Frankenthal
Immobilienmarkt mit Fragezeichen
„Niedrige Zinsen, große Nachfrage und knappes Angebot – das waren auch 2019 die wichtigsten Preistreiber im Immobilienmarkt“, zitiert die Postbank Eva Grunwald, Leiterin ihres Immobiliengeschäfts, zu der neuesten Ausgabe der Marktanalyse, die jährlich zusammen mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut erarbeitet wird. In mehr als 90 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte gab es demnach weitere Preissteigerungen. Im Mittel lag das Plus – alle Angaben inflationsbereinigt – bei 9,3 Prozent. Das teuerste Pflaster ist die Stadt München mit Quadratmeterpreisen bei Eigentumswohnungen von durchschnittlich 8079 Euro; das waren 6,2 Prozent mehr als 2018.
In der gesuchten Wohnregion Vorderpfalz fielen die Preiszuwächse zum Teil überdurchschnittlich aus. So lag die Stadt Ludwigshafen 2019 ausweislich der Postbank-Übersicht mit Preisen für Eigentumswohnungen von durchschnittlich 2333 Euro je Quadratmeter (Angaben gerundet auf volle Euro) zwar im Mittelfeld, wenn man die gesamte Vorderpfalz betrachtet. Das entspricht aber einem Preisanstieg von satten 14,4 Prozent gegenüber 2018; prozentual höher fiel er in der Region nirgendwo sonst aus.
Der „Speckgürtel“ legt zu
Die Stadt Frankenthal findet man zwar mit einem Durchschnitts-Quadratmeterpreis von 2137 Euro in der Vorderpfalz-Tabelle ganz unten. Aber auch hier stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich um 7,8 Prozent an. Der Rhein-Pfalz-Kreis liegt mit Kosten von durchschnittlich 2433 Euro pro Quadratmeter noch etwas über den beiden genannten Städten. Auch hier erhöhte sich das Preisniveau gegenüber dem Vorjahr zweistellig: um 14,1 Prozent. Das deckt sich mit einer grundsätzlichen Feststellung der Autoren der Studie: „Vor allem in den Kreisen im Umland der Metropolen – den sogenannten Speckgürteln – steigt das Kaufpreisniveau weiter an“, heißt es darin.
Der Kreis Bad Dürkheim (2280 Euro pro Quadratmeter) liegt im Vergleich mit anderen Vorderpfalz-Kommunen noch im unteren Mittelfeld. Am meisten ausgeben mussten Immobilienkäufer im vergangenen Jahr in Landau (2862 Euro) und in Speyer (2878 Euro pro Quadratmeter). Die gefragteste Stadt in der Nachbarschaft war Mannheim – mit Spitzen-Quadratmeterpreisen von 3130 Euro. Zu den Orten mit dem bundesweit kräftigsten Preisanstieg gehört auch einer aus der Pfalz: Auf Rang drei der Postbank-Übersicht findet man Zweibrücken. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 1517 Euro für Eigentumswohnungen dort steht für eine Preisexplosion um 34,5 Prozent innerhalb eines Jahres.
Das dürfte sich so aber im laufenden Jahr kaum wiederholen. Angesichts der noch nicht überschaubaren Krise, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, habe sich die Stimmung auf dem deutschen Immobilien-Investmentmarkt zuletzt deutlich verschlechtert, heißt es in einer Information der deutschen Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsverbunds Ernst & Young (EY). Von rund 300 Befragten aus allen Bereichen der Immobilienwirtschaft erwarten demnach Ende März nur noch 16 Prozent einen weiteren Preisanstieg bei Wohnungen; drei Monate zuvor waren es noch 55 Prozent gewesen. Mit sinkenden Preisen rechneten bei der jüngsten Umfrage 34 Prozent. Immerhin die Hälfte der Befragten erwartete noch weitgehende Preisstabilität. Aber mehr als 80 Prozent meinen, dass das Neubaugeschäft zurückgehen wird.
Leicht sinkende Preise möglich
Die von der Postbank für 2019 genannten Preissteigerungen liegen etwas über dem, was Jürgen Boxheimer, Niederlassungsleiter von Kuthan Immobilien in Frankenthal, beobachtet hat. „Wenn eine Wohnung komplett renoviert wurde“, dann habe der Anstieg bis zu neun Prozent erreicht, sagt der Fachmann auf RHEINPFALZ-Anfrage. Angesichts der Corona-Krise seien bei Bestandsimmobilien für 2020 nun wohl „leicht sinkende Preise“ zu erwarten, schätzt er. Bei geplanten Neubauten hält es Boxheimer für möglich, dass sich Projekte angesichts der Unsicherheit, wie es wirtschaftlich weitergehe, nun ein bis zwei Jahre verzögern könnten.
Eine Stagnation oder leichte Rückgänge der Immobilienpreise erwartet auch Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (Köln). „Besichtigungen finden kaum statt, und viele Käufer halten sich zurück, weil sie um ihre Jobs bangen oder schrumpfende Einkommen erwarten“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (DPA) den Fachmann. Das Potenzial für Mietsteigerungen sei ebenfalls beschränkt: „Viele Vermieter dürften erst mal froh sein, wenn sie zuverlässige Mieter nicht verlieren“, meint Voigtländer.
Kaltmieten nah am Durchschnitt
Ausweislich der Postbank-Studie bewegten sich die durchschnittlichen Netto-Kaltmieten in der Vorderpfalz 2019 häufig in der Nähe des deutschen Durchschnittswerts von 8,74 Euro pro Quadratmeter. Frankenthal lag mit 7,83 Euro noch darunter. Gleiches gilt für den Rhein-Pfalz-Kreis mit 8,02 Euro. Etwas mehr zahlten Mieter in Ludwigshafen mit durchschnittlich 8,86 Euro pro Quadratmeter.