Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Eintracht-Museumschef über Forschung zu Adolf Metzner

An der Commerzbank-Arena (heute: Deutsche Bank Park) gibt es seit 2015 einen Sportlehrpfad mit dem Titel Stadiongeschichten: Ein
An der Commerzbank-Arena (heute: Deutsche Bank Park) gibt es seit 2015 einen Sportlehrpfad mit dem Titel Stadiongeschichten: Eintracht-Museumsleiter Matthias Thoma bei der Einweihung.

Der Frankenthaler Adolf Metzner hat während des Nationalsozialismus mit anderen die Geschicke des Traditionsklubs Eintracht Frankfurt gelenkt. Seine Rolle und die anderer Funktionäre während des Dritten Reichs ist ein wichtiges Thema für Matthias Thoma, Chef des Vereinsmuseums. Am Samstag kommt er deshalb in die Pfalz.

Sie stehen als Geschäftsführer des Eintracht-Museums für eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Historie des Vereins – vor allem mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus. Erklären Sie mir den Hintergrund für dieses Engagement.
Uns geht es da nicht um die historische Dimension allein. Das Ganze hat eine ganz starke erinnerungspolitische Komponente. Es geht um die Frage: Wie gehen wir mit den handelnden Personen aus dieser Zeit um? Das ist im Übrigen eine Frage, die auch die Eintracht-Fans umtreibt und beschäftigt. Deswegen haben wir beispielsweise Initiativen wie das Verlegen von Stolpersteinen unterstützt und uns intensiv um das Dokumentieren und Besuchen von Orten gekümmert, die für die Ausgrenzung und Gewalt der Nationalsozialisten stehen. Beispielsweise hat es auch eine Fahrt in das Konzentrationslager Theresienstadt gegeben – auf den Spuren von Helmut „Sonny“ Sonneberg, der am Samstag in Frankenthal mit dabei sein wird. Das war in Teilen auch ein schmerzhafter Prozess.

Inwiefern schmerzhaft ...
Weil es eine Auseinandersetzung mit denjenigen Figuren gegeben hat, die wie beispielsweise Rudolf Gramlich noch über das Dritte Reich hinaus großen Respekt und Wertschätzung genossen hatten – auch posthum. Gramlich hatte von 1938 bis 1942 als Vereinsvorsitzender bei Eintracht Frankfurt eine Art Doppelspitze mit Adolf Metzner gebildet. Er war so ein Macher, der von 1955 bis 1970 wieder Vorsitzender und Präsident war. In diese Zeit fallen die Deutsche Meisterschaft 1959 und die Finalteilnahme beim Europacup der Landesmeister ein Jahr später. Irgendwann hat man sich dann stärker mit Männern wie ihm beschäftigt, die mehr oder weniger unbeschadet weiterhin aktiv waren. Wegen seiner Nazivergangenheit – er war wie Metzner Mitglied der SS – ist ihm schließlich die Ehrenpräsidentschaft aberkannt worden. Das war im Januar 2020.

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Die Statue Adolf Metzners in der nach ihm benannten Parkanlage in seiner Heimatstadt.
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Programm in Frankenthal

Welchen Zweck hat Ihr Besuch am Wochenende in Frankenthal?
Wir möchten uns den Mitverantwortlichen widmen. Zu diesem Kreis zählt Adolf Metzner. Zu diesem Schluss kommt auch die von Autor Max Aigner für das Fritz-Bauer-Institut verfasste Studie „Vereinsführer – Vier Funktionäre von Eintracht Frankfurt im Nationalsozialismus“. In Frankenthal geht es uns um Informationen dazu, wie diese Stadt mit Metzner umgeht, der nach unserem Eindruck lange als Gönner und großes Vorbild betrachtet wurde, der mit seiner Stiftung Geld in die Stadt gebracht hat. Es geht uns darum, die Orte in Frankenthal zu sehen, die für die Diskussion um seine Person wichtig sind.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihre Initiativen von Mitgliedern und Fans der Eintracht bekommen? Gab es Stimmen die gefordert haben, die Vergangenheit ruhen zu lassen.
Ich hatte es mir – ehrlich gesagt – schlimmer vorgestellt. Das Interesse daran war und ist aber riesengroß. Und das nutzen wir, indem wir für unsere Projekte immer wieder die Kontakte der Fanbetreuung in die Fanszene nutzen. Entscheidend ist, dass die Angebote in diesem Zusammenhang niedrigschwellig sind. Wir haben natürlich aber schon festgestellt, dass das Opfergedenken, etwa in Form der Stolpersteine für ermordete und verfolgte Vereinsmitglieder oder durch das Buch „Wir waren die Juddebube“, leichter ist als das Tätergedenken.

Sie sprechen mit ihren Aktionen auch immer wieder die Verbindung zwischen Sport und Politik an – ein großes Thema derzeit wieder bei der Fußball-Europameisterschaft. Lässt sich denn das eine überhaupt vom anderen trennen?
Für meine Begriffe ist das ein Mythos, dass sich Politik und Sport voneinander trennen lassen. Der Sport und seine Institutionen sind immer auch politisch. Interview: Jörg Schmihing

Zur Person

Matthias Thoma (48) ist Geschäftsführer des in Haupttribüne des Frankfurter Waldstadions (heute: Deutsche Bank Park) untergebrachten Eintracht-Museums und gilt als „lebendiges Geschichtsbuch“ des hessischen Traditionsklubs. Das Museum leitet er seit 2007. Thoma ist unter anderem Autor des Buchs „Wir waren die Juddebuben“.

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