Frankenthal
Infotag E-Mobilität in Frankenthal: Mit 25 Sachen um den Strandbadweiher
Radelnd durch das Strandbad bewegen dürfen sich normalerweise nur die Gärtner und Bademeister. Am Sonntag erlaubten die Stadtwerke dies auch den Besuchern des Infotags Elektromobilität. Rege genutzt wurde das Angebot, den Spazierweg rund um den Weiher mit den E-Bikes von Fahrrad-Gruber auszuprobieren.
Ein Paar aus Beindersheim kommt zum Ausstellungsstand des Frankenthaler Fahrradhändlers, der hinter dem Schwimmmeisterraum 20 E-Bikes zum Testen geparkt hat. Die Beindersheimer liebäugeln schon länger mit dem Kauf von Elektrofahrrädern, schon allein wegen der Arbeitswege - nach Mannheim und zu KSB.
„Super“ lautet das Urteil nach der Probefahrt
Neugierig schwingen sie sich auf die Bikes und sind schon wenige Minuten später von ihrer Jungfernfahrt um den Weiher mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern wieder zurück. „Super“, lautet das einhellige Urteil der beiden 58-Jährigen. Mit der automatischen Tretunterstützung seien auch die kleinen Anhöhen trotz des windigen Wetters leicht zu bewältigen gewesen. Das Paar bedauert, dass man in Frankenthal noch nicht so weit sei wie die Holländer, die die Infrastruktur optimal auf die Bedürfnisse der Radfahrer zugeschnitten hätten – etwa mit grüner Welle auf Fahrradautobahnen.
Ein 60 Jahre alter Frankenthaler nutzt den auf dem Strandbadgelände befindlichen Teil des Monte Scherbelino für eine Testfahrt. Als „genial“ empfindet er es, wie ihn das Rad die rund 100 Höhenmeter hinaufgetragen hat. In seiner Freizeit ist der Angestellte der BASF auf dem Mountainbike bis zu 3000 Höhenmeter unterwegs. Für den Arbeitsweg könne er sich nicht vorstellen, vom Auto aufs E-Bike umzusteigen, sagt er. Doch für seine künftigen Hochgebirgstouren sei ein Mountainbike mit Elektromotor ideal.
„Das Interesse ist gigantisch“
Geschäftsinhaber Mike Gruber ist mit der Resonanz hochzufrieden: „Das Interesse war gigantisch, fast alle Besucher haben sich für E-Bikes interessiert und sie ausprobiert.“ Vor zwölf Jahren hat er die ersten E-Bikes verkauft, „damals galten sie als Fahrhilfe für gebrechliche Leute“. Das habe sich innerhalb weniger Jahre schlagartig gewandelt. „Heute sind E-Bikes besonders für Pendler interessant, wegen ihres großen Aktionsradius.“
Gruber selber wohnt in Heßheim. Nur zweimal sei er in diesem Jahr mit dem Auto in sein Geschäft in der Speyerer Straße gefahren, ansonsten mit dem Elektrofahrrad, „das geht einfach schneller.“ Im Vorjahr hat Gruber noch doppelt so viele klassische Räder verkauft wie E-Bikes, derzeit sei das Verhältnis schon eins zu eins.
Der zweite Schwerpunkt des vierstündigen Infotags sind Elektroautos. Um auf Elektromobilität im Zusammenhang mit der anlaufenden Verkehrswende aufmerksam zu machen, haben die Stadtwerke Frankenthal drei Autohändler eingeladen, ihre Elektroautos auszustellen und präsentieren ihre eigene Elektro-Flotte – acht von insgesamt bislang zwölf Modellen aus ihrem Fuhrpark.
Kostenlose Stromtankstellen
„In Frankenthal betreiben wir derzeit vier kostenlose Stromtankstellen, so genannte Wall-Boxen – in der Tiefgarage Willy-Brandt-Anlage und im Parkhaus am Bahnhof“, informiert Matthias Schatten, Projektleiter für Elektromobilität bei den Stadtwerken. Geplant seien vier weitere öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet.
Im Kassenhäuschen kann man sich für eine Probefahrt mit einem Elektroauto der Stadtwerke anmelden. Rund 30 Besucher machen davon Gebrauch. Ruth Schambach und ihr Sohn Gregor aus Eppstein fahren seit Februar mit E-Rollern und wollen nun wissen, wie es sich mit einem E-Auto fährt. Nachdem die Mutter ihren Führerschein vorgelegt hat, darf sie sich ans Steuer eines BMW i3 setzen.
„Die Handbremse löst sich von allein“, erklärt Juliane Kneisler von den Stadtwerken, und los geht’s zu einer Testfahrt bis zur Benderstraße und zurück über den Meergartenweg. Ruth Schambach lobt das angenehm leise Fahrgefühl und die zügige Beschleunigung. Doch die Reichweite des Akkus mit 160 Kilometern ist ihr zu wenig. „Erst wenn die E-Autos 600 Kilometer mit einer Akkuladung schaffen, ist für mich so eine Investition interessant.“
Während sich die Erwachsenen an den Infoständen über die Vorzüge der Elektromobilität beraten lassen, ist auf der Kinderwiese an der Piratenbucht Muskelkraft gefragt. Strandbad-Maskottchen Kapitän Leo animiert die kleinen Gäste bei Wurf- und Geschicklichkeitsspielen, und die Kinder zeichnen fantasievolle Bilder von Elektroautos, die sie mal fahren möchten, wenn sie groß sind.