Handball
HSG Eckbachtal: Oberligist wieder im Hallentraining
„Fünf“, ruft Koch bei einer der ersten Einheiten unterm Dach in der Schulsporthalle in Dirmstein. Fabian Quandt scheint im Tunnel. Er denkt nicht lange nach, legt sich auf den Boden und macht fünf Liegestütze. Die Spieler müssen sich wohl daran gewöhnen, dass wieder ein Ball im Spiel ist. Koch hatte gemeint, dass der Block, der im Spielchen Angriff gegen Abwehr zuerst fünf Punkte hat, gewinnt. Erst danach musste der Verlierer für die Liegestütze auf den Boden.
Die Handballer der HSG Eckbachtal sind froh. Seit Kurzem dürfen sie wieder zum Trainieren in die Halle. Endlich ist wieder ein Ball im Spiel. Vorbei die Zeiten des Online-Trainings, in der fast ausschließlich Lauf- und Stabilitätsübungen auf dem Programm standen. Auch wenn das Trainerteam mit besonderen Herausforderungen versucht hat, die Spieler bei Laune zu halten. Aber langsam. Dosiert soll der Schritt in Richtung Normalität vollzogen werden. Denn das letzte Hallentraining ist einige Zeit her.
Das Ende der Trainingsdurststrecke
Wie steigt man nach einer Trainingsdurststrecke wieder ein? Wie sagt man in politischen Kreisen in Zeiten der Pandemie so gerne? Dafür gibt es keine Blaupause. Laut Thorsten Koch gab es Tipps vom Deutschen Handball-Bund (DHB). Aber die Vereine würden sich auch untereinander absprechen. Und da sind die eigenen Ideen, wie der Neustart über die Bühne gehen kann – ohne große verletzungsbedingte Ausfälle. Schulter, Knie und Knöchel seien sensible Bereiche, die langsam wieder an den Handball herangeführt werden müssten, sagt Koch. Die typischen Abstopp- und Seitenbewegungen im Handball auf dem eher stumpfen Hallenboden, das sei anders als beim Training im Freien. Jetzt wird langsam gesteigert in der Hoffnung, dass so Verletzungen verhindert werden können.
Noch fehlt die Erlaubnis für Trainingsspiele. Aber Koch ist wie viele im Team zuversichtlich, dass jetzt nicht noch einmal das Virus zuschlägt. Der Coach findet es gut, dass anders als in der Vorsaison, als die Oberliga in zwei Staffeln gestartet wurde, nun wieder eine Runde mit einer kompletten Liga auf dem Plan stehen soll.
Koch: Jugend fehlt ein Jahr Ausbildung
Rückblickend richtig leid tut Koch die Jugend: „Dem Nachwuchs fehlt ein ganzes Jahr in der Ausbildung.“ Die B-Jugend habe sich für die Oberliga qualifiziert, dann aber nicht spielen dürfen.
Doch er sieht nicht alles negativ. Verletzte Spieler hätten sich richtig auskurieren können. Der Kader sei zusammengeblieben, das sei in vielen Vereinen zu beobachten. Durch die Pandemie sei relativ wenig Bewegung bei den Ab- und Zugängen zu verzeichnen.
Weg in die Zukunft mit der Jugend
Die HSG, das habe der Verein aber schon vor der Pandemie so beschlossen, möchte den Weg in die Zukunft insbesondere mit der eigenen Jugend gehen. Deshalb will Koch immer wieder Spieler aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend ins Training der ersten Herren integrieren. Vergangene Woche waren Clemens Diehl, Torwart bei der A-Jugend, und Silas Rogawski aus der zweiten Mannschaft mit im Training des Oberligateams dabei. „Ziel ist es, in jedem Jahr ein, zwei Spieler hochzuziehen“, sagt Koch.
Torwart Diehl ist ehrgeizig. Er will den Sprung zu den ersten Herren schaffen. Er sei richtig heiß nach der langen Pause und froh, dass endlich weitergeht. Dass er jetzt überdreht, glaubt der junge Wilde nicht. „Wir haben das im Griff“, meint er abgeklärt, Er habe regelmäßig seine Mobilitätsübungen gemacht und sei joggen gewesen, sagt der 18-Jährige.
Der Jüngste ist einer, der sich jedoch Gedanken macht. Was ist, wenn…? Dass die Runde erneut abgebrochen werden könnte, sei schon irgendwie in seinem Kopf, räumt er ein. Doch aktuell genießt er es, die Bälle von den ersten Herren um die Ohren geworfen zu bekommen.
Schloß: Teamsport lebt von Geselligkeit
Jochen Schloß ist mit seinen 31 Jahren einer der erfahreneren Spieler im Team. Als einer der beiden Co-Mannschaftsführer sieht er seine Aufgabe auch darin, den jungen Spielern ihren Start bei den Herren zu erleichtern. Gerade mit Corona sei es schwierig gewesen mit der Bindung ans Team. Ein Teamsport wie der Handball lebe von der Geselligkeit. „Das hat ungemein gefehlt. Es ist ein Glücksgefühl, die Jungs wieder um sich zu haben“, betont Schloß.
Er ist wie die anderen froh, wieder an den Ball zu dürfen. „Wir sind heiß auf die Halle.“ Die Bewegung unterm Dach sei ganz anders als die auf dem Platz unter freiem Himmel. An den stumpfen Boden müsse er sich nun erst wieder gewöhnen. Schloß ist Optimist. Er freut sich über die Perspektive, die sich nun wieder eröffnet und denkt nicht dran, dass das schiefgehen könnte.
Gewöhnen an Spiel und Körperkontakt
Sven Lerzer ist mit 40 ein Senior im Team. Er konnte der Pause sogar etwas abgewinnen. „Sie hat gut getan.“ Doch jetzt sei auch er wieder heiß auf die Halle. „Ich habe nach wie vor Lust auf Handball“, meint Lerzer. Ein wenig merke er im Schulterbereich die neue Belastung. An Spiel und Körperkontakt müsse man sich wieder gewöhnen. „Es wird die längste Vorbereitung in meiner Karriere“, sagt Lerzer. Er glaube jedoch nicht, dass die Motivation nachlasse. Auch er freut sich, dass nach dem aktuellen Stand eine komplette Runde mit allen Mannschaften gespielt wird. Immer das Ziel vor Augen: „Wir wollen die Klasse halten.“