Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Immer locker bleiben – der Musiker und Moderator Basti Müller im Interview

Eher moderierender Musiker als singender Moderator: Basti Müller in seinem Element.
Eher moderierender Musiker als singender Moderator: Basti Müller in seinem Element.

Der Radio-Mann kommt mit eigenen Liedern zum „Wohnzimmerkonzert“ in die protestantische Kirche.

Singender Moderator? Oder moderierender Sänger? Für Basti Müller ist die Antwort auf diese Fragen klar. Der Radio-Mann hat mittlerweile sein erstes Album veröffentlicht und kommt jetzt mit seinen Liedern nach Lambsheim. Benjamin Fiege sprach mit ihm über seinen jüngsten Anti-Aggressionssong, die Verpflichtung zur guten Laune im Radio und sein schrägstes Interview.

Herr Müller, in Ihrer neuen Single „Zehn“ heißt es: „Ich zähl bis zehn, dann wird’s schon gehen“. Gibt es Momente, in denen Sie auf diese Runterkomm-Methode zurückgreifen?
Der Song ist tatsächlich als Anti-Aggressionslied zu verstehen. In letzter Zeit nehme ich wahr, dass viele Leute immer kurz davor sind, in die Luft zu gehen. Im Netz sowieso, aber generell scheinen derzeit alle so aufgeregt und latent aggressiv. Das Lied war der Versuch, einen lustigen Umgang damit zu finden. Ich denke, es gibt viele Situationen, in denen wir alle gut beraten wären, uns ein bisschen lockerer zu machen. In denen wir besser bis zehn zählen, ehe wir etwas posten, kommentieren oder antworten.

Können Sie sich selbst auch schnell aufregen?
Bei mir ist es im Auto so. Mich nervt es, wenn jemand hinter mir drängelt. Dessen Aggressivität macht dann mich aggressiv. Ich versuche, das dann aber nicht rauszulassen. Da hilft vielleicht das Moderatoren-Dasein. Als Moderator ist man eh gut beraten, cool zu bleiben und sich nicht von der allgemeinen Aufregung vor einer Sendung anstecken zu lassen. Easy und locker zu bleiben. Egal, ob ein Feueralarm ausbricht oder der Experte umkippt.

Wer in der Unterhaltung tätig ist, ist ja oft gezwungen, seine schlechte Laune vor dem Publikum zu verstecken. Kann man das lernen oder ist das eine Gabe?
Ich glaube, dass Leute, die immer grumpy sind, diese Richtung nicht einschlagen. Wenn du ständig schlecht gelaunt bist, wird dir der Job, so schön er auch ist, keinen Spaß machen. Es geht darum, Menschen eine gute Zeit zu bereiten. Ich bin generell eher eine Frohnatur. Mein Privileg ist es, nur gut drauf sein zu müssen. Wenn ich einen Fehler mache, sterben keine Menschen. Ich steh dann nur blöd da.

Wäre aber vielleicht doch eine Marktlücke. Radio von Schlechtgelaunten für Schlechtgelaunte.
Die Grumpy-Show! Wobei: Das erleben wir ja gerade im Internet. Wer schlechte Laune sucht, wird da gut bedient. (lacht)

Sie haben viele Hüte auf: Moderator, Musiker, Sprecher. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil? Der Deutsche steckt schließlich gern in Schubladen und hat dann ein Problem damit, wenn der Schauspieler plötzlich anfängt, auch noch zu singen …
Ich spüre das selbst nicht, aber ich weiß, was Sie meinen. Viele Leute denken: Ah, da ist jetzt der singende Moderator. Tatsächlich mache ich aber Musik, seit ich denken kann. Ich konnte Trompete, Gitarre und Klavier spielen, bevor ich überhaupt wusste, dass man für das Moderieren von Sendungen Geld bekommen kann. Wenn überhaupt, bin ich der moderierende Musiker! So bestreite ich auch meine Konzertabende. Da gibt es Musik, aber auch viele Geschichten und Anekdoten. Es ist einfach mein Wesen: Ich brauche ständig etwas Neues, in dem ich mich ausprobieren kann, sonst wird mir langweilig.

Als Moderator sind Sie derjenige der Fragen stellt, als Musiker der, der sie beantwortet. Wie einfach ist es, zwischen diesen Rollen zu wechseln?
Schwierig! Ich tigere jetzt hier in meinem Räumchen rauf und runter und versuche, möglichst clever zu antworten. (lacht) Ich stelle viel lieber Fragen. Weil ich dann auch mehr neue Dinge erfahre. Alles, was ich Ihnen erzähle, weiß ich ja schon! Ich bin eher der Typ Zuhörer. Auch bei meinen Auftritten versuche ich, etwas von den Leuten oder über die Location zu erfahren.

Was war denn Ihre skurrilste Situation als Interviewer?
Da gab es einiges Kurioses. Ich kann behaupten, mal Sido aus einer Sendung geworfen zu haben. Der wurde auf einmal blöd, dann ging das den Bach runter. Meist haben die Leute was zu verkaufen und wollen, dass ein Gespräch gut läuft. In dem Fall war das nicht so. Ich kann aber sagen: Man sollte nie darauf hören, wenn einem gesagt wird, der oder die aus dem Pop-Zirkus ist schwierig oder super offen, am Ende kann jeder einen guten oder schlechten Tag erwischen. Man muss unbelastet auf die Leute zugehen. Es zählt der Moment.

Seit der Pandemie haben Sie nun mehrere Singles veröffentlicht, 2023 dann auch ein Album. Viele setzen ja heute nur noch auf Singles …
Es war mir irgendwie wichtig. Etwas haptisch in der Hand halten zu können, eine CD, das war ein schönes Gefühl. Das habe ich als Radio-Mann ja sonst nicht. Der Auslöser war damals, in der Pandemie, die Anfrage einer Freundin aus Aschaffenburg, die eine Kinder- und Jugend-Schauspielschule leitet. Dort drehten sie gerade einen Film, zu dem ich einen Titelsong beisteuern sollte. Ich sagte zu, das Resultat hat diese Freundin berührt. Danach flossen die Songs geradezu aus mir heraus, waren auch ganz anders als das, was ich sonst so musikalisch gemacht habe. Als ich dann 13, 14 zusammen hatte, wollte ich auch ein Album haben. Da waren übrigens einige Pfälzer dabei, hier gibt es wahnsinnig gute Musiker.

War Ihnen immer klar, auf Deutsch singen zu wollen? Oder gibt es im Giftschrank auch Experimente auf Englisch?
Die gibt es, und sie erblicken hoffentlich nie das Licht der Welt (lacht). Die habe ich mit 14 oder 15 geschrieben. Ich liebe die deutsche Sprache, beschäftige mich jeden Tag mit ihr. Da ist die Entscheidung klar.

Wie schafft man es, auf Deutsch nicht schlageresk zu klingen, gerade wenn es um große Gefühle geht?
Wenn man nicht zu pathetisch wird, sondern relativ bei sich bleibt, ist es nicht so schwer. Da gibt es einige großartige Künstler, die das beherrschen, auch abseits der großen Fünf. Die deutsche Sprache bietet eigentlich viele Möglichkeiten.

Wer nutzt sie denn besonders gut?
Grönemeyer. Danger Dan. Oder Pohlmann zum Beispiel, der macht großartige Sachen. Ich werde mit Sicherheit in Lambsheim auch einen Song von ihm spielen. Er macht, was er will, pfeift auch ein bisschen auf die Regeln, die eigentlich so im Musikbusiness gelten. Neulich hat er eine Single veröffentlicht, acht Minuten, ohne Refrain. Das läuft dann leider nicht im Radio, ist aber trotzdem toll.

Als Radio-Mann wissen Sie ja genau, was man beachten muss, um im Radio gespielt zu werden. Beeinflusst Sie das im Songwriting?
Ich habe diese Regeln zwar im Hinterkopf, mache aber, worauf ich Bock habe. Mein Ziel ist es auch nicht, mit meiner Musik in die Charts zu kommen. Daher brauche ich das auch nicht zu bedienen. Ich finde es furchtbar, wenn man sieht, welchen Einfluss mittlerweile auch Streamingdienste etwa auf den Aufbau eines Songs haben. Die Lieder werden kürzer, haben keine Intros mehr. Daran orientiere ich mich nicht. Ich möchte Spaß haben und mit meiner Musik Leuten einen guten Abend bereiten.

Wie jetzt in Lambsheim. Angekündigt ist ein Wohnzimmerkonzert. Was muss man sich darunter vorstellen?
Dass es nicht in einem Wohnzimmer, sondern in einer Kirche stattfindet (lacht). Es wird ein Abend, zwei Stunden lang, mit meinen Songs. Es gibt dazu kleine Geschichten, es wird lustig, vielleicht werden auch ein, zwei Cover-Lieder dabei sein. Ob ich alleine bin oder einen Musiker dabei habe, wird sich noch zeigen. Am Ende sollen die Leute sagen: Ich habe die Lieder überhaupt nicht gekannt, aber es war ein schöner Abend.

Zur Person

Sebastian „Basti“ Müller, 1979 in Mensengesäß bei Aschaffenburg geboren, ist ein deutscher Moderator (TV/Radio), Musiker und Sprecher. Seit 2007 arbeitet er für den Radiosender SWR3, im Fernsehen moderierte er etwa von 2019 bis 2024 das „ARD-Buffet“ , als Sprecher ist er unter anderem in Dokus für Arte, 3 Sat oder eben die ARD zu hören. 2023 ist sein Singer-Songwriter-Album „Vom Suchen und Finden“ erschienen. Zu seinen Hobbys zählt Basti Müller, der auch in mehreren Bands aktiv war und ist, Tauchen und Motorrad fahren. Er lebt in Baden-Baden.

Termin

Basti Müller tritt am Freitag, 2. Mai, 20 Uhr, beim sogenannten 1. Karlsberg Wohnzimmerkonzert in der protestantischen Kirche in Lambsheim auf. Karten zu je 15 Euro über veranstaltungen@stiftung-lambsheim.de oder beim Hofladen Leithmann.

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