Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Pfadfinder immer noch für Ukraine aktiv

Regelmäßig kommt der ukrainische Arzt Valentin Tsymbal (links) nach Bobenheim-Roxheim und holt bei Norbert Uhl Spenden ab.
Regelmäßig kommt der ukrainische Arzt Valentin Tsymbal (links) nach Bobenheim-Roxheim und holt bei Norbert Uhl Spenden ab.

Durch den Konflikt in Nahost ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Bewusstsein der Öffentlichkeit etwas in den Hintergrund gerückt. Wirkt sich das auf die Spendenbereitschaft aus? Darüber haben wir mit Norbert Uhl, dem Vorsitzenden der Pfadfinder von St. Laurentius in Bobenheim-Roxheim, gesprochen.

Am Anfang der Pfadfinderaktion war die Spendenbereitschaft riesig. Wie sieht es jetzt aus?
Wir Pfadfinder unterstützen seit 21 Monaten Menschen in der Ukraine. Seit Frühjahr/Sommer 2022 ist ein enger Kontakt zu dem ukrainischen Arzt Valentin Tsymbal und seiner Frau Lisa, die in Bobenheim-Roxheim lebt, entstanden. Wir unterstützen Valentin und seine Stiftung „Ti potriben“, die Kindern in der Ukraine hilft. Teils mit Sachspenden und regelmäßig mit Geldspenden. Valentin war im vergangenen Jahr alle sechs bis acht Wochen bei mir, um Spenden entgegenzunehmen. Mittlerweile sind er und Lisa zu guten Freunden geworden. Es ist schön für uns zu wissen, wohin unsere Spenden gehen und was damit finanziert wird. Im April 2022 hatten wir mit den Pfadfindern eine Straßensammlung organisiert und bekamen mehr als 20.000 Euro von der Rheinschule, die das Geld bei einem Benefizlauf erlöste. Mit weiteren Geldern, die auf unser Spendenkonto überwiesen wurden, kamen wir auf mehr als 35.000 Euro. Von diesem Geld zehren wir noch.

In welche Region gehen die Hilfen der Pfadfinder, und wie ist die Situation der Menschen dort?
Die humanitäre Situation in den Regionen Charkiw, Donezk und Cherson bleibt schwierig. „Ti potriben“ unterstützt Kinder und medizinische Einrichtungen. Valentin hat mir vergangene Woche ein Foto von einem Stromgenerator geschickt, den er von unseren Spenden für ein Kinderkrankenhaus gekauft hat. Das Geld hatte ich ihm im November mitgegeben. Die kalte Jahreszeit in der Ukraine dauert lange, daher bleibt die Hilfe für die Bevölkerung in Form von Generatoren, Heizungen und Ladegeräten relevant. In einem Brief wurde uns mitgeteilt, dass nicht nur materielle Unterstützung, sondern auch moralische Hilfe wichtig ist. Statt Pakete haben wir „Briefe der Hoffnung“ in die Ukraine geschickt, da leider kein großer Transporter organisiert werden konnte und das Einführen von Paketen in die Ukraine immer schwieriger wird. Die Briefe, teils mit kleinen Geldspenden, sollen an kranke Kinder gehen, die die Feiertage im Krankenhaus verbringen müssen, sowie an Kinder, deren Eltern an der Front sind. Der direkte Kontakt macht diese Hilfe zu etwas ganz Besonderem.

Es ist Winter. Welche Hilfe ist gefragt?
Die Spendenbereitschaft ist leider stark zurückgegangen. Der Krieg zieht sich schon lange hin. Sicher müssen einige Leute selbst sparen, da bei uns auch alles teurer wurde. Dass sich der Krieg in Nahost auf die Spendenbereitschaft auswirkt, glaube ich eher nicht. Hilfe für die Ukraine wird derzeit stärker denn je benötigt, da gerade im Winter verstärkt die Infrastruktur angegriffen wird. Kinder leiden unter dem Krieg sehr. Familien wurden auseinandergerissen. Deshalb sind Briefkontakte zwischen Kindern wertvoll. Den Kindern gebe es viel Hoffnung und Freude, wenn sie wüssten, dass ein Kind in Deutschland an sie denkt und ihnen einen Gruß schickt, heißt es in dem Brief von Valentin Tsymbal. Jetzt vor Weihnachten sind ein paar Spenden auf unserem Konto eingegangen. Wenige Leute unterstützen uns regelmäßig.

Spendenkonto

DPSG St. Laurentius, IBAN: DE14 5479 0000 0001 6687 30, Verwendungszweck: Weihnachten Ukraine.

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