verlagert nur da
Mit Umtauschprämien würden ältere Dieselautos nicht unbedingt von der Straße geholt, sagt Volker Weismann: »Man verlagert nur das Problem vom Endverbraucher auf den Handel.«

Um Fahrverbote möglichst zu verhindern, hat die Bundesregierung ein Hilfspaket für Dieselfahrer beschlossen. Volker Weismann, Obermeister der Innung des Kfz-Gewerbes Vorderpfalz aus Frankenthal, sieht einiges an diesem Konzept kritisch. Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Weismann, halbe Zeitungsseiten sind schon damit gefüllt worden zu erklären, wie die Bundesregierung jetzt mit dem Thema Diesel umgehen will. Wie lange haben Sie gebraucht, um die Einzelheiten zu verstehen?

Das ist gar nicht so einfach. Ganz durchgestiegen bin ich bis jetzt auch noch nicht. Es sind ja mehrere Konzepte, die da vorliegen. Einmal geht es um Eintauschprämien für ältere Dieselfahrzeuge. Die Händler sollen die zurücknehmen, und die Hersteller bieten dafür dann einen gewissen Obolus. Das heißt, der Händler und der Hersteller werden jeweils einen Teil zahlen. Damit hat man das Problem aber nur verlagert. Denn Fahrzeuge, die zwei, drei, vier Jahre alt sind und unter Umständen noch einen Wert von bis zu 40.000 Euro haben – die können wir ja nicht einfach verschrotten ... Für diese Umtauschprämien werden Summen bis zu 10.000 Euro genannt, die die Hersteller anbieten wollen. Aber Dieselautos werden nicht nur von Wohlhabenden gefahren. Und es kostet eine ganz erhebliche Summe, einen Neuwagen anzuschaffen. Reichen diese Prämien wirklich, um durchgreifende Veränderungen zu erreichen? Nur bedingt. Wenn Sie einen Diesel haben, der acht oder zehn Jahre alt ist, und die Kilometerleistung liegt bei 150-, 200.000 oder noch mehr, dann würde das ausreichen. Denn dieses Auto würde man wahrscheinlich entsorgen. Das hat vielleicht gerade noch den Wert, den es als Eintauschprämie gibt. Aber ein jüngeres Auto mit wenig Kilometern ist ja wesentlich mehr wert. Man verlagert hier nur das Problem vom Endverbraucher auf den Handel. Der Hersteller kümmert sich dann ja nicht mehr darum. Nun soll es diese Förderung aber nur für Autofahrer in den 14 Städten mit der höchsten Luftbelastung, für das Umland und für Einpendler geben. Nach ersten Schätzungen sind das bundesweit maximal zehn Prozent aller Betroffenen. Ist das gerecht? Ich finde das Käse. Denn die anderen Autos, die nicht in diesen Städten fahren, haben ja dieselben Abgaswerte. Und die tragen dann ja auch zur Belastung bei. Also, entweder sollte man es flächendeckend machen oder gar nicht. Zudem ist das ja eine Diskriminierung von Leuten, die auch einen Diesel Euro 5 oder älter haben, aber keine Möglichkeit der geförderten Nachrüstung oder des Austauschs des Autos bekommen. Auch ein Pfälzer fährt mal nach Stuttgart oder Darmstadt oder in eine andere der 14 angesprochenen Städte. Der hat aber nach dem gegenwärtigen Stand keine Möglichkeit, Förderung zu bekommen ... Nein. Er kann das nur auf eigene Kosten machen. Also, was man versucht hat, da aufs Papier zu bringen – das ist nicht ausgegoren. Und ich finde es auch nicht gerecht allen anderen Autofahrern gegenüber. Wären die Kfz-Betriebe kurzfristig in der Lage, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen, also Katalysatoren in Euro-5-Dieselautos einzubauen, wie sie laut Bundesregierung angeboten werden sollen? Die Hersteller dieser Nachrüstsysteme, dieser Katalysatoren, sind schon dabei, diese zu produzieren. Sie brauchen noch eine Freigabe vom Kraftfahrtbundesamt. Die müssen dann noch bestimmte Prüfzyklen absolvieren, damit man sieht, dass die Abgasreduzierung stattfindet und sich in dem Bereich bewegt, der vom Gesetzgeber zugelassen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das innerhalb von drei bis maximal sechs Monaten machbar ist. Sind Sie von Kunden auf dieses neue Thema schon angesprochen worden? Bisher gab es noch keine Fragen. Das liegt vielleicht daran, dass wir in einem Gebiet arbeiten, wo derzeit keine Fahrverbote zu erwarten sind. Wir verkaufen Opel und Ford, unser Dieselanteil im Vertrieb liegt bei ungefähr 25 Prozent. Bei anderen Herstellern liegt der Anteil bei zwei Dritteln oder drei Vierteln – das ist dann eine ganz andere Situation. Unsere Dieselfahrer sind meistens Gewerbekunden, die ihre Fahrzeuge ohnehin alle drei bis vier Jahre wechseln, weil sie sehr viele Kilometer fahren. Aus wirtschaftlichen Gründen gibt es da keine Alternative. Sie verkaufen in Ihrem eigenen Betrieb Opel und Ford, Sie verkaufen auch Gebrauchte. Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückschauen: Wie hat sich das Dieselgeschäft entwickelt? Das ist im Privatkundenbereich sehr stark rückläufig. Das ist verständlich angesichts dieser ganzen Diskussionen, angesichts der Abgasmanipulationen, die stattgefunden haben. Das Schlimmste, was einem Autofahrer passieren kann, ist, dass er sein Auto nicht nutzen darf. Daher versuchen viele, dem Diesel aus dem Weg zu gehen. Aber wenn ich persönlich mir heute ein neues Auto kaufen würde, dann würde ich mir einen jungen Diesel holen, Euro 6, der maximal ein Jahr alt ist – denn den bekomme ich im Moment richtig günstig. Hat der Dieselantrieb nach Ihrer Einschätzung noch eine Zukunft? Der Dieselantrieb hat Zukunft, weil die Industrie für die Abgase jetzt andere Reinigungsmöglichkeiten hat. Man sieht das bei den neuen Euro-6d-temp-Motoren; die schneiden bei den Abgaswerten sehr günstig ab. Das Hauptproblem, das wir haben, ist das Stickoxid. Über die neuen Filtersysteme, die es jetzt gibt, wird das um 80, 85 Prozent reduziert, verglichen mit dem Stand bei den Euro-5-Motoren. Dadurch wird der Diesel jetzt sehr umweltfreundlich. Und die Wirtschaftlichkeit steht außer Frage: Wenn Sie heute einen modernen Diesel fahren, sparen Sie bei den Kraftstoffkosten mindestens 40 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Benzinmotor. | INTERVIEW: STEPHAN PIEROTH

Volker Weismann
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