Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Andrea Kühn über das neue Stück des Theaterkreises

Molières „Der Geizige“ hat Andrea Kühn ihrer Truppe vor zwei Jahren auf den Leib geschrieben. Unser Foto zeigt eine Szene mit Ha
Molières »Der Geizige« hat Andrea Kühn ihrer Truppe vor zwei Jahren auf den Leib geschrieben. Unser Foto zeigt eine Szene mit Harpagon (Markus Fischer, links) und Diener Cleanthes (Thorben Frey).

Die Corona-Regeln haben dafür gesorgt dass Andrea Kühn, die Regisseurin des Theaterkreises in Bobenheim-Roxheim, zur Wiederholungstäterin geworden ist. Die 57-Jährige hat eine Kriminalkomödie geschrieben. Am Freitag, 27. August, hat „Mord auf Fernbrook Manor“ Premiere. Der Karten-Vorverkauf hat bereits begonnen.

Frau Kühn, warum haben Sie selbst ein Stück geschrieben?
Corona war die Triebfeder. Es ist schwierig, mit fertigen Theaterstücken zu arbeiten, bei denen viele Personen gleichzeitig auf der Bühne sind. Es ist ja so, dass möglichst viele unserer Akteure mitmachen können sollen, auch in der Pandemie. Ich hatte mir deshalb zunächst überlegt, Einzelszenen als kleine Solostücke anzubieten, doch damit konnte sich keiner so richtig anfreunden. Aber auch Proben für ein Sommerstück hätten sich im Lockdown noch sehr schwierig gestaltet. Also habe ich mich im vergangenen Herbst hingesetzt und selbst geschrieben. In meinem Stück sind immer nur wenige Personen auf der Bühne, es ist übersichtlich. Ich weiß, wer kommt, wer abgeht. Ein Zusammentreffen von vielen Personen wird so möglichst vermieden. Das bedeutet, ich kann mit einer wesentlich kleineren Mannschaft an getrennten Tagen proben.

Von Herbst bis jetzt ein Stück zu schreiben, das ist flott.
Vor rund zehn Jahren habe ich schon einmal ein Stück geschrieben, und die letzten beiden Stücke für die Freilichtbühne habe ich zumindest abgeändert. Vor zwei Jahren habe ich unserer Truppe eine modernisierte Fassung von Molières „Der Geizige“ auf den Leib geschrieben, auch „Pension Schöller“ wurde für unsere Bühne angepasst. Mein eigenes Stück – eine Verwechslungskomödie – spielte auf einem Campingplatz. Damals hatte ich noch einen Co-Autor, heute traue ich mir das alleine zu.

Ist das Talent, Wissen oder Erfahrung?
Es ist mein Hobby, und das macht mir unheimlich viel Spaß. Ich habe 2000 als Schauspielerin angefangen. Mein Interesse war groß, weiter einzusteigen. Seit einigen Jahren führe ich Regie beim Theaterkreis. Als ich entdeckt habe, dass man neben dem Beruf Theaterpädagogik studieren kann, habe ich mich angemeldet. Ich habe zunächst einen Kurs über ein Jahr gemacht, dann den zweiten Kurs angehängt. Darin ging es verstärkt darum, Regie zu führen, aber auch darum, Stücke zu konzipieren und mit Musik zu arbeiten. Das ging über zwei Jahre. Es war ein tolles Projekt mit tollen Leuten, die viel Ahnung von der Materie hatten. Das hat mir viel gebracht.

Um was geht es in Ihrem neuen Stück?
Es ist eine Kriminalkomödie. Ein Detektivpaar kommt in ein Hotel, weil die Straßen überflutet sind und sie nicht weiterfahren können. Ein Hotelgast bittet sie um Personenschutz. Das lehnen die beiden ab, da er sich unmöglich benimmt. Dann wird er tatsächlich ermordet. Nun bittet sie der Hotelbesitzer um Hilfe bei der Aufklärung, denn auch die Polizei kommt nicht durch nach Fernbrook Manor.

Überflutete Straße, das ist ja mittlerweile bitterer Ernst.
Das war nicht so beabsichtigt. Ich wollte ganz sicher nicht mit dem Leid anderer Spaß treiben.

Das Foto auf dem Flyer sieht echt gruselig aus.
Aber das Stück spielt auf unserer grünen Freilichtbühne. Da ist es alles andere als gruselig. Und natürlich gibt es komödiantische Szenen, denn das Publikum soll endlich wieder lachen können. Und es gibt viel Musik aus den 1960er-Jahren.

Warum hat das Sommerstück erst Ende August Premiere?
Das war Absicht. Zum einen waren Proben erst ab Mai möglich, anfangs auch nur mit Personen aus zwei Haushalten. Im Moment dürfen alle proben. Zum anderen hoffen wir, dass es ab Ende August früher dunkel wird, sodass wir ab 20.30 Uhr mit Lichteffekten arbeiten können. Und drittens hieß es anfangs von offizieller Seite, dass nur professionelle Bühnen Aufführungen zeigen dürfen. Wir hätten also nur proben können. Wir haben uns dann über den Verband der Freilichtbühnen dafür eingesetzt, dass dieser Passus gestrichen wird. Das ist vor sechs Wochen endlich geschehen.

Was bedeutet ein Besuch der Freilichtbühne für das Publikum unter Corona-Regeln?
Natürlich werden die zur Aufführung geltenden Regeln beachtet. Wir werden in diesem Jahr weniger Sitzplätze anbieten. Normalerweise ist von 300 möglichen Plätzen die Hälfte besetzt, wir werden allerdings nur 90 Zuschauer pro Aufführung zulassen. Selbstverständlich stehen Desinfektionsmittel bereit. Auch das Angebot im Ausschank wird reduziert sein.

Gibt es Neuzugänge bei den Akteuren?
Nein, es ist die bewährte Truppe. Allerdings sind jetzt auch Leute, die sonst im Saal spielen, auf der Freilichtbühne dabei. Wir sind ein gut eingespieltes Team. Und wir freuen uns sehr, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können.

Termine

„Mord auf Fernbrook Manor“ ist auf der Sommerbühne Im Busch des Theaterkreises Bobenheim-Roxheim an den Freitagen, 27. August, 3. und 10. September, und an den Samstagen, 28. August, 4. und 11. September, jeweils um 20 Uhr zu sehen. Sonntagsaufführungen um 19 Uhr sind am 5. und 12. September geplant. Tickets zu 13 Euro (ermäßigt elf Euro) gibt es im Online-Verkauf unter www.theaterkreis1975.de.

Das neue Stück des Theaterkreises stammt aus der Feder von Regisseurin Andrea Kühn.
Das neue Stück des Theaterkreises stammt aus der Feder von Regisseurin Andrea Kühn.
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