Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Heilige Dreifaltigkeit: Pilotprojekt sorgt für Diskussion

Priestermangel ist der Grund für die Umstrukturierungspläne. Bis 2032 rechnet man im Bistum mit einem Verlust von 40 Prozent des
Priestermangel ist der Grund für die Umstrukturierungspläne. Bis 2032 rechnet man im Bistum mit einem Verlust von 40 Prozent des hauptamtlichen Personals.

Die Entscheidung, ob sich die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit auf ein Leitungsmodell mit Ehrenamtlichen einlassen oder auf einer Ausschreibung der vakanten Stelle des leitenden Pfarrers bestehen wird, fällt erst 2023. Doch schon jetzt sorgt der Vorschlag aus Speyer für Diskussionen.

Wie das Votum letztlich aussehen wird, dazu brachte die Pfarreiversammlung am Freitag noch kein erhellenden Meinungsbild. Das war aber auch nicht Sinn und Zweck der knapp zweistündigen Veranstaltung in der Ludwigskirche. In erster Linie ging es darum, die knapp 100 interessierten Gemeindemitglieder umfassend ins Bild zu setzen. Und an „reellen Informationen von kompetenter Seite“, wie es Pfarrer Klaus Meister formulierte, fehlte es nicht. Über den Brief aus Speyer mit dem Vorschlag von Generalvikar Markus Magin, Frankenthal neben Homburg nach dem Weggang von Pfarrer Stefan Mühl zur zweiten Pilotpfarrei in der Diözese zu machen, sei man schon einigermaßen überrascht gewesen, räumte Pfarreiratsvorsitzender Theo Wieder ein. In ihrer Entscheidung, ob sie diesen Weg beschreiten wollen, seien die Gremien nun völlig frei.

„Wir werden in den nächsten zehn Jahren 40 Prozent unseres hauptamtlichen Personals verlieren“, verdeutlichte Thomas Kiefer, der beim Bischöflichen Ordinariat in Speyer die Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen leitet, die Ausgangslage. Vor diesem Hintergrund führe an neuen Leitungsmodellen kein Weg vorbei, zumal keinesfalls sicher sei, dass nach einer Ausschreibung die Pfarrstelle in Frankenthal wieder besetzt werden könne. Das Kirchenrecht erlaube es, auch Ehrenamtliche, die vom Bischof bestellt würden, mit Leitungsaufgaben zu betrauen.

Gute Erfahrung in Homburg

Wer die Laien als „Notnagel“ bezeichne, müsse die Frage beantworten, wie angesichts des Personalmangels die Alternative aussehen solle, führte Kiefer aus. Bei Ehrenamtlichen sei immer wieder die Rede davon, es werde nicht auf Augenhöhe gearbeitet, der Pfarrer entscheide. Das Modell biete eine echte Chance. „Die Ehrenamtlichen bekommen eine Leitungsfunktion, können selbst gestalten und stehen nicht unter Dauerkontrolle“, erläuterte der Referent aus Speyer. Die Erfahrungen in der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg seien gut, man habe für das Pfarreiteam vier Frauen gewinnen können, die jeweils im Tandem arbeiteten.

Thomas Kiefer sicherte zu, dass das Ordinariat – sollte Frankenthal das gleiche Modell erproben wollen – den Prozess begleiten und zwei Gemeindeberater abstellen würde. Auch gebe es Fortbildungsangebote, beispielsweise für die Bereiche Verwaltung oder Katechese. „Die Kirche wird sich radikal verändern, die Ehrenamtlichen müssen mit in den Ring“, hob Kiefer hervor.

„Mehr Chancen als Bedenken“

In einem weiteren Informationsblock fassten die Pfarreiratsmitglieder Mathias Pietruschka und Rainer Jacquemin den Diskussionsstand in den Gremien unter den Aspekten „Chancen“ und „Bedenken“ zusammen. Da war von einem neuen Wir-Gefühl und „Ein ,Weiter so’ wird es nicht geben“ die Rede. Allerdings wurde auch die Befürchtung formuliert, dass das Interesse an Kirche und Gottesdienst schwinden könnte, wenn Laien am Ruder sind. Zu bedenken sei ferner, dass Ehrenamtliche überfordert und Aufgaben nur abgeschoben würden, ohne die Ursachen des Problems anzugehen. Und die fehlende Unterstützung durch die Regionalverwaltung sowie die Bildung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft von Ehrenamtlichen wurden ebenfalls auf der Negativseite vermerkt. Gemeindereferentin Annette Kabanow, die die noch offenen Fragen des Leitungsmodells, etwa die Aufgabenverteilung oder die Rolle der Gremien bei einem mächtigen Pfarreiteam thematisierte, stellte optimistisch fest: „Es gibt mehr Chancen als Bedenken.“

Gleich drei Mitarbeiter hatte die Gemeindeberatung des Bistums als Moderatoren abgestellt. Petra Benz, Dorothee Lauer und Artur Kessler sorgten in dem ungemütlich kühlen Gotteshaus für einen zügigen Verlauf. Dazu trug auch die recht überschaubare Zahl an Wortbeiträgen aus dem Plenum bei. Mit Blick auf den hohen Verwaltungsaufwand der Pfarrei machte sich ein Gemeindemitglied für die Einstellung eines Hauptamtlichen stark. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass solche Arbeiten durch Professionelle erledigt würden. „Hätten wir ein volles Priesterseminar, wäre auch Geld da.“ Dafür gab es den einzigen Beifall des Abends. Von Thomas Kiefer kam postwendend der Dämpfer. „Die Einstellung einer vollen Kraft ist nicht möglich.“ Er könne aber die Unterstützung durch den Generalvikar zusagen.

Zeitaufwand für Laien unklar

Wer die letzte Verantwortung trage, wollte eine Zuhörerin wissen. Das Pfarreiteam als synodales Gremium gemeinsam, lautete die Antwort. Zur zeitlichen Inanspruchnahme der Ehrenamtlichen konnten indessen keine verbindlichen Angaben gemacht werden. Die Teilnehmer bekamen dann Gelegenheit, in einem „Resonanzbogen“ ihre persönliche Einstellung zum neuen Leitungsmodell zu Papier zu bringen. Bei der Sitzung des Pfarreirates am 5. Dezember soll das Meinungsbild der Versammlung ausgewertet werden. Mit einem finalen Votum der Gremien und des Pastoralteams rechnet Theo Wieder im ersten Quartal 2023.

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