Vorderpfalz
Imker alarmiert: Asiatische Hornisse breitet sich aus
Im Vorort Studernheim, aber auch im restlichen Stadtgebiet Frankenthals – unter anderem beim Kindergarten St. Ludwig in der Westlichen Ringstraße –, in Lambsheim und in Eppstein habe man Exemplare entdeckt, berichtet Jörn Weiß, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu). Weiß vermutet, dass es mehrere Nester in der Region gibt. Die Hornisse habe einen Flugradius von ein bis zwei Kilometern rund um das Nest. Dafür seien die Meldestellen zu weit auseinanderliegend. „Die Asiatische Hornisse ist bei uns angekommen, die bekommen wir auch nicht mehr weg“, sagt Weiß. Es gehe nun darum, den Bestand möglichst klein zu halten. Bereits 2014 wurden laut Nabu einzelne Exemplare bei Karlsruhe entdeckt. Im vergangenen Jahr seien vermehrt Meldungen aus Worms eingegangen, sagt Weiß, der dort auch mithilfe von Telemetrie ein Nest entdeckt hat. Da wäre es seiner Ansicht nach bereits nötig gewesen, zu handeln, was leider versäumt worden sei.
Unterscheiden lassen sich die Hornissen insbesondere an der Körperfärbung. Während bei der Europäischen mit ihrer v-förmigen Zeichnung am Rücken der Kopf rötlich-schwarz ist, hat die asiatische einen schwarzen Kopf mit oranger Stirn und einen schwarzen Körper. Auch der Hinterleib der Asiatischen ist laut Nabu deutlich dunkler als der der heimischen Hornisse. Die Gefahr für den Menschen ist nicht größer, als die bei der Europäischen Hornisse, ein Stich sei nicht schmerzhafter oder gefährlicher, betont Weiß. Stechen würde auch die Asiatische Hornisse nur dann, wenn sie sich bedroht fühle.
Verlust ganzer Völker befürchtet
Im Gegensatz zur Europäischen Hornisse, die laut Nabu sogar als bedroht gilt, stehen bei der Asiatischen allerdings im großen Stil Bienen auf dem Speiseplan. Was sie für die heimische Biene laut Jörn Weiß besonders gefährlich macht: Die Asiatische Hornisse ist bis in den Januar hinein aktiv. Da sind die heimischen Bienen schon in der Ruhephase, in der Bienentraube. Keine Wächterbiene wehre die Eindringlinge am Bienenstock mehr ab, sagt Weiß, der selbst Hobbyimker ist. Dies könne den Verlust ganzer Völker bedeuten. „Deshalb muss jetzt gehandelt werden“, fordert Weiß.
Anders als bei der Europäischen Hornisse, bei der jeweils am Ende des Jahres nur eine Königin überlebe, können es bei der Asiatischen Hornisse 100 Königinnen pro Volk sein. „Wenn davon nur die Hälfte den Winter überlebt, macht es das Problem für das kommende Jahr deutlich“, sagt Weiß. Die Behörden, insbesondere bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, deren Obere Naturschutzbehörde seiner Ansicht nach für die Genehmigung der Bekämpfung zuständig ist, verschleppe das Problem. In Südeuropa könne man die Schaden durch die eingewanderte Art bereits sehen.
Per Peilsender auf Nestsuche
Deshalb ist der Naturschützer selbst aktiv geworden. Mithilfe eines Senders, der an den Tieren befestigt wird, sollen Nester aufgespürt werden. In einer genehmigten Aktion habe man drei Hornissen in Studernheim entsprechend bestückt. Eine konnte jedoch entwischen – mit dem nicht gerade billigen Sender auf dem Rücken. Eine andere habe sich des Senders entledigt. Doch in der vergangenen Woche sei es gelungen, eines der recht großen, kugelförmigen Nester aufzuspüren – im Baumwipfel einer Pappel im Wohngebiet Melm in Ludwigshafen-Oggersheim. Das Nest habe einen Durchmesser von rund 60 Zentimetern gehabt. Weil die Asiatische Hornisse in Baumwipfeln nistet, sei es nicht gut zu sehen gewesen. 1000 bis 2000 Hornissen können laut Nabu ein Volk bilden.
„Die Asiatische Hornisse ist auf der Unionsliste der Europäischen Union gelistet. Sie befindet sich in der frühen Phase der Invasion, somit hat eine sofortige Beseitigung von deren Vorkommen zu erfolgen“, sagt Nora Schweickert von der Pressestelle der SGD Süd auf Anfrage. Sinn ergebe nur die Entnahme und Abtötung von Nestern beziehungsweise der jeweiligen Königin und der Jungköniginnen. Das Töten einzelner Arbeiterinnen habe hingegen keinen Effekt. Die Asiatische Hornisse sei nicht besonders geschützt, daher bedürfe ihre Entnahme auch keiner artenschutzrechtlichen Genehmigung.
SGD schätz Gefahr gering ein
Schweickert bestätigt, dass sich die Art in den vergangenen Jahren in Rheinland-Pfalz, insbesondere im Bereich zwischen Worms und Ludwigshafen, ausgebreitet hat. Allerdings sieht die SGD Süd die Gefahr für Bienen nicht ganz so groß. „Zwar taucht die Asiatische Hornisse immer wieder an Bienenständen auf und erbeutet dort auch einzelne Bienen, erhebliche Beeinträchtigungen von Völkern, welche auf die Art zurückzuführen sind, konnten bisher aber noch nicht festgestellt werden“, so Schweickert.
Kontakt
Wer Nester der Asiatischen Hornisse entdeckt, kann das, am besten mit Foto und genauen Angaben zum Fundort, per E-Mail an joern.weiss@nabu-ft.de oder per Handy unter 0176 86263537 melden.