Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Hoeneß wird 70: Fußballer der Region verzeihen ihm Fehltritte

Uli Hoeneß feiert seinen 70. Geburtstag.
Uli Hoeneß feiert seinen 70. Geburtstag.

Fußball-Europameister 1972 mit 20 Jahren, Weltmeister, mehrfacher Deutscher Meister, dreimal in Folge Sieger im Europapokal der Landesmeister mit dem FC Bayern München, Weltpokalsieger 1976: Die sportlichen Erfolge von Uli Hoeneß, der am Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, sind groß. Als Funktionär polarisierte er. Wir fragten Fußballer aus der Region nach ihrer Meinung zu dem gebürtigen Ulmer.

Bei allen sportlichen Erfolgen ist Uli Hoeneß vielen vor allem mit dem verschossenen Elfmeter im Finale der Fußball-Europameisterschaft 1976 in Belgrad in Erinnerung geblieben. Die Tschechoslowakei holte den Titel. Mit 29 Jahren beendete Hoeneß seine aktive Zeit aufgrund von Verletzungen und wechselte nahtlos ins Management des FC Bayern München. 2014 wurde er zu einer Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Heute ist Hoeneß Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern.

Toth: Hoeneß war nahbar und hat alles für Verein getan

Als eine Legende sieht Robert Toth, Trainer des B-Klassisten VfR Frankenthal II, Uli Hoeneß. Er kann von einer persönlichen Begegnung berichten. Mit der B-Jugend des SV Waldhof Mannheim spielte Toth einst um die Deutsche Meisterschaft im Olympiastadion in München. Als die Waldhöfer sich die Partie zwischen dem FC Bayern und dem FC Schalke 04 angeschaut hätten, habe Hoeneß plötzlich hinter der Bank gestanden. Mit den Waldhöfern sei Hoeneß nach dem Spiel in deren Hotel gefahren, gemeinsam hätten sie gegessen und er habe mit den Eltern etwas getrunken. „Hoeneß war nahbar und hat alles für seinen Verein gemacht“, sagt Toth anerkennend. Für den FC Bayern München sei Hoeneß eine ganz wichtige Person, auch wenn er Fehler gemacht habe, meint Toth.

Als Meisterwerk von Uli Hoeneß sieht Toth an, dass er Trainer Pep Guardiola an die Isar geholt hat. Seit dieser Zeit hätten die Bayern eine „brutale fußballerische Dominanz“. Für die gesamte Bundesliga sei dieses Engagement eine Riesensache gewesen. Guardiola, inzwischen Trainer bei Manchester City, sei ein Coach gewesen, den in Europa jeder gewollt habe. Dass er nach München gegangen sei, habe dem FC Bayern in Europa viel Akzeptanz gebracht.

Robert Toth hat sich nach eigenem Bekunden kürzlich die Endspiele des damaligen Europapokals der Landesmeister mit Bayern-Beteiligung in den 1970er-Jahren angeschaut. Da sei Hoeneß ein überragender Offensivspieler gewesen, ein Führungsspieler. Hoeneß habe sicher „eine große Fresse“ gehabt und ab und an eine dafür draufbekommen, meint Toth. „Dass der FC Bayern viele der ehemaligen fußballerischen Größen im Verein eingebunden hat, findet Toth stark. Dass Hoeneß nach wie vor im Hintergrund tätig ist, davon geht er aus.

Persohn: Sein Verein ist konstant die Nummer eins

Sportlich hat Andreas Persohn, Trainer des B-Klassisten TuS Dirmstein, keinen Bezugspunkt zu Uli Hoeneß. Für ihn ist der nun 70-Jährige der große Macher beim FC Bayern München. Auch Persohn sagt: Der FC Bayern würde ohne Hoeneß nicht dort stehen, wo er jetzt steht. Der Verein sei konstant die Nummer eins in Deutschland, könne immer um den Sieg in der Champions League mitspielen. Der Club sei schuldenfrei. Seinem Vergehen, der Steuerhinterziehung, habe er sich gestellt. Für Persohn verkörpert Hoeneß einen „fairen Sportsmann“.

Graf: Bayern wäre heute nicht einmal in der Ersten Liga

Tim Graf, Trainer des B-Klassisten Schwarz-Weiss Frankenthal, meint: „Uli Hoeneß ist der FC Bayern München.“ Dass er bei seinem Abschied eine eigene Fernseh-Dokumentation bekommen habe, zeige, dass er sich Respekt erarbeitet habe. „Uli Hoeneß hat als erster verstanden, wie Marketing im Fußball läuft“, sagt Tim Graf. Der Arbeit des Funktionärs Hoeneß – auch in schwierigen Zeiten des FC Bayern München – zollt er Anerkennung. Hoeneß habe oft den Mund weit aufgerissen. Doch Reibung erzeuge eben Leistung. Und er habe immer ein Ziel vor Augen gehabt. Hoeneß habe es verstanden, junge Spieler in der Bahn zu halten. Graf geht sogar so weit: „Ohne Hoeneß würde der FC Bayer heute nicht einmal in der Ersten Fußball-Bundesliga spielen.“ Dass er früh seine sportliche Laufbahn beenden musste, nennt der 31-Jährige als seine herausragende Erinnerung an die Karriere von Uli Hoeneß. Dass Hoeneß Steuern hinterzogen habe, dafür habe er gebüßt. Doch nun solle man aufhören, mit dem Finger auf ihn zu zeigen. Graf glaubt, dass Hoeneß heute noch die Fäden im Hintergrund zieht.

Wohlschlegel: Was wäre Fußball ohne Hoeneß?

„Wenn ein Spieler in so jungen Jahren Weltmeister wird, dann muss er Fußballspielen gekonnt haben“, sagt Martin Wohlschlegel, Trainer des Bezirksligisten VfR Frankenthal. Ohne Uli Hoeneß wäre der FC Bayern München aus seiner Sicht nicht der Verein, der er heute ist. Er fragt, und antwortet selbst: „Was wäre der deutsche Fußball ohne Hoeneß? Sicher nicht so erfolgreich im Vereinsfußball.“ Dankbar müsse man dem Macher des FC Bayern dafür sein, dass er Christoph Daum als Bundestrainer verhindert habe. „Was wäre das für ein Zeichen gewesen?“, fragt Wohlschlegel. „Dass er zwischenzeitlich ausgeflippt ist und nicht ganz ehrlich war, das gehört zu seinem Lebenslauf dazu. Dafür hat er aber gebüßt“, meint der VfR-Trainer. Brutal sei, dass von der fußballerischen Laufbahn von Uli Hoeneß der verschossene Elfmeter im Europameisterschaftsfinale im Gedächtnis vieler hängen geblieben sei. „Doch ich habe Respekt vor seiner Lebensleistung“, sagt Wohlschlegel.

Krön: Er ist immer ein Mensch geblieben

„Uli Hoeneß hat einiges geleistet für den deutschen Fußball – nicht nur für seinen Verein“, sagt Stephan Krön, Trainer des Fußball-A-Klassisten DJK Eppstein. Am Ende sei der Eklat mit der Steuerhinterziehung ein prägendes Element der Erinnerung. Doch für Krön ist Hoeneß immer ein Mensch geblieben, über den er nichts Negatives sagen könne. Als Manager habe er immer zu 100 Prozent hinter seinen Leuten gestanden, ihnen Rückendeckung gegeben. „So einen Mann gibt es kein zweites Mal. Er hat sich mit seinem Verein identifiziert“ Auch wenn er das nicht aus eigener Anschauung wisse, so habe Hoeneß doch als aktiver Sportler mit den Bayern und der Nationalmannschaft herausragende Erfolge erzielt. Krön ist sich sicher: „Große Entscheidungen werden beim FC Bayern auch jetzt nicht ohne ihn getroffen.“

Rainer Bonhof, Uli Hoeneß und Hans-Georg Schwarzenbeck (von links) nach dem Sieg beim Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 197
Rainer Bonhof, Uli Hoeneß und Hans-Georg Schwarzenbeck (von links) nach dem Sieg beim Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1974.
Uli Hoeneß schießt im Finale der Europameisterschaft 1976 beim Elfmeterschießen in den Nachthimmel von Belgrad.
Uli Hoeneß schießt im Finale der Europameisterschaft 1976 beim Elfmeterschießen in den Nachthimmel von Belgrad.
x