Frankenthal
Impfen für Cafébesuch: Hausärztin berichtet über schwierige Debatten
Frau Zinser, kann ich jetzt einfach zur Covid-19-Impfung vorbeikommen, wenn ich bei Ihnen Patientin bin?
Nein. Das denken viele. Aber auch wir Hausärzte müssen uns an die Priorisierung der Ständigen Impfkommission halten. Die Diskussionen, die wir darüber zurzeit hauptsächlich mit den 40- bis 60-jährigen Patienten führen müssen, sind extrem belastend für das ganze Team. Obwohl diese Altersgruppe noch lange nicht an der Reihe ist, denken viele, auch aufgrund zahlreicher Presseberichte, sie könnten sich jetzt direkt impfen lassen, damit sie in Urlaub fahren oder ohne Einschränkungen einen Kaffee trinken gehen können. Das wird noch schlimmer werden, wenn Geimpfte tatsächlich wie geplant gewisse Privilegien bekommen.
Zurzeit ist Impfstoff in Deutschland noch rar. Wie klappt bei Ihnen die Beschaffung?
Das ist ein sehr großer logistischer Aufwand, gerade für kleine Hausarztpraxen. Ich muss den Impfstoff in der Vorwoche bis Montag, 12 Uhr, bei meiner Apotheke bestellen. An diesem Tag muss ich schon verbindlich wissen, wie viele Patienten ich eine Woche später einbestellen kann. Allerdings weiß ich dabei nicht, welchen Impfstoff ich tatsächlich bekomme.
Macht es denn einen Unterschied, ob Sie am Ende Biontech, Moderna oder Astrazeneca für Ihre Patienten haben?
Das können Sie sich ja denken: Jeder will Biontech. Patienten haben mir schon angekündigt: Wenn es für mich nur Astra gibt, gehe ich einfach wieder. Wir müssen dann innerhalb von vier, fünf Stunden eine Ersatzperson finden. Ansonsten muss ich den – immer noch knappen – Impfstoff verwerfen. Hausarzt-Patienten sollte klar sein, dass sie bei der Art des Impfstoffs keine Wahl haben. Das ist übrigens auch im Impfzentrum so.
Also war es gar keine gute Idee, die Hausärzte jetzt schon in die Covid-19-Schutzimpfung einzubinden?
Jein. Gerade älteren Menschen, die in die Priorisierungsgruppen eins und zwei fallen, ist der Aufwand, ins Impfzentrum zu gehen, oft zu hoch. Einige kommen lieber in ihre Hausarztpraxis, wo man sie kennt – und es ist ihnen egal, welches Vakzin sie bekommen. Sie sind einfach nur froh, durch die Impfung vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt zu sein.
Wie können Sie das Impfen in Ihren Praxisalltag einbauen?
Ein Großteil der Patienten in einer Hausarztpraxis kommt mit akuten Beschwerden, also ohne Termin. Das Impfen müssen wir, wie die Schnelltests auch, außerhalb der Sprechzeiten einplanen. Für die Covid-Impfung brauche ich einen Raum, in dem die sechs Personen, die ich aus einer Ampulle versorgen kann, mit ausreichend Abstand sitzen können. Damit ist mein Wartezimmer für eine halbe bis dreiviertel Stunde blockiert. Soll ich dann Akutpatienten einfach wegschicken? Wäre die Covid-Impfung so unkompliziert wie eine Grippeschutzimpfung, hätte ich diese Probleme nicht. Dann könnte ich deutlich mehr als sechs Menschen in der Stunde mit Impfstoff versorgen.
Was macht die Covid-Impfung denn so kompliziert?
Das Impfen selbst dauert nur ein paar Sekunden. Aber der bürokratische Aufwand ist eine echte Herausforderung, angefangen von den Aufklärungsunterlagen, die wir dem Patienten vorab zum Abholen ausdrucken, bis zur Onlineregistrierung der verimpften Seren am Abend. Außerdem tragen wir Hausärzte meines Wissens die volle Verantwortung bei Zwischenfällen bei der Impfung und bei Impfkomplikationen, während die Kollegen in den Impfzentren über das Land abgesichert sind.