Frankenthal
Howden: Nachwuchsförderung mit sozialem Einsatz
Die Aktiven des Nachwuchskreises (NWK) sitzen im Homeoffice. In den Wohnzimmern wird derzeit am PC die Sammelaktion der Weihnachtspäckchen für bedürftige Familien in Südosteuropa organisiert. „Da viele der rund 650 Mitarbeiter jetzt von zu Hause aus arbeiten, sammeln wir die Geldspenden online ein. Für die Kollegen vor Ort haben wir Spendenboxen aufgestellt“, berichtet Veronique Catharina Mazur, die bei Howden für die kaufmännische und rechtliche Vertragsüberprüfung zuständig ist. Die 32-Jährige zählt zu den „alten Hasen“, sie arbeitet bereits das zweite Jahr im NWK mit. Die Teilnahme am Personalentwicklungsprogramm ist auf 24 Monate begrenzt. In diesem Zeitraum können jeweils zehn angehende Führungskräfte Projekte verwirklichen, die sowohl den Frankenthaler Firmenstandort als auch soziale Aktionen betreffen. „In diesem Jahr steht so viel auf der Agenda, dass der Nachwuchskreis erstmals eine eigene Sonderbeilage in der Mitarbeiterzeitung gefüllt hat. Wir sind ein außergewöhnlich aktiver Jahrgang“, meint David Lorenz selbstbewusst. Der 31-jährige Vertriebsingenieur hat in Berlin Luft- und Raumfahrttechnik mit Schwerpunkt Turbomaschinen studiert.
Der NWK hat unter anderem in diesem Jahr zum ersten Mal Howden beim Stadtradeln, dem BASF Firmencup, einer Schultütenaktion und bei einer Aktion zum Sammeln von Müll vertreten. Innerhalb des Unternehmens arbeitet der Kreis derzeit an drei Projekten. Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ entsteht eine virtuelle Werksbesichtigung – als Ersatz für reale Führungen, die seit der Pandemie nicht mehr möglich sind. Lorenz berichtet, dass die Aufnahmen per Kameradrohne in den Werkhallen gemacht wurden. „Jetzt haben wir zwei Stunden Rohmaterial. Daraus wird ein Kurzfilm von rund zwei Minuten zusammengeschnitten – eine Impulspräsentation, die wir mit Sprache und Texten unterlegen wollen.“ Spätestens im Frühjahr soll der Film fertig sein.
Austausch und Pluspunkte für die Karriere
Im Schnitt investieren die Mitglieder fünf Stunden pro Woche innerhalb ihrer Arbeitszeit in ihre Projekte, informiert der Maschinenbauer Sergej Turudija, der ebenso wie Lorenz seit einem Jahr im Nachwuchskreis aktiv ist. Den Vorteil für sich sieht der 25-Jährige zum einen in zusätzlichen Seminaren mit externen Fachleuten zu Themen wie Kommunikation, Führung und Konfliktmanagement. Zum anderen sucht sich jeder Teilnehmer einen Mentor aus dem Management aus, der ihn während der zwei Jahre begleitet. Turudija hat bei der Wahl ganz nach oben gegriffen und Geschäftsführer Volker Neumann gewählt. „Er eröffnet mir als Maschinenbauer völlig neue Einblicke in unternehmerische Strukturen und Kennzahlen.“ Auch im Privatleben profitiere er von dieser Art des beruflichen Ehrenamts, berichtet Turudija: Die Kollegen haben ihn animiert, im Team der Volleyballer von Howden zu trainieren. Mazur hat sich für eine Mentorin aus der Fertigung entschieden. „Ich habe bewusst eine Person gesucht, die ganz anders ist als ich – viel analytischer – und durch die ich über den Tellerrand hinaus in einen anderen Fachbereich schnuppern kann.“ Neben dem Austausch mit Kollegen und den Pluspunkten für die Karriere schätzt sie den Vorteil der Selbstständigkeit: „Wir können unsere eigenen Projekte entwickeln und werden dabei unterstützt.“
Wegen Corona trifft sich der Nachwuchskreis derzeit nur im Netz. Neben den Onlinesitzungen des gesamten Teams alle zwei Wochen tagen die Projektgruppen einmal in der Woche. Obwohl die Arbeit nun nicht direkt in der Firma geleistet werden kann und sich gegen Jahresende die Überstunden häufen, macht die Zusammenarbeit laut Lorenz „extrem viel Spaß“. Alle wollten etwas verändern und bewegen. „Wir knüpfen mit unserem Engagement Netzwerke, die für die spätere Arbeit wertvoll sind.“ Der Arbeitgeberverband Rheinland-Pfalz hat den NWK im Herbst für die Zukunftsinitiative „Gemacht für Morgen“ nominiert. Als Pressesprecherin von Howden Frankenthal beobachtet Gabriele Litzbarski die Entwicklung des Nachwuchskreises im Laufe der Jahre: „Zu Beginn hatten sich die Mitglieder verstärkt um Projekte gekümmert, die keiner in Angriff nehmen wollte. Jetzt entwickeln sie eigene innovative Initiativen, die dem Unternehmen und seiner Außenwirkung zugute kommen.“
Zur Sache: „Weihnachtstrucker“
Seit 2013 unterstützten Mitarbeiter von Howden Frankenthal die Aktion der Johanniter. Einfache Dinge wie Mehl, Nudeln oder auch Malstifte sollen Kindern in Ländern wie Bulgarien, Rumänien und der Ukraine Weihnachten ein klein wenig schöner machen. Auch in diesem Jahr hat der Nachwuchskreis laut Pressemitteilung wieder 100 Päckchen geschnürt. Die Pandemie und der Umstand, dass viele Kollegen im Homeoffice arbeiten, hätten diese Aufgabe erschwert. Weitere Informationen zu der Aktion „Weihnachtstrucker gibt es auf der Webseite der Johanniter.