Frankenthal „Hilfen anbieten, immer wieder“
Er habe den Justizvollzug in Rheinland-Pfalz „ganz wesentlich mitgeprägt“, sagte der Justizminister des Landes, Gerhard Robbers (SPD), über Klaus Schipper, der gestern offiziell aus seinem Amt als Leiter der Frankenthaler JVA verabschiedet wurde. Bei Schippers Nachfolgerin Gundi Bäßler sei das Amt laut Robbers jedoch in guten Händen: „Ich bin sicher, Sie werden die Aufgabe vorzüglich meistern.“
Eine Amtsübergabe habe immer zwei Seiten, sie sei „ein Plus und ein Minus, geprägt von Bedauern und Freude“, sagte Minister Gerhard Robbers während der Feierstunde vor rund 50 geladenen Gästen. Mit Bedauern lasse er den bisherigen Leiter der JVA, Klaus Schipper, nach 13 Jahren ziehen. Mit insgesamt 35 Jahren an der Spitze verschiedener JVAs sei Schipper der bisher dienstälteste Anstaltsleiter der Bundesrepublik. „Es gibt nicht viele solch hochkompetenter Menschen, egal in welchem Bereich“, lobte Robbers die Leistungen des 65-Jährigen. Insbesondere hob der Minister das Wirken Schippers als Leiter der 1989 neu errichteten Jugendstrafanstalt Schifferstadt hervor. Dank Schippers prägendem Einfluss habe „Schipperstadt“, wie die Einrichtung scherzhaft in JVA-Kreisen genannt worden sei, damals als eine der modernsten Justizvollzugsanstalten in Europa gegolten. Schipper selbst nannte die Möglichkeit, beim Aufbau der JVA Schifferstadt geholfen zu haben, einen „Glücksfall“. Die Erfahrungen, die er dort gesammelt habe, habe er nach Frankenthal mitgenommen, allen voran die Kooperationsarbeit mit Schulen. In der Frankenthaler JVA habe er versucht, zeitgemäße Strukturen und Konzepte einzubringen. „Die unglaubliche Vielfalt an Anforderungen war für mich eine hochinteressante Herausforderung, auch wenn ich nicht alle Aufgaben zur Zufriedenheit aller bewältigen konnte“, resümierte Schipper. Eine „gute Entwicklung“ sieht der bisherige Amtsinhaber in der Tatsache, dass immer mehr Frauen Führungspositionen im Justizvollzug einnehmen. Sei der Strafvollzug in Rheinland-Pfalz früher eine reine Männerdomäne gewesen, gebe es heute immerhin drei weibliche JVA-Leiterinnen. Justizminister Robbers zeigte sich zuversichtlich, dass die neue Anstaltsleiterin Gundi Bäßler eine würdige Nachfolgerin Schippers wird, auch wenn sie das Amt wahrscheinlich auf andere Weise leiten werde als ihr Vorgänger. Die 52-Jährige richtete in ihrer Ansprache den Fokus auf die Arbeit der Justizvollzugsanstalt, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sei: „Was machen die da eigentlich?“, sei eine oft gestellte Frage. Die Gesellschaft erwarte, dass die JVA-Mitarbeiter die Inhaftierten dazu befähigen, nach der Haft ein Leben ohne Straffälligkeit führen zu können. Doch so einfach sei diese Aufgabe nicht. „Selbst mit den besten Programmen, Ideen und Visionen können wir das nicht.“ Die Inhaftierten müssten ihr Leben selbst führen, die Mitarbeiter der JVA könnten ihnen dabei nur ihre „Hilfe anbieten, immer und immer wieder“. Dass die Bediensteten diese Arbeit leisten, sei nicht selbstverständlich. „Ohne Sie wäre Amtsleitung nicht möglich. Vielleicht ist es keine Utopie, wenn ich mir vorstelle, dass Sie stolz darauf sind, Bedienstete der JVA zu sein.“ Die anwesenden Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Richterschaft und der Stadtverwaltung bezeichnete Bäßler als „Partner“, die zu einer erfolgreichen Arbeit des Justizvollzuges maßgeblich beitrügen. (awac)