Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Im Porträt: Theaterpädagoge Marc Urban

Marc Urban mit seinen Helfern aus Stoff, der Sprachmaus Mato und Demokratie-Affe Demo.
Marc Urban mit seinen Helfern aus Stoff, der Sprachmaus Mato und Demokratie-Affe Demo.

Travestiekunst, Trauerbegleitung, Puppenspiel, Erzähltheater: Der Frankenthaler Marc Urban ist als Theaterpädagoge ein Chamäleon und zieht in ganz Deutschland die Fäden.

Läuft Marc Urban durch die Straßen seiner Heimatstadt, wirkt er unauffällig. Beginnt er zu reden über seine Projekte, wird er wie auf Knopfdruck zum mitreißenden Energiebündel. Bei ihm werden abstrakte Begriffe wie kulturelle Bildung, Demokratiepädagogik, Diversität und Inklusion zu abenteuerlichen Expeditionen. Man könnte ihn auch als Übersetzer bezeichnen, der soziale Kernthemen in Geschichten kleidet, die ans Herz gehen und im Bewusstsein des Publikums ein Umdenken einleiten. Mit seinen 25 Jahren hat der Frankenthaler schon viel auf die Beine gestellt.

Werbeträger im Maskottchen-Kostüm

Der Sohn eines Begräbnisunternehmers und einer Steuerberaterin entdeckte schon früh seine kreative Ader, spielte im Schultheater, im Jugendnationaltheater Mannheim und im Pfalzbau Ludwigshafen. Die ersten Schritte ins Berufsleben waren eher bürgerlicher Natur. Eine Ausbildung zum Justizfachangestellten brach er ab, denn „ich wollte lieber dort arbeiten, wo es menschelt“. Es folgten diverse Jobs, als Verkäufer auf dem Wochenmarkt und in Supermärkten, im Kino und als Werbeträger im Maskottchen-Kostüm. Später machte Urban eine Ausbildung zum Erzieher und qualifizierte sich an der Theaterwerkstatt Heidelberg zum Theaterpädagogen.

Wohnen und arbeiten im Kloster

Drei Jahre verbrachte er in München, wohnte und arbeitete im Kloster Sankt Gabriel – im vom Nonnen geleiteten Kindergarten und in der Trauerbegleitung. Dort entstand die Idee zu seinem ersten Theaterstück, aus dem kürzlich das im Eigenverlag herausgebrachte Kinderbuch „Bojar sucht Farben“ wurde. Die Geschichte über den kleinen grauen Elefanten, die eine Metapher ist für Toleranz und Vielfalt, sollte zur Initialzündung werden: Bojar wurde zum ersten Theaterstück in Bayern, das auf kindgerechte Weise das Thema Diversität vermittelt. Die Münchener Regenbogen-Stiftung nahm das Stück in ihr Förderprogramm auf.

Demokratie- und Sprachprojekte

Es folgte ein Stück über den Affen Demo, in dem Kinder spielerisch lernen, wie Demokratie funktioniert. Für Sprachprojekte zuständig ist eine andere Handpuppe, die Sprachmaus Mato. Ihren Namen verdankt die niedliche Puppe aus der Werkstatt der Augsburger Puppenkiste Urbans beiden Vornamen Mark und Torben. Mato kommt zum Einsatz, wenn das Publikum aus Kindern besteht, deren Muttersprache nicht deutsch ist.

Inzwischen ist Urban zum gefragten Referenten avanciert, der in Kitas, Schulen, Kliniken, Kirchen und sozial-kulturellen Einrichtungen engagiert wird. Um seine Aktivitäten unter einem Dach zu bündeln, gründete er vor zwei Jahren das Theater Urban – ein Ein-Mann-Theater, das nach seiner Aussage bundesweit bis zu 30 freie Mitarbeiter beschäftigt. Über das Internet koordiniert Urban seine Künstler, die an neuen theaterpädagogischen Konzepten feilen und die Geschichte von Bojar aufführen. „Bojar läuft manchmal bis zu vier Mal am Tag irgendwo in Deutschland“, sagt er und berichtet, was ihn aktuell beschäftigt: Eine Serie für den österreichischen Rundfunk über den Alltag von Erziehern sowie ein Audio-Walk für einen Friedhof in München. Bei diesem Hörspaziergang erhalten die Besucher über das Handy Impulse zur Verarbeitung von Trauer. In Arbeit ist ein Stück über den Wert der Menschenwürde.

Kamishibai im Kindergarten

Vor einem Jahr hat der junge Mann seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Frankenthal verlegt und absolviert an einer Mannheimer Berufsschule eine Fortbildung zum Fachwirt für Organisation und Führung im Sozialwesen. Parallel dazu koordiniert er seinen Mitarbeiterstab und ist mit dem Erzähltheater Kamishibai – einem japanischen Papiertheater, bei dem die vergrößerten Seiten von Kinderbüchern in einem Guckkasten gezeigt werden – in allen städtischen Kitas Frankenthals aufgetreten.

„Ich habe eine Sieben-Tage-Woche ohne Freizeit, tippe schon um 6 Uhr morgens die ersten Mails und schlafe meist in Zügen“, sagt der Theaterpädagoge, der sich auch in der queeren Szene engagiert und dabei als Drag-Künstlerin Margott Dickadenz familienfreundliche Travestie-Kunst aufführt. Seinen Frankenthaler Einstand in dieser Rolle hatte er zur Altweiberfasnacht, als er bei dem Karnevalverein Schorleschubser auftrat.

Im Netz

www.theaterurban.de

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