Frankenthal Im Geist von Hans Albers und Freddy Quinn

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„Ein Matrose denkt an die Weihnacht“ klingt es durch das Sängerheim in Bobenheim-Roxheim. Eine stattliche Schar von Sängerinnen und Sängern hat sich unter dem blau- goldenen Wappen der Chorgemeinschaft zur Probe versammelt. Mit von der Partie ist auch eine Combo aus drei Gitarren, zwei Schifferklavieren und einem Bass. Vor allen steht Chorleiter Dieter Bader, ebenfalls ein Akkordeon vor der Brust. „Und jetzt die zweite Stimme“, ruft der Dirigent. Mit seinem Instrument spielt er diese, und die Stimmen folgen ihm.

Die Probe des Shantychores Die Landratten steht ganz im Zeichen der Seemannsweihnacht. In einem Kirchenkonzert am Samstag vor dem dritten Advent, 12. Dezember, soll das Programm aufgeführt werden. „Wir haben noch viel zu tun“, räumt Bader ein. Zwei Samstage habe er als zusätzliche Probetermine schon eingeplant, verrät der Chorleiter. Erst vor einigen Wochen hat der Chor ein Jahreskonzert alleine, ohne Gastchor, bestritten. Das abendfüllende Programm vor 300 Gästen in der Jahnhalle war ein Markstein in der Erfolgsgeschichte der Landratten. Nun steht mit dem Weihnachtskonzert ein weiterer Kraftakt auf der Agenda. Als nächstes Lied legt Bader „Welch ein Jubel, welche Freude“ auf. „Damit das nicht so heruntergeleiert klingt, nach jeder Strophe ein Zwischenspiel der Band“, fordert der Chorleiter. Seine Erfahrungen in dem Genre hat der passionierte Chorleiter, von Hauptberuf Hotelier in Roxheim, als Marinesoldat gemacht. Dort spielte und sang er beim bekannten Marinechor Blaue Jungs. Und auch den Bandleader der Landratten-Combo, Kai Dreyer, prägt ein veritabler musikalischer Background. Der studierte Gitarrist war lange als Studiomusiker und Gitarrist der SAT-1-Showband tätig. Heute leitet er seine eigene Musikschule und bekleidet bei den Landratten die Stelle des stellvertretenden Chorleiters. Dreyer und seine Musiker lassen den Klang der 50er- und 60er-Jahre wieder lebendig werden, den Sound, als Freddy Quinn und Lale Andersen die Hitparaden stürmten. „Meine Liebe waren schon immer Hans Albers und Freddy Quinn“, erklärt Gründungsmitglied Gerdi Schäfer. 2002 hat sie mit acht Gleichgesinnten aus dem Volkschor den Shantychor gegründet. Damals hatte sie im Urlaub ein Shanty-Festival erlebt und den jetzigen Partnerchor der Landratten, Freesenkraft aus Berombur bei Norderdeich kennengelernt. „Nächstes Jahr sind wir auch dabei“, hat sie den Friesen damals versprochen. Die Acht begannen gleich als gemischter Chor. Noch heute sind die Landratten der einzige gemischte Shanty-Chor in Rheinland-Pfalz, sagt Schäfer. „Warum sollten Frauen keine Shantys singen?“, fragt sie. „Bei der Marine gibt es heute doch auch Frauen.“ Bald standen die Landratten auf den großen Bühnen der Szene. Natürlich beim Shantyfestival in Berombur, aber auch bei der Windjammerparade Hanse Sail in Rostock oder dem 25-jährigen Vereinsjubiläum des Chores Luv & Lee in Warnemünde. Nächstes Jahr steht das größte Shanty-Festival in Travemünde auf dem Programm. Heute zählen die Landratten 65 Sängerinnen, Sänger und Musiker, und es kommen stetig neue hinzu. So im letzten Jahr der 51-jährige Frührentner Otto Triebler aus Frankenthal. Auf Empfehlung einer Bekannten schaute er bei einer Chorprobe vorbei. Bisher hatte er nur in einem lockeren Singkreis Erfahrungen gemacht. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen“, erzählt der Tenor. Zwar habe es einige Zeit gedauert, bis die Sicherheit beim Singen kam, sagt er, aber heute möchte er den Chor nicht mehr missen. „Es hat mir viel gebracht“, berichtet er; viel Selbstsicherheit und viel Freude bei den zahlreichen Auftritten. Davon absolvieren die Landratten zwölf bis 15 im Jahr, erklärt der Chorleiter. Auch zwei CDs habe man schon eingespielt. „Im nächsten Jahr werden wir Santiano und auch echte Shanties in Angriff nehmen.“ Bisher habe er sich eher auf volkstümliche Seemannslieder konzentriert. Info —Shantyfreunde sind auf den Proben, freitags, 18 Uhr, im Sängerheim in der Mörscher Straße 2b gerne gesehen. Infos bei Dieter Bader 0157 33674373. — Das Weihnachtskonzert der Landratten ist am Samstag, 12. Dezember, um 16 Uhr in der Evangelischen Kirche in Roxheim.

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