Frankenthal
Interview mit Grabowsky-Sänger Olli Herrmann: „Die Menge fehlt schon“
Strohhutfest@home, zu Hause, das muss für einen, der unter normalen Umständen eigentlich jede Stunde dieser vier Tage auskostet, schwer zu ertragen sein ...
Kann man so sagen. Was ab Donnerstag geplant ist, kann das Strohhutfest und das Erlebnis natürlich nicht ersetzen – beispielsweise mit den Kumpels um die Stände zu ziehen und irgendwann früh morgens aus der Kneipe zu kommen, dieses gigantische Klassentreffen. Die Botschaft soll meiner Meinung sein: Haltet durch in dieser Zeit und lasst Euch den Spaß nicht komplett von Corona vermiesen. Das Ganze wird hoffentlich eine einmalige Geschichte bleiben. Wir, Grabowsky, machen deshalb auch keine anderen Streaming-Konzerte – außer das am Freitag.
Was wird Dir und der Band am meisten fehlen, was unterscheidet einen solchen Auftritt aber vielleicht doch nicht so sehr von anderen.
Na, die Menge vor der Bühne fehlt schon. Ich glaube aber nicht, dass das Kribbeln vor solch einem Gig weniger ist als bei Konzerten vor Publikum. Logisch, am Freitagabend auf dem Strohhutfest zu spielen, ist das Schönste im ganzen Jahr – mit 4000 Leuten auf dem Rathausplatz, in die du dich reinwerfen kannst und die dich dann sogar auf Händen tragen. Wenn der Stream gut läuft, erreichen wir möglicherweise auch Leute, die uns nicht so kennen. Und vielleicht sogar aus anderen Ländern – Grabowsky goes international, sozusagen.
Ihr habt als Band einige Rituale, bevor es auf die Bühne geht. Sind die unter den beschriebenen Umständen trotzdem Pflicht?
Na klar, da wird zu Hause schon der Strohhut – mit Button – angezogen. Man trifft sich vorher, trinkt die erste Schorle zusammen, spricht die Songliste durch. Daran ändert sich nix Großes – die Vorfreude ist vielleicht einfach eine andere.
Ist es da möglich, Euer Programm wie gewohnt durchzuziehen?
Die vielen Live-Parts, die wir in die Lieder einbauen, können wir nicht alle beibehalten, müssen das ein bisschen anders arrangieren. Aber die obligatorische Frage „Wo sind die Pälzer?“, die funktioniert ja vielleicht auch beim Streaming mit Antwort in den Kommentaren. Wir sind auf die Reaktionen gespannt. Schwierig ist es zwischen den Songs. Da kannst du dich sonst auch mal vom Applaus tragen lassen. Da ist ja jetzt Totenstille.
Das heißt: Ihr müsst mehr quatschen zwischendurch?
Der Plan ist, die Pausen superkurz zu halten, gleich loszulegen und Ansagen schon über die Musik zu machen – damit etwas im Raum ist. Auch wichtig: Wir Sänger, Chris und ich, müssen viel direkt in die Kamera spielen. Das muss ein bisschen das Publikum ersetzen. Ansonsten gilt die oberste Regel: keine Corona-Witze. Wir gehen das Projekt zwar mit Humor und Spaß an, sehen aber ganz klar den Ernst der Lage. Das ist ein potenziell tödliches Virus – da kann man keine Texte umdichten oder so.
Völlig ungewohnt kann die Situation für Euch trotzdem nicht sein. Den einen oder anderen TV-Auftritt gab es ja in den vergangenen 25 Jahren schon ...
Das ist richtig. Aber diese Fernsehgeschichten sind nicht mit dieser Versuchsanordnung vergleichbar. Selbst im kleinen Studio beim Rhein-Neckar-Fernsehen sitzt ja dann noch ein – zumindest kleines – Publikum. Jetzt werden das die Techniker sein und fertig. Da klingt unser Schlachtruf „Schorle“ dann doch ein bisschen dünner, nehme ich an.
Und die Kletterpartie aufs Dach des Café Mirou fällt ja wohl auch aus.
Nein, das wird leider nix dieses Jahr. Aber das Gute an dieser ganzen Situation ist: Zum ersten Mal seit Jahren spielen Grabowsky und High Voltage nicht gleichzeitig auf dem Strohhutfest. Das finde ich prima.
Hast Du die Hoffnung, dass Grabowsky dieses Jahr noch einmal live vor Publikum spielen kann?
Die Hoffnung habe ich schon. Realistisch betrachtet, wird das sehr schwer. Live-Konzerte vor Publikum – das dürfte wohl bei den letzten Dingen sein, die wieder erlaubt werden, weil es da am schwierigsten ist, irgendwelche Abstands- oder Hygieneregeln einzuhalten.
Interview: Jörg Schmihing
Programm: Strohhutfest@home
- Donnerstag: 14 Uhr, Eröffnung; 14.15 Uhr, Neufassung Strohhutfestfilm; 17 Uhr, Trudy van Fredward; 18 Uhr, Filmbeiträge des SWR aus vergangenen Jahren; 18.50 Uhr, Präsentation Sponsoren und Grußbotschaft der Missen; 19 Uhr, Anonyme Giddarischde.
- Freitag: 17 Uhr, Gitarrenkombo Vogelfrei; 18 Uhr, Filmbeiträge des SWR; 18.50 Uhr: Sponsoren und Grußbotschaft der Missen; 19 Uhr, High Voltage; 20 Uhr, Grabowsky.
- Samstag: 17 Uhr, Dingsda-Band; 17.30 Uhr, Filmbeiträge des SWR; 18.50 Uhr: Sponsoren und Grußbotschaft der Missen; 19 Uhr, The Tuxedo Club Band.
- Sonntag: 15.30 Uhr; Horsch mol hi; 16:30 Uhr, Filmbeiträge des SWR; 16.50 Uhr, Sponsoren und Grußbotschaft der Missen; 17 Uhr, Mundorgel reloaded.