Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Ausbildung von Schulhunden kostet eine Menge Geld

Carlo hat einige Tricks drauf und reagiert auf englische Kommandos: Lehrer Bernd Sold mit seinem als Schulhund ausgebildeten Zwe
Carlo hat einige Tricks drauf und reagiert auf englische Kommandos: Lehrer Bernd Sold mit seinem als Schulhund ausgebildeten Zwergpudel.

In zwölf seiner 27 Wochenstunden an der Integrierten Gesamtschule Robert Schuman (IGS) unterrichtet Lehrer Bernd Sold zusammen mit seinem Vierbeiner. Was das den Schülern bringt und warum er für steuerliche Entlastung von Schulhunden plädiert, erklärt er im Gespräch mit Klaudia Toussaint.

Herr Sold, stellen Sie unseren Lesern Ihren Begleiter doch kurz einmal vor?
Das ist Carlo. Vier Jahre alt, Zwergpudel und Schulhund seit zweieinhalb Jahren an der IGS Frankenthal.

Laut Arbeitskreis Schulhund RLP gibt es in Rheinland-Pfalz knapp 350 Schulhunde. Bundesweite Zahlen gibt es nicht. Ich habe von Schätzungen gelesen, es sollen etwa 3000 sein. Werden Halter dieser Hunde in unserer Stadt bisher finanziell unterstützt?
Leider nein. Das habe ich in der Einwohnerfragestunde des Stadtrats vor kurzem kritisiert. Frankenthaler, die einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufnehmen, sollen eine steuerliche Erleichterung bekommen – dies wird von der Stadtverwaltung gerade geprüft. Dasselbe sollte meiner Meinung nach auch für Hundeteams gelten, die in der Schule arbeiten.

Welche Kosten entstehen denn?
In die achtmonatige Ausbildung von Carlo habe ich 2000 Euro investiert. Mit 600 Euro hat mich der Förderverein meiner Schule freundlicherweise unterstützt. Dazu kommen die üblichen Kosten von etwa 1500 Euro im Jahr für den Halter: Hundesteuer, Versicherung, Tierarzt, Futter. Und der Zeitfaktor: Einen Hund auf die Arbeit mit Schülern vorzubereiten und ihn regelmäßig zu trainieren, ist ein hoher Zeitaufwand.

… den Sie laut der Homepage Ihrer Schule erfolgreich betreiben. Was kann ein Schulhund zum Schulalltag beitragen?
Manche Leute denken, dass wir unsere Hunde einfach so in die Schulen mitnehmen, weil wir sie nicht daheim parken wollen. Viele wissenschaftliche Studien belegen aber, dass die Anwesenheit eines Hundes in einer Schulklasse die Lernatmosphäre verbessert, den Geräuschpegel senkt und die Aufmerksamkeit steigert. Er fördert die soziale Integration, mindert aggressives Verhalten und sorgt dafür, dass die Schüler gern zur Schule gehen.

Und was läuft an der IGS besser, seit es Carlo gibt?
Auf einen Hund muss man Rücksicht nehmen. Ich beobachte, dass die Empathiefähigkeit der Schüler gewachsen ist. Ich unterrichte eine Angstschülerin, die durch meinen Pädagogen auf vier Pfoten besser mit dem Schulalltag klarkommt. Bei schwierigen Gesprächen wirkt seine Anwesenheit deeskalierend. Und die Jugendlichen lassen spürbar weniger Müll liegen. Sie wissen, dass Hunde gern fressen, was herumliegt. Übrigens ist Carlo bereits der zweite Schulhund an der IGS.

Sie unterrichten sechs Fächer, darunter Englisch. Kann Carlo denn auch beim Erlernen von Fremdsprachen behilflich sein?
Tatsächlich ja. Er beherrscht einige englische Befehle. Pfötchen geben zum Beispiel. Das Kommando lautet „Nice to meet you“. Im Englischunterricht möchte ich ihn demnächst beim Lesetraining einsetzen. Wenn ein Hund dem Schüler vorurteilsfrei zuhört, kann dieser in einer Fremdsprache viel sicherer reden. Das gilt übrigens auch für die Muttersprache. Und Carlo kann viele Tricks, die ich pädagogisch einsetze.

Nennen Sie ein Beispiel.
Carlo kann eine Klingel bedienen. Oder verschiedene Knöpfe drücken, die mit Anweisungen für die Schüler gekoppelt sind. Etwa mit der Aufforderung „Bitte leiser“. Das ist viel wirksamer, als wenn es ein Lehrer sagt.

Gibt es Kommunen in Rheinland-Pfalz, die Halter von Schulbegleithunden steuerlich entlasten?
In unserem Bundesland weiß ich nur von Trier. Auf Antrag werden dort Schulhunde von der Hundesteuer befreit. Für Frankenthal würde ich mir das auch wünschen. Es heißt ja immer, wir seien eine Schulstadt. Die Stadtverwaltung sollte da als Schulträger mit positivem Beispiel vorangehen. Wobei eine solche Entlastung in meinen Augen am sinnvollsten ist, wenn sie flächendeckend ist.

Warum?
Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Meine Frau unterrichtet an der IGS Worms. Auch mit Schulhund – dem Sheltie Mojo. Wenn sie keine Hundesteuer zahlt, gilt das für die Stadt, in der Mojo angemeldet ist, also Frankenthal. Unsere Kommune würde dann den Schulbetrieb einer anderen Stadt unterstützen. Dass die Hundebesitzer nicht immer auch am Dienstort wohnen, kommt ja häufiger vor.

Zur Person

Bernd Sold lebt mit seiner Familie und drei Hunden in Eppstein. Der 47-Jährige ist seit zwölf Jahren Lehrer an der IGS Robert Schuman und unterrichtet dort die Fächer Englisch, evangelische Religion, Gesellschaftslehre, Kunst, Musik und Projektentwicklung. In seiner Freizeit engagiert er sich in den protestantischen Kirchengemeinden Eppstein und Flomersheim als Presbyter und singt unter anderem in der Big Band der Musikschule.

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