Frankenthal
Heßheimer Chansonabend mit Marcel Adam und Liedern, die das Herz berühren

Sympathisch, mit viel Witz und Charisma unterhielt der Chansonnier und Liedermacher Marcel Adam die Gäste im ausverkauften Heßheimer Bürgerhaus am Freitagabend.
Zusammen mit Christian die Fantauzzi (Akkordeon) und Christian Conrad (Gitarre) bot er ein abwechslungsreiches Programm mit vielen eigenen Stücken in Deutsch, Französisch und lothringischer Mundart sowie Coverversionen. Mit einem lockeren „Hi!“ begrüßt Marcel Adam das Publikum. Ein lautes „Hi!“ bekommt er auch zurück. Man muss ihn einfach lieben, den durch seine lockere Art und positive Ausstrahlung bestechenden Lothringer, der gerne scherzt und damit das Publikum bisweilen in Aufruhr bringt.
So bezeichnet er den Veranstaltungsort als „wunderbare Großstadt“, stellt das Kurpfälzische über das Pfälzische oder erklärt: „Eine Partnerschaft funktioniert nur deshalb über viele Jahre, weil wir Männer bereit sind, Kompromisse zu machen.“ Ein Raunen von den Frauen im Saal und Applaus von den Männern nimmt Marcel Adam mit einem verschmitzten Lächeln als Antwort entgegen.
Dass der Chansonnier aufgrund einer Erkältung ab und an husten muss, tut der Qualität des Abends keinen Abbruch. Neben französischen Klassikern wie „Emmenez-moi“ von Charles Aznavour, der die Sehnsucht nach einer besseren Welt beschreibt, „Il est trop tard“ von Georges Moustaki oder „Kilimandjaro“ von Pascal Danel, präsentiert das Trio auch Modernes aus der deutschen Hitfabrik – etwa „Ein Hotdog unten am Hafen“ von Element of Crime oder „Weiße Fahnen“ von Silbermond.
Singen nach Lust, nicht nach Liste
Doch wie das zweieinhalbstündige Programm aussieht, das entscheidet sich erst vor Ort, quasi direkt auf der Bühne. „Wir haben keine genaue Liste, wir singen nach Lust und Laune“, erklärt Adam, als sein Bandkollege Christian Conrad das falsche Instrument zur Hand nimmt. „Christian hat viele Instrumente, er muss immer raten, was jetzt kommt“, scherzt Adam über den Gitarristen, der bisweilen auch zum Bass oder zur Mandoline greift.
Mit viel Gefühl und in lothringischer Mundart präsentiert der 1951 geborene Adam seine eigenen Lieder. Mit ihnen gibt er einen die Herzen berührenden Einblick in seine glücklichen Kindertage. So erzählt er mit „S’ Onna uff de Bonk“ von seiner Großmutter Anna, wie sie abends auf der Bank vor dem Haus saß und Kartoffeln schälte. Mitsingen dürfen die Zuhörer bei „De Brunne“, einem Lied über den einst als Kühlschrank dienenden Brunnen am Haus. Hier wurden Speisen und Getränke hinabgelassen, um sie frisch zu halten. Die Lieder offenbaren: Adams Kindertage, die er bei seiner Oma auf dem Land verbrachte, waren auch ohne Strom und Wasseranschluss glücklich. Sie gingen stattdessen mit viel Geselligkeit und Zusammenhalt einher, was in der heutigen schnelllebigen und digitalisierten Welt so nie mehr möglich sei, kommentiert Adam.
Plädoyer gegen Fremdenhass
Eine Hommage an seinen Akkordeonisten bringt Adam mit „L’italiano“ in mitreißendem Tango-Rhythmus oder erklärt mit „Le passage“, dass wir im Leben nur auf der Durchreise sind und deshalb immer unser Verhalten im Blick haben sollten. So bringt er am Ende des mit drei Zugaben gekrönten Programms noch ein Plädoyer gegen Antisemitismus und Fremdenhass und hinterlässt ein im Herzen berührtes Publikum.